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Glossar: Energiewende, Architektur und KI

Die wichtigsten Begriffe rund um die Digitalisierung der Energiewende, Enterprise Architecture und KI, verständlich erklärt.

73 Begriffe von A bis Z

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A

AFIR

AFIR ist die EU-Verordnung über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe. Für Betreiber öffentlicher Ladepunkte gelten seit 2024 Pflichten zu Ad-hoc-Bezahlung, Preistransparenz und Datenbereitstellung; ab dem 8. Januar 2026 ist ISO 15118-2 für neue Ladepunkte vorgeschrieben, ab 2027 ISO 15118-20 mit Plug and Charge. Stadtwerke als Ladepunktbetreiber müssen Backend und Prozesse anpassen.

Agentische KI (Agentic AI)

KI-Systeme, die eigenständig Ziele verfolgen, Entscheidungen treffen und mehrstufige Aufgaben ohne ständige menschliche Anleitung ausführen können. Im Gegensatz zu klassischen KI-Anwendungen, die auf einzelne Anfragen reagieren, planen agentische Systeme aktiv und passen ihr Vorgehen dynamisch an. In der Unternehmenspraxis bedeutet das: KI-Agenten, die ganze Workflows übernehmen, nicht nur einzelne Schritte.

AgNeS (Netzentgeltreform)

AgNeS ist das Festlegungsverfahren der Bundesnetzagentur für eine neue Netzentgeltsystematik Strom, die die StromNEV ab 2029 ablöst. Vorgesehen sind zeitvariable Entgelte, Kapazitätspreise und Einspeiseentgelte. Die Konsultation endete im September 2026, die Rahmenfestlegung folgt Ende 2026, Folgefestlegungen 2027. Netzbetreiber müssen Abrechnung, Messkonzepte und Tarife anpassen.

API (Application Programming Interface)

Eine Programmierschnittstelle, über die Softwaresysteme strukturiert Daten und Funktionen austauschen. APIs sind das Bindegewebe moderner IT, und bei KI der zentrale Zugangsweg zu Modellen: Anwendungen rufen Sprachmodelle, Embeddings oder Agenten über APIs auf. Gut entworfene, dokumentierte und abgesicherte APIs entscheiden über Integrierbarkeit, Skalierung und Anbieterunabhängigkeit.

Artificial General Intelligence (AGI)

Hypothetische KI-Systeme, die jede intellektuelle Aufgabe verstehen und lösen können, die ein Mensch bewältigen kann, einschließlich schlussfolgerndem Denken, Lernen und kreativer Problemlösung über Domänen hinweg. AGI existiert heute nicht; aktuelle Systeme wie LLMs sind spezialisierte (enge) KI. Die Diskussion um AGI ist zentral für langfristige KI-Strategien und Regulierung.

B

BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik)

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ist die deutsche Cybersicherheitsbehörde. Es definiert Standards (etwa den IT-Grundschutz), warnt vor Bedrohungen und gibt Leitfäden heraus, zunehmend auch zur sicheren Nutzung von KI in Unternehmen und Verwaltung. Für regulierte Branchen sind BSI-Vorgaben faktischer Compliance-Maßstab.

BVLOS

Beyond Visual Line of Sight, der Drohnenbetrieb außerhalb der direkten Sichtweite des Piloten. BVLOS-Flüge können ganze Leitungskorridore am Stück abdecken und sind die Voraussetzung für wirtschaftliche Drohneninspektionen von Stromnetzen. In der EU fallen sie in die specific category der Drohnenverordnung 2019/947 und brauchen eine Betriebsgenehmigung der nationalen Luftfahrtbehörde.

C

Clean Core

Clean Core ist das SAP-Prinzip, den Standardkern eines S/4HANA-Systems frei von Eigenentwicklungen zu halten und Erweiterungen entkoppelt auf der Business Technology Platform zu bauen. Für Energieversorger heißt das, jahrzehntealte IS-U-Eigenlogik zu bewerten, zu bereinigen oder zu kapseln, damit Upgrades, MaKo-Releases und KI-Funktionen ohne Sonderaufwand möglich bleiben.

CLS-Management

CLS-Management bündelt die Prozesse, mit denen ein aktiver externer Marktteilnehmer über den CLS-Kanal (Controllable Local Systems) des Smart-Meter-Gateways Steuerbefehle an Steuerboxen, Wärmepumpen, Wallboxen und Speicher sendet. Es umfasst Rollen, Schlüssel, Kommunikationsprofile und die Nachweisführung. Für die Steuerung nach §14a EnWG ist es die Betriebsgrundlage des Netzbetreibers oder eines beauftragten Dienstleisters.

Context Engineering

Die systematische Gestaltung und Optimierung des Kontexts, der einem KI-Modell bei der Verarbeitung zur Verfügung steht. Dazu gehören Systemprompts, Beispieldaten, Dokumentenauswahl und Instruktionsdesign. Context Engineering geht über Prompt Engineering hinaus, weil es die gesamte Informationsarchitektur rund um das Modell gestaltet, nicht nur die einzelne Eingabe.

D

Datensouveränität

Die Kontrolle darüber, wo Daten gespeichert und verarbeitet werden und welchem Recht sie unterliegen. Für europäische Unternehmen bedeutet das, kritische Daten und KI-Workloads unabhängig von außereuropäischen Anbietern und Rechtsordnungen betreiben zu können. Sie ist ein Kerntreiber von Sovereign-AI- und EU-Cloud-Initiativen.

Digitale Kollegen (Digital Colleagues)

KI-Agenten, die als vollwertige Teammitglieder mit definierten Rollen und Verantwortlichkeiten in Organisationen eingesetzt werden. Das Digital-Colleagues-Framework von innobu gibt KI-Agenten konkrete Jobtitel wie Architekt, Stratege oder Analyst und integriert sie in bestehende Governance-Strukturen. Der Ansatz löst das häufigste Problem bei KI-Projekten: Die Technologie funktioniert, aber niemand ist sich einig, was sie tun soll.

Digitale Ortsnetzstation

Eine digitale Ortsnetzstation ist eine Mittelspannungs-Niederspannungs-Station mit Sensorik, Fernwirktechnik und Kommunikation, die Messwerte aus der Niederspannung an die Netzleitstelle liefert und Schalthandlungen aus der Ferne erlaubt. Große Netzbetreiber rüsten bis 2026 zehntausende Stationen um; sie sind der Kern der Netzzustandsermittlung für §14a und Redispatch in der Niederspannung.

Digitale Transformation

Der tiefgreifende Umbau von Geschäftsmodellen, Prozessen und Kultur einer Organisation mit digitalen Technologien, mehr als die reine Digitalisierung einzelner Abläufe. Erfolgreiche Transformation verbindet Technologie, Daten und die Befähigung der Mitarbeitenden mit klaren Geschäftszielen. KI ist derzeit der stärkste Treiber und Prüfstein dieser Veränderung.

Digitaler Zwilling (Digital Twin)

Eine virtuelle Repräsentation eines physischen Objekts, Prozesses oder Systems, die in Echtzeit mit Daten synchronisiert wird. In der Energiewirtschaft werden Digitale Zwillinge eingesetzt, um Netzinfrastruktur zu modellieren, Belastungen zu simulieren und Wartung vorausschauend zu planen. Der Wert entsteht durch die Verbindung von Sensorik, Datenplattform und Entscheidungsunterstützung.

Digitaler Zwilling Fernwärme

Ein digitaler Zwilling eines Fernwärmenetzes ist ein hydraulisch-thermisches Modell des Netzes, das mit Messdaten aus Übergabestationen und Erzeugern laufend abgeglichen wird. Stadtwerke nutzen ihn zur Absenkung der Vorlauftemperatur, zur Einbindung dezentraler Einspeiser und Großwärmepumpen und als Datengrundlage für Wärmeplanung und Dekarbonisierungsfahrplan.

DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung)

Die Datenschutz-Grundverordnung der EU regelt seit 2018 die Verarbeitung personenbezogener Daten. Sie verlangt Rechtsgrundlage, Zweckbindung, Datenminimierung und Betroffenenrechte und sieht Bußgelder von bis zu 4 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor. Für KI-Projekte ist sie der zentrale Rahmen: Trainingsdaten, Prompts und Modellausgaben mit Personenbezug müssen DSGVO-konform sein, was Anonymisierung, Auftragsverarbeitung und Datenschutz-Folgenabschätzung erzwingt.

E

Energiedatenraum (CEEDS, energy data-X)

Ein Energiedatenraum ist eine föderierte Infrastruktur nach Gaia-X-Prinzipien, in der Marktakteure Energiedaten souverän teilen, ohne sie zentral abzugeben. Auf EU-Ebene entsteht der Common European Energy Data Space (CEEDS), in Deutschland lief bis Oktober 2026 das Leuchtturmprojekt energy data-X mit vier Übertragungsnetzbetreibern. Für Stadtwerke geht es um Schnittstellen, Datenqualität und Data Governance.

Energiemanagementsystem (HEMS)

Ein Home Energy Management System steuert Wärmepumpe, Wallbox, Speicher und PV-Anlage in einem Gebäude und empfängt über EEBUS und den CLS-Kanal des Smart-Meter-Gateways Vorgaben des Netzbetreibers nach §14a EnWG. Statt jedes Gerät einzeln zu dimmen, nennt der Netzbetreiber dem HEMS nur die zulässige Gesamtleistung.

Energy Sharing

Energy Sharing nach §42c EnWG erlaubt Energiegemeinschaften, lokal erzeugten Strom innerhalb eines Netzgebiets gemeinschaftlich zu nutzen und zu verrechnen. Seit dem 1. Juni 2026 müssen Netzbetreiber die Abwicklung ermöglichen; die dafür vorgesehene Plattform der Bundesnetzagentur nach §20b EnWG macht den Massenbetrieb realistisch erst 2027 möglich.

EU AI Act

Die europäische KI-Verordnung (Artificial Intelligence Act), die seit 2024 einen risikobasierten Regulierungsrahmen für den Einsatz von KI in der EU etabliert. Systeme werden in Risikokategorien eingeteilt, von minimal bis inakzeptabel. Hochrisiko-Systeme unterliegen strengen Anforderungen an Transparenz, Datenqualität und menschliche Aufsicht. Für Unternehmen bedeutet der EU AI Act konkrete Compliance-Pflichten, die jetzt umgesetzt werden müssen.

EU-Drohnenverordnung

Die EU-Verordnung 2019/947, die den Betrieb ziviler Drohnen europaweit regelt. Sie teilt Flüge in die Kategorien open, specific und certified ein. Gewerbliche BVLOS-Inspektionen von Stromnetzen fallen in die specific category und benötigen eine Betriebsgenehmigung auf Basis von SORA, Standardszenario oder PDRA.

G

Gasnetzgebietstransformationsplan (GTP)

Der Gasnetzgebietstransformationsplan ist die Planung eines Gasverteilnetzbetreibers, wie sein Netz bis 2045 auf Wasserstoff, Biomethan oder Stilllegung umgestellt wird, abgestimmt mit der kommunalen Wärmeplanung. Der Leitfaden von H2vorOrt und DVGW gibt die Methodik vor; das EnWG-Gaspaket 2026 schafft mit der Umsetzung der EU-Gasrichtlinie den Rechtsrahmen für Stilllegung und Umwidmung.

Gateway-Administrator (GWA)

Der Smart-Meter-Gateway-Administrator betreibt und verwaltet die Smart-Meter-Gateways im Auftrag des Messstellenbetreibers: Konfiguration, Zertifikate, Firmware, Tarifanwendungsfälle und die sichere Kommunikation nach BSI TR-03109. Ein GWA muss vom BSI zertifiziert sein; ab dem 1. Januar 2027 gilt für Neu- und Rezertifizierungen die TR-03109-6 in Version 2.0.

Generative KI (Generative AI)

KI-Systeme, die neue Inhalte wie Texte, Bilder, Code oder Musik erzeugen können, anstatt nur bestehende Daten zu analysieren oder zu klassifizieren. Die bekanntesten Beispiele sind ChatGPT, Claude und Midjourney. Generative KI basiert typischerweise auf großen vortrainierten Modellen (Foundation Models) und hat seit 2023 die Diskussion um KI im Unternehmenskontext fundamental verändert.

Grundzuständiger und wettbewerblicher Messstellenbetreiber (gMSB, wMSB)

Der grundzuständige Messstellenbetreiber ist in der Regel der Verteilnetzbetreiber und trägt die Rollout-Pflichten nach MsbG mit den Quoten 20, 50 und 95 Prozent bis 2025, 2028 und 2030. Wettbewerbliche Messstellenbetreiber übernehmen Messstellen auf Kundenwunsch. Seit dem 1. Juli 2026 gelten für gMSB standardisierte Messstellenverträge (BK6-24-125).

H

Halluzination

Das Phänomen, bei dem KI-Modelle plausibel klingende, aber faktisch falsche oder frei erfundene Informationen generieren. Halluzinationen sind kein Bug, sondern ein systemisches Merkmal generativer Modelle, die auf Wahrscheinlichkeiten basieren. Für den Unternehmenseinsatz bedeutet das: Jede KI-Ausgabe braucht Verifizierungsmechanismen. RAG, Grounding und menschliche Aufsicht sind die wichtigsten Gegenmassnahmen.

HEDWIG

HEDWIG ist das Datenportal der Bundesnetzagentur nach §111g EnWG, an das Netzbetreiber und andere Marktakteure Energiemarktdaten pseudonymisiert liefern müssen, damit Behörden und Forschung den Energiemarkt auswerten können. Die Konsultation zu Datenumfang und Pseudonymisierung lief bis Mai 2026; die Lieferpflicht erfordert neue Schnittstellen und Datenschutzprozesse.

I

IT-Sicherheitskatalog (§5c EnWG)

Der IT-Sicherheitskatalog der Bundesnetzagentur nach §5c EnWG verpflichtet Netzbetreiber zu einem ISMS nach ISO 27001 für die Netzleittechnik und seit der Fassung 2026 zu Systemen zur Angriffserkennung in OT-Netzen. Die Umsetzung ist nachzuweisen; sie greift in Leittechnik, Fernwirktechnik und die Anbindung digitaler Ortsnetzstationen ein.

K

KI-Agent (AI Agent)

Ein autonomes Softwaresystem, das seine Umgebung wahrnimmt, Entscheidungen trifft und Aktionen ausführt, um bestimmte Ziele zu erreichen. KI-Agenten unterscheiden sich von einfachen Chatbots durch ihre Fähigkeit, Tools zu nutzen, Pläne zu erstellen und mehrstufige Aufgaben selbstständig abzuarbeiten. In Unternehmen werden sie zunehmend für Recherche, Datenanalyse und Prozessautomatisierung eingesetzt.

KRITIS-Dachgesetz

Das KRITIS-Dachgesetz regelt seit dem 17. März 2026 den physischen und organisatorischen Schutz kritischer Anlagen, ergänzend zur digitalen Cybersicherheit nach NIS2. Betreiber müssen sich bei BBK und BSI registrieren, Risikoanalysen durchführen und Resilienzpläne vorlegen. Die ursprüngliche Registrierungsfrist wurde gestrichen; die Rechtsverordnung legt die Termine fest.

Kundenanlage

Eine Kundenanlage ist eine Energieanlage hinter dem Netzanschluss, die mehrere Letztverbraucher versorgt, ohne als Netz reguliert zu werden, etwa in Mehrfamilienhäusern oder Gewerbeparks. Nach dem EuGH-Urteil C-293/23 und dem BGH-Beschluss vom Mai 2025 ist der Begriff eng auszulegen; seit 2026 gilt ein Bestandsschutz, neue Konstellationen müssen als Netz oder als Mieterstrom organisiert werden.

L

Large Language Model (LLM)

Grosse neuronale Netze, die auf umfangreichen Textdaten trainiert werden und natürliche Sprache verstehen und generieren können. LLMs wie GPT-4, Claude und Gemini bilden die Grundlage der aktuellen Generative-AI-Welle. Sie arbeiten mit Token, nutzen die Transformer-Architektur und werden durch Feinabstimmung und Reinforcement Learning from Human Feedback (RLHF) für spezifische Anwendungen optimiert.

Lethal Trifecta

Von Simon Willison geprägter Begriff für die gefährliche Kombination dreier Fähigkeiten in einem KI-Agenten: Zugriff auf private Daten, Verarbeitung nicht vertrauenswürdiger Inhalte und die Möglichkeit zur Außenkommunikation. Treffen alle drei zusammen, kann eine Prompt Injection Daten unbemerkt abfließen lassen. Konsequenz: Agenten so entwerfen, dass nie alle drei Fähigkeiten gleichzeitig vorliegen.

Lieferantenwechsel in 24 Stunden (LFW24)

LFW24 ist der seit 2025 verbindliche Prozess, nach dem ein Stromlieferantenwechsel innerhalb von 24 Stunden abgeschlossen sein muss. Der Wechsel läuft sternförmig über die Marktlokations-ID beim Netzbetreiber statt bilateral zwischen den Lieferanten. Für Gas und Wasserstoff ist die Ausdehnung geplant, der Termin ist offen.

Luftfahrt-Bundesamt (LBA)

Das Luftfahrt-Bundesamt ist die deutsche Behörde, die Betriebsgenehmigungen für Drohnenflüge in der specific category erteilt. Für neue BVLOS-Anträge prüft das LBA seit dem 1. Januar 2026 auf Basis der Methodik SORA 2.5; die Bearbeitung dauert in der Regel mehrere Wochen bis Monate.

M

MaBiS-Hub

Der MaBiS-Hub ist die von der Bundesnetzagentur festgelegte zentrale Plattform für die Bilanzkreisabrechnung Strom, die die heute dezentrale Aggregation bei den Verteilnetzbetreibern ablöst. Die Einführung ist in zwei Blöcke geteilt: Festlegung zu Block 1 (Messwertverarbeitung) 2026, Produktivbetrieb im zweiten Halbjahr 2028. Netzbetreiber und Lieferanten müssen Schnittstellen und Stammdaten anpassen.

Marktkommunikation (MaKo)

Marktkommunikation ist der standardisierte elektronische Datenaustausch zwischen den Marktrollen der Energiewirtschaft, etwa Netzbetreiber, Lieferant und Messstellenbetreiber, für Prozesse wie Lieferantenwechsel, Bilanzierung und Messwertübermittlung. Die Bundesnetzagentur legt Prozesse (GPKE, GeLi Gas, MaBiS, WiM) und Formate (EDIFACT, künftig API) fest und veröffentlicht zwei verbindliche Releases pro Jahr, jeweils zum 1. April und 1. Oktober.

Maschinelles Lernen (Machine Learning)

Teilgebiet der Künstlichen Intelligenz, bei dem Algorithmen aus Daten lernen und Muster erkennen, ohne explizit programmiert zu werden. Die drei Hauptkategorien sind überwachtes Lernen (mit gelabelten Daten), unüberwachtes Lernen (Mustererkennung in unstrukturierten Daten) und Reinforcement Learning (Lernen durch Belohnung). Maschinelles Lernen ist die Grundlage praktisch aller modernen KI-Anwendungen.

MiSpeL

MiSpeL steht für die Festlegung der Bundesnetzagentur zur Marktintegration von Speichern und Ladepunkten. Sie regelt, wie bidirektionale Speicher und Ladepunkte bilanziert werden und welche Netzentgelte gelten, und hebt die Doppelbelastung mit Netzentgelten auf. Die Festlegung erscheint zum 1. Oktober 2026, die Automatisierung in der Marktkommunikation folgt ab 2027.

Model Context Protocol (MCP)

Ein offener Standard, der KI-Modellen den strukturierten Zugriff auf externe Datenquellen und Werkzeuge ermöglicht. MCP wurde von Anthropic initiiert und funktioniert wie ein universeller Adapter: Statt für jede Datenquelle eine eigene Integration zu bauen, bietet MCP eine standardisierte Schnittstelle. Für Unternehmen reduziert das den Integrationsaufwand und verbessert die Interoperabilität zwischen KI-Systemen.

Multi-Agenten-System

Eine Architektur, in der mehrere KI-Agenten zusammenarbeiten, um komplexe Aufgaben zu lösen. Jeder Agent hat spezialisierte Fähigkeiten und eine definierte Rolle; die Koordination erfolgt über Protokolle oder einen Orchestrierungsagenten. Multi-Agenten-Systeme ermöglichen die Zerlegung komplexer Probleme in handhabbare Teilaufgaben und sind die Grundlage für skalierbare KI-Betriebsmodelle.

N

Natural Language Processing (NLP)

Teilbereich der KI, der sich mit der Verarbeitung, dem Verstehen und der Generierung menschlicher Sprache befasst. NLP umfasst Aufgaben wie Textklassifikation, Sentimentanalyse, Named Entity Recognition, maschinelle Übersetzung und Fragebeantwortung. Moderne LLMs haben NLP revolutioniert: Aufgaben, die vor wenigen Jahren spezialisierte Modelle erforderten, lösen heute generische Sprachmodelle als Nebeneffekt.

NEST (Anreizregulierung)

NEST bezeichnet die Festlegungen der Bundesnetzagentur vom Dezember 2025 zur neuen Anreizregulierung, die die ARegV ablösen. Die fünfte Regulierungsperiode beginnt 2028 für Gas und 2029 für Strom, danach gelten Dreijahresperioden. Neu sind Qualitätselemente zu Digitalisierung und Energiewendekompetenz, die künftig Erlösfolgen haben können.

Netzanschlussportal

Ein Netzanschlussportal ist die digitale Plattform, über die Anschlussnehmer und Installateure Netzanschlüsse und Einspeiseanlagen beantragen, Unterlagen einreichen und den Status verfolgen. Nach §8 Abs. 7 EEG müssen Netzbetreiber seit 2025 ein solches Portal anbieten; das Netzpaket sieht ab 2027 Kapazitätskarten und Reservierungen ab 135 kW vor. Es ist der sichtbarste Digitalisierungsprozess zwischen Netzbetreiber und Kunde.

Netzorientierte Steuerung

Netzorientierte Steuerung ist die ab 2029 verbindliche Form der Steuerung nach §14a EnWG: Der Verteilnetzbetreiber greift nur bei einem tatsächlich gemessenen Engpass ein, auf Basis von Netzzustandsdaten aus der Niederspannung. Bis Ende 2028 gilt die Übergangsfrist mit präventiver Steuerung nach festen Regeln. Voraussetzung sind Netzzustandsermittlung, Steuerboxen, CLS-Management und ein Niederspannungsleitsystem.

Netzzustandsermittlung

Netzzustandsermittlung bezeichnet die Berechnung des aktuellen Zustands eines Niederspannungsnetzes, also Spannungen, Ströme und Auslastung, aus Messwerten weniger Messpunkte plus Netzmodell. Der VDE-FNN-Hinweis empfiehlt Messwerte von mindestens 20 Prozent der Anschlussnutzer oder Trafoabgang plus 10 Prozent in Minutenauflösung. Sie ist die Datengrundlage der netzorientierten Steuerung ab 2029.

NIS-2

Die NIS-2-Richtlinie der EU verschärft die Cybersicherheitspflichten für Betreiber wesentlicher und wichtiger Einrichtungen, darunter Energie, Gesundheit, digitale Infrastruktur und Verwaltung. Sie verlangt Risikomanagement, Meldepflichten bei Vorfällen binnen 24 Stunden und persönliche Haftung der Geschäftsleitung. Sie betrifft deutlich mehr Unternehmen als die Vorgängerregelung.

O

Open Source

Software, deren Quellcode offen einsehbar, nutzbar und veränderbar ist. Bei KI reicht das Spektrum von offenen Gewichten bis zu vollständig offenen Trainingsdaten und -rezepten. Open-Source-Modelle bieten Kontrolle, Auditierbarkeit und Souveränität, verlagern aber Verantwortung für Betrieb, Sicherheit und Compliance ins eigene Haus.

P

Prompt Engineering

Die Kunst und Wissenschaft, Eingabeanweisungen (Prompts) für KI-Modelle so zu formulieren, dass sie optimale Ergebnisse liefern. Dazu gehören Techniken wie Chain-of-Thought-Prompting, Rollenanweisungen, Formatvorgaben und Few-Shot-Beispiele. Gutes Prompt Engineering kann die Qualität von KI-Ausgaben drastisch verbessern, ohne das Modell selbst verändern zu müssen.

Prompt Injection

Ein Angriffsvektor, bei dem böswillige Anweisungen in die Eingabe eines KI-Modells eingeschleust werden, um dessen Verhalten zu manipulieren. Bei indirekter Prompt Injection werden die Anweisungen in Datenquellen versteckt, die das Modell verarbeitet, etwa in Webseiten oder Dokumenten. Prompt Injection ist eine der grössten Sicherheitsherausforderungen für KI-Systeme im Unternehmenseinsatz.

Q

Qualitätsregulierung

Die Qualitätsregulierung ist der Teil der Anreizregulierung, der Netzbetreiber über Kennzahlen wie SAIDI (Unterbrechungsdauer) und künftig Digitalisierungsgrad und Energiewendekompetenz bewertet. Die Bundesnetzagentur veröffentlichte im Juli 2026 erstmals eine Deutschlandkarte mit diesen Kennzahlen, noch ohne Erlösfolge; mit NEST können daraus Zu- und Abschläge werden.

R

RAG (Retrieval Augmented Generation)

Eine Architektur, die KI-Modelle mit externem Wissen anreichert, indem relevante Dokumente vor der Antwortgenerierung abgerufen werden. Statt sich nur auf das Trainingswissen zu verlassen, durchsucht das System eine Wissensdatenbank und fügt relevante Informationen in den Kontext ein. RAG reduziert Halluzinationen, hält Antworten aktuell und ermöglicht die Nutzung unternehmenseigener Daten, ohne das Modell neu trainieren zu müssen.

Redispatch 2.0 und 3.0

Redispatch ist der Eingriff des Netzbetreibers in die Einspeisung von Erzeugungsanlagen zur Vermeidung von Netzengpässen. Seit Redispatch 2.0 (2021) sind auch Anlagen ab 100 kW und steuerbare Kleinanlagen einbezogen, mit Datenaustausch über Connect+. Redispatch 3.0 erweitert das Verfahren um marktbasierte Flexibilität und Kleinanlagen in der Niederspannung (VDE SPEC 90032).

ROI (Return on Investment)

Die Kennzahl, die den finanziellen Ertrag einer Investition ins Verhältnis zu ihren Kosten setzt. Bei KI-Projekten ist der ROI oft schwer zu fassen: Produktivitätsgewinne, Qualität und Geschwindigkeit zahlen sich indirekt aus, während Pilotkosten sofort anfallen. Belastbare ROI-Messung braucht klare Baseline, definierte Use-Cases und ehrliche Berücksichtigung von Betriebs-, Governance- und Change-Kosten.

S

SAP IS-U und S/4HANA Utilities

SAP IS-U ist die branchenspezifische Abrechnungs- und Marktkommunikationslösung, die viele Stadtwerke auf SAP ECC betreiben. Die Mainstream-Wartung für ECC endet am 31. Dezember 2027, Extended Maintenance bis 2030 kostet Aufpreis. Nachfolger ist S/4HANA Utilities, meist mit Clean-Core-Ansatz; Migrationen dauern 18 bis 36 Monate und hängen an MaKo-Releases und Rollout.

Smart Meter Gateway

Die zentrale Kommunikationseinheit eines intelligenten Messsystems (iMSys), die den sicheren Datenaustausch zwischen Stromzählern, Marktakteuren und Netzbetreibern ermöglicht. Smart Meter Gateways müssen BSI-zertifiziert sein und bilden die technische Grundlage für den deutschen Smart-Meter-Rollout. Sie sind die Voraussetzung für zeitvariable Tarife, §14a-Steuerung und die Integration dezentraler Energieerzeugung.

SORA

Specific Operations Risk Assessment, die EU-Methodik zur Risikobewertung von Drohnenflügen in der specific category. SORA bewertet Boden- und Luftrisiko und leitet daraus die nötigen Sicherheitsmaßnahmen ab. Seit dem 1. Januar 2026 müssen neue Anträge für BVLOS-Flüge in Deutschland mit der Version SORA 2.5 gestellt werden.

Standardszenario (STS)

Vordefiniertes Betriebsszenario der EU-Drohnenverordnung (STS-01, STS-02), das genehmigte Standardbedingungen für Drohnenflüge in der specific category festlegt. Wer innerhalb eines Standardszenarios bleibt, kann den Betrieb bei der Luftfahrtbehörde anzeigen, statt eine individuelle SORA-Risikoanalyse durchzuführen.

Steuerbox

Die Steuerbox ist das BSI-zertifizierte Gerät, das über das Smart-Meter-Gateway Steuerbefehle empfängt und an steuerbare Verbrauchseinrichtungen oder Einspeiseanlagen weitergibt, etwa das Dimmen einer Wärmepumpe auf 4,2 kW nach §14a EnWG oder die Begrenzung einer PV-Anlage nach dem Solarspitzengesetz. Netzbetreiber und Messstellenbetreiber müssen Bestellung, Einbau und Betrieb im Massengeschäft organisieren.

T

Tarifanwendungsfall (TAF)

Tarifanwendungsfälle sind die im BSI-Schutzprofil definierten Betriebsarten eines Smart-Meter-Gateways, die festlegen, welche Messwerte in welcher Auflösung an wen übermittelt werden, etwa TAF 7 für Zählerstandsgänge in Viertelstundenwerten für dynamische Tarife und Bilanzierung oder TAF 6 für Ablesungen im Bedarfsfall. Neue Gateway-Generationen unterstützen mehr TAF parallel.

Token

Die kleinste Verarbeitungseinheit in Sprachmodellen, ein Wort, Wortteil oder Sonderzeichen, in das Text zerlegt wird. Ein deutsches Wort besteht typischerweise aus 1 bis 3 Token. Token bestimmen sowohl die Eingabe- als auch die Ausgabelänge eines Modells und sind die Basis für die Kostenberechnung bei API-Nutzung. Die Kontextlänge eines Modells (z.B. 200.000 Token) bestimmt, wie viel Information gleichzeitig verarbeitet werden kann.

Transformer

Eine 2017 eingeführte neuronale Netzarchitektur, die auf dem Self-Attention-Mechanismus basiert und die Grundlage praktisch aller modernen Sprachmodelle bildet. Transformer können Beziehungen zwischen weit entfernten Wörtern in einem Text erfassen und parallelisiert trainiert werden. GPT, Claude, Gemini und Llama basieren alle auf dieser Architektur. Der Name des Papers: "Attention Is All You Need".

U

U-space

Der europäische Rechtsrahmen für ein digitales Luftraummanagement von Drohnen. U-space stellt Dienste wie Identifikation, Geosensibilisierung und Verkehrsinformation bereit, damit viele Drohnen sicher und automatisiert im selben Luftraum fliegen können, etwa entlang von Leitungskorridoren.

Unternehmensarchitektur (Enterprise Architecture)

Die vollständige Beschreibung der Strukturen einer Organisation: Geschäftsprozesse, IT-Systeme, Datenflüsse und Technologie-Infrastruktur. Enterprise Architecture schafft Transparenz darüber, wie einzelne Systeme zusammenwirken, und liefert die Entscheidungsgrundlage für Investitionen in Technologie und Transformation. Ohne EA wird jedes große Programm zum Blindflug.

V

Vendor Lock-in

Die Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter, dessen Produkte, Formate oder Schnittstellen einen Wechsel technisch oder wirtschaftlich teuer machen. Bei KI entsteht Lock-in über proprietäre Modelle, APIs, Embeddings und Tooling. Gegenmittel sind offene Standards, Abstraktionsschichten, Exit-Strategien und Multi-Vendor-Architekturen, damit Modelle und Plattformen austauschbar bleiben.

Verantwortungsvolle KI (Responsible AI)

Ein Rahmenwerk für die Entwicklung und den Einsatz von KI-Systemen unter Beachtung ethischer Prinzipien wie Fairness, Transparenz, Datenschutz und Nicht-Diskriminierung. Verantwortungsvolle KI geht über Compliance hinaus: Sie fordert proaktive Massnahmen wie Bias-Tests, Erklärbarkeit von Entscheidungen und klare Verantwortungsstrukturen. Im EU-Kontext wird sie durch den AI Act zunehmend verpflichtend.

Vibe Coding

Ein Ansatz der Softwareentwicklung, bei dem Entwickler ihre Absichten in natürlicher Sprache beschreiben und KI den Code generiert. Der Begriff wurde 2025 von Andrej Karpathy geprägt. Vibe Coding senkt die Einstiegshürde für Softwareentwicklung drastisch und ermöglicht es Fachexperten ohne tiefe Programmierkenntnisse, funktionale Prototypen und Anwendungen zu bauen. Die Qualitätssicherung bleibt dabei die entscheidende menschliche Aufgabe.

Vordefinierte Risikobewertung (PDRA)

Predefined Risk Assessment, ein von der EASA vorgegebener Mittelweg zwischen Standardszenario und individueller SORA. Eine PDRA beschreibt eine typische Betriebsart mit bereits bewertetem Risiko, sodass Betreiber die fertige Vorlage nutzen statt die komplette Risikoanalyse selbst zu erstellen.

W

Wärmeplanungsgesetz (WPG)

Das Wärmeplanungsgesetz verpflichtet Kommunen zur kommunalen Wärmeplanung: Großstädte über 100.000 Einwohner bis zum 30. Juni 2026, alle übrigen bis zum 30. Juni 2028. Der Plan weist Gebiete für Wärmenetze, Wasserstoffnetze und dezentrale Versorgung aus. Nach §32 müssen Betreiber bestehender Wärmenetze bis Ende 2026 einen Dekarbonisierungsfahrplan vorlegen. Stadtwerke liefern Datengrundlage und Netzplanung.

Z

Zero-Day

Eine Sicherheitslücke, die ausgenutzt wird, bevor der Hersteller einen Patch bereitstellen konnte, Verteidiger haben null Tage Vorsprung. Zero-Day-Exploits sind besonders gefährlich, weil weder Signaturen noch Updates schützen. Bei KI-Systemen verschiebt sich die Angriffsfläche zusätzlich auf Modelle, Prompts und Agenten-Werkzeuge.

Zero-Shot / Few-Shot Learning

Techniken, bei denen KI-Modelle Aufgaben ohne (Zero-Shot) oder mit nur wenigen (Few-Shot) Beispielen lösen können. Bei Zero-Shot erhält das Modell nur eine Aufgabenbeschreibung; bei Few-Shot werden einige Beispiel-Paare (Input/Output) mitgegeben. Diese Fähigkeit ist ein Hauptvorteil großer Sprachmodelle gegenüber klassischem maschinellem Lernen, das große gelabelte Datensätze benötigt.

§

§14a EnWG

Paragraph 14a des Energiewirtschaftsgesetzes regelt die netzorientierte Steuerung steuerbarer Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen, Wallboxen und Batteriespeicher. Netzbetreiber können bei Engpässen die Leistung temporär auf 4,2 kW dimmen, müssen im Gegenzug reduzierte Netzentgelte gewähren. Die Umsetzung erfordert Smart Meter Gateways, neue Steuerboxen und erhebliche Anpassungen in IT-Systemen und Prozessen der Netzbetreiber.