Glossar: Energiewende, Architektur und KI

Die wichtigsten Begriffe rund um die Digitalisierung der Energiewende, Enterprise Architecture und KI, verständlich erklärt.

112 Begriffe von A bis Z

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A

AFIR

AFIR ist die EU-Verordnung über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe. Für Betreiber öffentlicher Ladepunkte gelten seit 2024 Pflichten zu Ad-hoc-Bezahlung, Preistransparenz und Datenbereitstellung; ab dem 8. Januar 2026 ist ISO 15118-2 für neue Ladepunkte vorgeschrieben, ab 2027 ISO 15118-20 mit Plug and Charge. Stadtwerke als Ladepunktbetreiber müssen Backend und Prozesse anpassen.

Agentische KI (Agentic AI)

KI-Systeme, die eigenständig Ziele verfolgen, Entscheidungen treffen und mehrstufige Aufgaben ohne ständige menschliche Anleitung ausführen können. Im Gegensatz zu klassischen KI-Anwendungen, die auf einzelne Anfragen reagieren, planen agentische Systeme aktiv und passen ihr Vorgehen dynamisch an. In der Unternehmenspraxis bedeutet das: KI-Agenten, die ganze Workflows übernehmen, nicht nur einzelne Schritte.

Aggregator

Ein Aggregator bündelt Erzeugungsanlagen, Speicher und flexible Verbraucher vieler Kunden und vermarktet sie gemeinsam, etwa als virtuelles Kraftwerk. Das EnWG definiert die Rolle seit 2021 (§ 3 Nr. 1a). Für Netzbetreiber und Lieferanten entstehen dadurch neue Datenflüsse zwischen Bilanzkreis, Messstelle und Steuerung.

AgNes (Netzentgeltreform)

AgNes (Allgemeine Netzentgeltsystematik Strom) ist das Festlegungsverfahren der Bundesnetzagentur für eine neue Netzentgeltsystematik, die die StromNEV ab 2029 ablöst. Nach dem Entwurf vom August 2026 zahlen Entnahmestellen mit eigener Erzeugung einen Prosumer-Aufschlag, über 100.000 kWh und oberhalb der Niederspannung gilt ein Kapazitätspreis, und Erzeugungsanlagen über 30 kW zahlen ein Einspeiseentgelt. Dynamische Netzentgelte kommen zunächst nur für Speicher und Erzeugung, nicht für Letztverbraucher. Die Konsultation endete im September 2026, die Rahmenfestlegung folgt Ende 2026, Folgefestlegungen 2027. Netzbetreiber müssen Abrechnung, Messkonzepte und Tarife anpassen.

API (Application Programming Interface)

Eine Programmierschnittstelle, über die Softwaresysteme strukturiert Daten und Funktionen austauschen. APIs sind das Bindegewebe moderner IT, und bei KI der zentrale Zugangsweg zu Modellen: Anwendungen rufen Sprachmodelle, Embeddings oder Agenten über APIs auf. Gut entworfene, dokumentierte und abgesicherte APIs entscheiden über Integrierbarkeit, Skalierung und Anbieterunabhängigkeit.

Artificial General Intelligence (AGI)

Hypothetische KI-Systeme, die jede intellektuelle Aufgabe verstehen und lösen können, die ein Mensch bewältigen kann, einschließlich schlussfolgerndem Denken, Lernen und kreativer Problemlösung über Domänen hinweg. AGI existiert heute nicht; aktuelle Systeme wie LLMs sind spezialisierte (enge) KI. Die Diskussion um AGI ist zentral für langfristige KI-Strategien und Regulierung.

AS4

AS4 ist der Transportweg für Nachrichten der Marktkommunikation, ein Standard auf Basis von ebMS3 und Webservices mit Signatur und Verschlüsselung. Im Strommarkt ist er seit dem 1. April 2024 Pflicht und hat E-Mail und AS2 abgelöst. Wer AS4 betreibt, braucht gültige Zertifikate aus der Smart-Meter-PKI und eine Gegenstelle, die erreichbar bleibt. Fällt der Kanal aus, stehen Lieferantenwechsel und Messwertversand.

B

Batteriegroßspeicher

Ein Batteriegroßspeicher ist ein netzgekoppelter Speicher im Megawattbereich, meist in Containern neben einem Umspannwerk. Er verdient am Großhandels- und Regelenergiemarkt und kann Netzengpässe entlasten. Die Zahl der Anschlussanfragen übersteigt die verfügbare Netzkapazität bei Weitem, deshalb werden Netzanschlussverfahren und flexible Anschlussverträge zum Engpass.

BEHG (Brennstoffemissionshandelsgesetz)

Das BEHG bepreist seit 2021 die CO2-Emissionen von Heiz- und Kraftstoffen in Deutschland. Pflichtig sind die Inverkehrbringer, also etwa Gaslieferanten, die die Kosten an ihre Kunden weitergeben. Das nationale System soll in den europäischen Emissionshandel für Gebäude und Verkehr übergehen.

Betreiber (KI-Verordnung)

Wer ein KI-System in eigener Verantwortung beruflich verwendet (Art. 3 Nr. 4 KI-Verordnung). Die meisten Stadtwerke und Netzbetreiber sind Betreiber, nicht Anbieter: Sie kaufen ein System ein und setzen es ein. Betreiber von Hochrisiko-Systemen müssen sie nach Gebrauchsanweisung nutzen, Menschen mit der Aufsicht betrauen, Protokolle mindestens sechs Monate aufbewahren und die Arbeitnehmervertretung vorher informieren (Art. 26). Wer ein System unter eigenem Namen anbietet oder wesentlich verändert, wird selbst zum Anbieter (Art. 25).

BEW (Bundesförderung für effiziente Wärmenetze)

Die BEW ist das Förderprogramm des Bundes für Neubau und Umbau von Wärmenetzen, die zu mindestens 75 Prozent aus erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme gespeist werden. Sie zahlt bis zu 40 Prozent der förderfähigen Kosten, Träger ist das BAFA. Seit dem 1. April 2026 fördert sie keine Transformationspläne mehr; Machbarkeitsstudien, Planung und Bau bleiben förderfähig. Den Dekarbonisierungsfahrplan nach § 32 WPG müssen Netzbetreiber trotzdem vorlegen.

Bilanzkreis

Ein Bilanzkreis ist ein virtuelles Energiekonto, in dem Einspeisungen und Entnahmen eines Marktteilnehmers je Viertelstunde gegeneinander gerechnet werden. Der Bilanzkreisverantwortliche muss ihn ausgeglichen halten; jede Abweichung rechnet der Übertragungsnetzbetreiber als Ausgleichsenergie zum reBAP ab. Rahmen ist der Standardbilanzkreisvertrag BK6-23-102, abgerechnet wird nach MaBiS. Schlechte Prognosen kosten hier direkt Geld.

BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik)

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ist die deutsche Cybersicherheitsbehörde. Es definiert Standards (etwa den IT-Grundschutz), warnt vor Bedrohungen und gibt Leitfäden heraus, zunehmend auch zur sicheren Nutzung von KI in Unternehmen und Verwaltung. Für regulierte Branchen sind BSI-Vorgaben faktischer Compliance-Maßstab.

Bundesnetzagentur (BNetzA)

Die Bundesnetzagentur in Bonn reguliert unter anderem die Strom- und Gasnetze. Seit dem EuGH-Urteil von 2021 zur Unabhängigkeit der Regulierer legt sie Netzentgeltmethodik und Marktprozesse zunehmend selbst per Festlegung fest, statt dass Verordnungen des Bundes das tun. Die Beschlusskammern tragen Kürzel wie BK6 (Netzzugang und Marktkommunikation Strom) oder BK8 (Entgelte Strom). Wer eine Festlegungsnummer wie BK6-24-125 liest, liest eine Pflicht mit Datum.

BVLOS

Beyond Visual Line of Sight, der Drohnenbetrieb außerhalb der direkten Sichtweite des Piloten. BVLOS-Flüge können ganze Leitungskorridore am Stück abdecken und sind die Voraussetzung für wirtschaftliche Drohneninspektionen von Stromnetzen. In der EU fallen sie in die specific category der Drohnenverordnung 2019/947 und brauchen eine Betriebsgenehmigung der nationalen Luftfahrtbehörde.

C

Clean Core

Clean Core ist das SAP-Prinzip, den Standardkern eines S/4HANA-Systems frei von Eigenentwicklungen zu halten und Erweiterungen entkoppelt auf der Business Technology Platform zu bauen. Für Energieversorger heißt das, jahrzehntealte IS-U-Eigenlogik zu bewerten, zu bereinigen oder zu kapseln, damit Upgrades, MaKo-Releases und KI-Funktionen ohne Sonderaufwand möglich bleiben.

CLS-Management

CLS-Management bündelt die Prozesse, mit denen ein aktiver externer Marktteilnehmer über den CLS-Kanal (Controllable Local Systems) des Smart-Meter-Gateways Steuerbefehle an Steuerboxen, Wärmepumpen, Wallboxen und Speicher sendet. Es umfasst Rollen, Schlüssel, Kommunikationsprofile und die Nachweisführung. Für die Steuerung nach § 14a EnWG ist es die Betriebsgrundlage des Netzbetreibers oder eines beauftragten Dienstleisters.

Context Engineering

Die systematische Gestaltung und Optimierung des Kontexts, der einem KI-Modell bei der Verarbeitung zur Verfügung steht. Dazu gehören Systemprompts, Beispieldaten, Dokumentenauswahl und Instruktionsdesign. Context Engineering geht über Prompt Engineering hinaus, weil es die gesamte Informationsarchitektur rund um das Modell gestaltet, nicht nur die einzelne Eingabe.

Cyber Resilience Act (CRA)

Der Cyber Resilience Act, Verordnung (EU) 2024/2847, verpflichtet Hersteller von Produkten mit digitalen Elementen zu Security by Design, Schwachstellenmanagement und einer Software-Stückliste (SBOM). Seit dem 11. September 2026 müssen Hersteller aktiv ausgenutzte Schwachstellen melden, ab dem 11. Dezember 2027 gilt die Verordnung vollständig. Das reicht vom Wechselrichter bis zur Steuerungssoftware in der Leitwarte. Für Stadtwerke als Käufer wird der CRA zur Frage in jeder Ausschreibung.

D

Datensouveränität

Die Kontrolle darüber, wo Daten gespeichert und verarbeitet werden und welchem Recht sie unterliegen. Für europäische Unternehmen bedeutet das, kritische Daten und KI-Workloads unabhängig von außereuropäischen Anbietern und Rechtsordnungen betreiben zu können. Sie ist ein Kerntreiber von Sovereign-AI- und EU-Cloud-Initiativen.

Digitale Kollegen (Digital Colleagues)

KI-Agenten, die in einer Organisation eine feste Rolle mit klarer Zuständigkeit bekommen, etwa als Analyst oder Sachbearbeiter für eine Klärfallart. Der Begriff betont die Einbindung in Abläufe und Verantwortung, nicht die Technik. Ob ein solcher Agent arbeiten darf, entscheidet am Ende ein Mensch, der für sein Ergebnis geradesteht.

Digitale Ortsnetzstation

Eine digitale Ortsnetzstation ist eine Mittelspannungs-Niederspannungs-Station mit Sensorik, Fernwirktechnik und Kommunikation, die Messwerte aus der Niederspannung an die Netzleitstelle liefert und Schalthandlungen aus der Ferne erlaubt. Große Netzbetreiber rüsten bis 2026 zehntausende Stationen um; sie sind der Kern der Netzzustandsermittlung für § 14a und Redispatch in der Niederspannung.

Digitale Transformation

Der tiefgreifende Umbau von Geschäftsmodellen, Prozessen und Kultur einer Organisation mit digitalen Technologien, mehr als die reine Digitalisierung einzelner Abläufe. Erfolgreiche Transformation verbindet Technologie, Daten und die Befähigung der Mitarbeitenden mit klaren Geschäftszielen. KI ist derzeit der stärkste Treiber und Prüfstein dieser Veränderung.

Digitaler Zwilling (Digital Twin)

Eine virtuelle Repräsentation eines physischen Objekts, Prozesses oder Systems, die in Echtzeit mit Daten synchronisiert wird. In der Energiewirtschaft werden Digitale Zwillinge eingesetzt, um Netzinfrastruktur zu modellieren, Belastungen zu simulieren und Wartung vorausschauend zu planen. Der Wert entsteht durch die Verbindung von Sensorik, Datenplattform und Entscheidungsunterstützung.

Digitaler Zwilling Fernwärme

Ein digitaler Zwilling eines Fernwärmenetzes ist ein hydraulisch-thermisches Modell des Netzes, das mit Messdaten aus Übergabestationen und Erzeugern laufend abgeglichen wird. Stadtwerke nutzen ihn zur Absenkung der Vorlauftemperatur, zur Einbindung dezentraler Einspeiser und Großwärmepumpen und als Datengrundlage für Wärmeplanung und Dekarbonisierungsfahrplan.

Direktvermarktung

In der Direktvermarktung verkauft ein Direktvermarkter den Strom einer EEG-Anlage an der Börse, der Anlagenbetreiber erhält zusätzlich die Marktprämie. Pflicht ist das für neue Anlagen ab 100 kW. Ab 25 kW muss die Anlage fernsteuerbar sein (§ 10b EEG), spätestens ab 2028 über Smart Meter Gateway und Steuerbox. Für Netzbetreiber bedeutet jede Anlage in der Direktvermarktung eigene Prozesse in der GPKE.

DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung)

Die Datenschutz-Grundverordnung der EU regelt seit 2018 die Verarbeitung personenbezogener Daten. Sie verlangt Rechtsgrundlage, Zweckbindung, Datenminimierung und Betroffenenrechte und sieht Bußgelder von bis zu 4 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor. Für KI-Projekte ist sie der zentrale Rahmen: Trainingsdaten, Prompts und Modellausgaben mit Personenbezug müssen DSGVO-konform sein, was Anonymisierung, Auftragsverarbeitung und Datenschutz-Folgenabschätzung erzwingt.

Dynamischer Stromtarif

Ein dynamischer Stromtarif gibt den Börsenstrompreis an den Kunden weiter, der Arbeitspreis ändert sich also im Takt des Day-Ahead-Markts. Seit dem 1. Januar 2025 muss jeder Lieferant einen solchen Tarif anbieten (§ 41a EnWG), seit Oktober 2025 wird viertelstündlich bepreist. Voraussetzung beim Kunden ist ein intelligentes Messsystem. Ohne automatische Steuerung von Wärmepumpe oder Wallbox bleibt der Vorteil für die meisten Haushalte klein.

E

EDIFACT

EDIFACT ist das Nachrichtenformat, in dem die deutsche Marktkommunikation seit Jahren läuft. Nachrichtentypen wie UTILMD (Stammdaten), MSCONS (Messwerte) oder INVOIC (Rechnungen) sind in den EDI@Energy-Regeln des BDEW festgelegt und ändern sich mit jedem Format-Release, meist im April und Oktober. Die Bundesnetzagentur ersetzt EDIFACT schrittweise durch API-Webdienste. Beide Welten laufen deshalb noch Jahre parallel.

EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz)

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz fördert seit 2000 Strom aus Sonne, Wind, Biomasse und Wasser, über eine feste Einspeisevergütung oder die Marktprämie in der Direktvermarktung. Es regelt außerdem den Netzanschluss solcher Anlagen und seit 2025 das Netzanschlussportal. Das Solarspitzengesetz hat 2025 die Vergütung bei negativen Preisen gestrichen, der Entwurf für ein EEG 2027 nimmt kleinen neuen PV-Anlagen die feste Vergütung. Jede Änderung landet beim Netzbetreiber und beim Messstellenbetreiber gleichzeitig.

EEG-Konto

Das EEG-Konto ist das separate Bankkonto, über das jeder Übertragungsnetzbetreiber nach § 47 EnFG alle Einnahmen und Ausgaben aus EEG und KWKG abwickelt. Seit 2023 deckt der Bund den EEG-Finanzierungsbedarf aus dem Haushalt, eine EEG-Umlage auf den Strompreis gibt es nicht mehr. Den Bedarf für das Folgejahr teilen die Übertragungsnetzbetreiber bis 30. September dem Bundeswirtschaftsministerium mit (§ 4 EnFG). Ist der Saldo zum 31. Dezember negativ, haben sie einen Ausgleichsanspruch gegen den Bund; ist er positiv, hat der Bund einen Anspruch gegen sie (§ 6 Abs. 1 EnFG).

Energiedatenraum (CEEDS, energy data-X)

Ein Energiedatenraum ist eine föderierte Infrastruktur nach Gaia-X-Prinzipien, in der Marktakteure Energiedaten souverän teilen, ohne sie zentral abzugeben. Auf EU-Ebene entsteht der Common European Energy Data Space (CEEDS), in Deutschland lief bis Oktober 2026 das Leuchtturmprojekt energy data-X mit vier Übertragungsnetzbetreibern. Für Stadtwerke geht es um Schnittstellen, Datenqualität und Data Governance.

Energiemanagementsystem (HEMS)

Ein Home Energy Management System steuert Wärmepumpe, Wallbox, Speicher und PV-Anlage in einem Gebäude und empfängt über EEBUS und den CLS-Kanal des Smart-Meter-Gateways Vorgaben des Netzbetreibers nach § 14a EnWG. Statt jedes Gerät einzeln zu dimmen, nennt der Netzbetreiber dem HEMS nur die zulässige Gesamtleistung.

Energy Sharing

Energy Sharing nach § 42c EnWG erlaubt Energiegemeinschaften, lokal erzeugten Strom innerhalb eines Netzgebiets gemeinschaftlich zu nutzen und zu verrechnen. Seit dem 1. Juni 2026 müssen Netzbetreiber die Abwicklung ermöglichen; die dafür vorgesehene Plattform der Bundesnetzagentur nach § 20b EnWG macht den Massenbetrieb realistisch erst 2027 möglich.

EnWG (Energiewirtschaftsgesetz)

Das Energiewirtschaftsgesetz ist das Grundgesetz der leitungsgebundenen Strom- und Gasversorgung in Deutschland. Es regelt Netzbetrieb, Entflechtung, Netzzugang und Belieferung und wird fast jährlich geändert. Viele Pflichten eines Stadtwerks hängen an einzelnen Paragrafen: § 5c für die IT-Sicherheit, § 14a für steuerbare Verbraucher, § 41a für dynamische Tarife, § 42c für Energy Sharing. Die Paragrafennummer sagt oft schneller als der Titel, wer betroffen ist.

EU AI Act

Die europäische KI-Verordnung (EU) 2024/1689, geändert durch den Digital Omnibus (EU) 2026/1744. Sie ordnet KI-Systeme nach Risiko: verbotene Praktiken, Hochrisiko-Systeme, Transparenzpflichten und der große Rest ohne besondere Auflagen. Für Energieversorger zählen drei Daten: Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten nach Art. 50, ab dem 2. Dezember 2027 die Hochrisiko-Pflichten nach Anhang III, ab dem 2. August 2028 die nach Anhang I. In Deutschland überwacht die Bundesnetzagentur die Einhaltung.

EU-Drohnenverordnung

Die EU-Verordnung 2019/947, die den Betrieb ziviler Drohnen europaweit regelt. Sie teilt Flüge in die Kategorien open, specific und certified ein. Gewerbliche BVLOS-Inspektionen von Stromnetzen fallen in die specific category und benötigen eine Betriebsgenehmigung auf Basis von SORA, Standardszenario oder PDRA.

EU-ETS 2

Der EU-ETS 2 ist der europäische Emissionshandel für Brennstoffe in Gebäuden und im Straßenverkehr. Er löst in Deutschland das nationale System nach dem BEHG ab; der Startzeitpunkt ist politisch umstritten. Gas- und Wärmelieferanten sollten Preisbildung und Abrechnung deshalb für mehr als einen Starttermin planen.

F

Fernleitungsnetzbetreiber (FNB)

Fernleitungsnetzbetreiber betreiben das überregionale Gastransportnetz in Deutschland und vermarkten Ein- und Ausspeisekapazitäten. Sie erstellen gemeinsam den Netzentwicklungsplan Gas und Wasserstoff, und viele von ihnen betreiben künftig auch Teile des Wasserstoff-Kernnetzes.

G

Gasnetzgebietstransformationsplan (GTP)

Der Gasnetzgebietstransformationsplan ist die Planung eines Gasverteilnetzbetreibers, wie sein Netz bis 2045 auf Wasserstoff, Biomethan oder Stilllegung umgestellt wird, abgestimmt mit der kommunalen Wärmeplanung. Der Leitfaden von H2vorOrt und DVGW gibt die Methodik vor; das EnWG-Gaspaket 2026 schafft mit der Umsetzung der EU-Gasrichtlinie den Rechtsrahmen für Stilllegung und Umwidmung.

Gateway-Administrator (GWA)

Der Smart-Meter-Gateway-Administrator betreibt und verwaltet die Smart-Meter-Gateways im Auftrag des Messstellenbetreibers: Konfiguration, Zertifikate, Firmware, Tarifanwendungsfälle und die sichere Kommunikation nach BSI TR-03109. Ein GWA muss vom BSI zertifiziert sein; ab dem 1. Januar 2027 gilt für Neu- und Rezertifizierungen die TR-03109-6 in Version 2.0.

GEG (Gebäudeenergiegesetz)

Das Gebäudeenergiegesetz regelt die energetischen Anforderungen an Gebäude und ihre Heizungen. Seit dem 29. Juli 2026 heißt es Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Die 65-Prozent-Pflicht für neue Heizungen in den Paragrafen 71 bis 73, gekoppelt an die Fristen der kommunalen Wärmeplanung, ist gestrichen (BGBl. 2026 I Nr. 226). Für Versorger hängen an den Heizungsregeln weiter die Anschlussnachfrage im Wärmenetz und der Absatz im Gasnetz.

Generative KI (Generative AI)

KI-Systeme, die neue Inhalte wie Texte, Bilder, Code oder Musik erzeugen können, anstatt nur bestehende Daten zu analysieren oder zu klassifizieren. Die bekanntesten Beispiele sind ChatGPT, Claude und Midjourney. Generative KI basiert typischerweise auf großen vortrainierten Modellen (Foundation Models) und hat seit 2023 die Diskussion um KI im Unternehmenskontext fundamental verändert.

GPKE

Die GPKE (Geschäftsprozesse zur Kundenbelieferung mit Elektrizität) ist die Festlegung der Bundesnetzagentur für Lieferbeginn, Lieferende, Stammdatenänderungen und Netznutzungsabrechnung im Strom. Seit dem 6. Juni 2025 umfasst sie auch die früheren MPES-Prozesse für Einspeisestellen. Auch der 24-Stunden-Lieferantenwechsel läuft über die GPKE. Für ein Stadtwerk mit Netz und Vertrieb heißt das: beide Seiten derselben Nachricht im eigenen Haus.

Grundzuständiger und wettbewerblicher Messstellenbetreiber (gMSB, wMSB)

Der grundzuständige Messstellenbetreiber ist in der Regel der Verteilnetzbetreiber und trägt die Rollout-Pflichten nach MsbG mit den Quoten 20, 50 und 95 Prozent bis 2025, 2028 und 2030. Wettbewerbliche Messstellenbetreiber übernehmen Messstellen auf Kundenwunsch. Seit dem 1. Juli 2026 gelten für gMSB standardisierte Messstellenverträge (BK6-24-125).

H

Halluzination

Das Phänomen, bei dem KI-Modelle plausibel klingende, aber faktisch falsche oder frei erfundene Informationen generieren. Halluzinationen sind kein Bug, sondern ein systemisches Merkmal generativer Modelle, die auf Wahrscheinlichkeiten basieren. Für den Unternehmenseinsatz bedeutet das: Jede KI-Ausgabe braucht Verifizierungsmechanismen. RAG, Grounding und menschliche Aufsicht sind die wichtigsten Gegenmassnahmen.

HEDWIG

HEDWIG ist das Datenportal der Bundesnetzagentur nach § 111g EnWG, an das Netzbetreiber und andere Marktakteure Energiemarktdaten pseudonymisiert liefern müssen, damit Behörden und Forschung den Energiemarkt auswerten können. Die Konsultation zu Datenumfang und Pseudonymisierung lief bis Mai 2026; die Lieferpflicht erfordert neue Schnittstellen und Datenschutzprozesse.

Herkunftsnachweis

Ein Herkunftsnachweis belegt elektronisch, dass eine Megawattstunde aus erneuerbaren Energien erzeugt wurde. In Deutschland führt das Umweltbundesamt das Register für Strom; für Gas, Wasserstoff, Wärme und Kälte kommen eigene Register hinzu. Lieferanten brauchen die Nachweise für die Stromkennzeichnung und Ökostromprodukte.

Hochrisiko-KI-System

Ein KI-System, das nach Art. 6 und den Anhängen I oder III der KI-Verordnung besondere Pflichten auslöst: Risikomanagement, Datenqualität, Protokollierung, menschliche Aufsicht. In der Energieversorgung nennt Anhang III Nr. 2 KI, die als Sicherheitsbauteil im Betrieb der Strom-, Gas-, Wärme- oder Wasserversorgung dient. Nach dem Leitlinien-Entwurf der Kommission vom Mai 2026 gilt das nur, wenn der Betreiber als kritische Einrichtung eingestuft ist; Last- und Erzeugungsprognosen fallen in der Regel nicht darunter. Die Pflichten für Anhang III gelten ab dem 2. Dezember 2027.

I

Intelligentes Messsystem (iMSys)

Ein intelligentes Messsystem besteht aus einer modernen Messeinrichtung (mME), also einem digitalen Zähler, und einem Smart Meter Gateway, das die Messwerte sicher überträgt. Erst die Kombination macht Viertelstundenwerte, dynamische Tarife und die Steuerung nach § 14a EnWG möglich. Pflicht ist das iMSys unter anderem ab 6.000 kWh Jahresverbrauch, ab 7 kW Erzeugungsleistung und bei steuerbaren Verbrauchseinrichtungen. Alle übrigen Zähler müssen bis 2032 mindestens eine mME sein.

ISMS (Informationssicherheits-Managementsystem)

Ein ISMS ist das Regelwerk, mit dem eine Organisation Informationssicherheit plant, umsetzt, prüft und verbessert, nach ISO 27001 und für die Energiewirtschaft ergänzt um ISO 27019. Der IT-Sicherheitskatalog nach § 5c EnWG verlangt von Netzbetreibern ein zertifiziertes ISMS. Das Zertifikat belegt den Prozess, nicht die Sicherheit jedes einzelnen Geräts. Dafür kommen OT-Sicherheit und der Cyber Resilience Act hinzu.

IT-Sicherheitskatalog (§ 5c EnWG)

Der IT-Sicherheitskatalog der Bundesnetzagentur nach § 5c EnWG verpflichtet Netzbetreiber zu einem ISMS nach ISO 27001 für die Netzleittechnik und seit der Fassung 2026 zu Systemen zur Angriffserkennung in OT-Netzen. Die Umsetzung ist nachzuweisen; sie greift in Leittechnik, Fernwirktechnik und die Anbindung digitaler Ortsnetzstationen ein.

K

Kapazitätsmarkt

Ein Kapazitätsmarkt bezahlt Kraftwerke dafür, dass sie Leistung bereithalten, nicht nur für den erzeugten Strom. Deutschland plant einen solchen Mechanismus, um neue steuerbare Kraftwerke zu finanzieren, die bei wenig Wind und Sonne einspringen. Für Versorger mit eigenen Anlagen entscheidet die Ausgestaltung über Investitionen und Erlöse.

KI-Agent (AI Agent)

Ein autonomes Softwaresystem, das seine Umgebung wahrnimmt, Entscheidungen trifft und Aktionen ausführt, um bestimmte Ziele zu erreichen. KI-Agenten unterscheiden sich von einfachen Chatbots durch ihre Fähigkeit, Tools zu nutzen, Pläne zu erstellen und mehrstufige Aufgaben selbstständig abzuarbeiten. In Unternehmen werden sie zunehmend für Recherche, Datenanalyse und Prozessautomatisierung eingesetzt.

KI-Kompetenz

Die Fähigkeit, KI-Systeme sachkundig einzusetzen und ihre Chancen und Risiken einzuschätzen. Art. 4 der KI-Verordnung gilt seit dem 2. Februar 2025. Seit dem Digital Omnibus verlangt er von Anbietern und Betreibern Maßnahmen, die die KI-Kompetenz ihres Personals fördern, aber kein bestimmtes Niveau je Person. Behörden können das seit dem 2. August 2026 überwachen. Für einen Energieversorger heißt das: Schulungen nach Zielgruppe planen und dokumentieren, für die Leitwarte anders als für den Kundenservice.

KI-MIG (KI-Marktüberwachungs-und-Innovationsförderungs-Gesetz)

Das deutsche Durchführungsgesetz zum EU AI Act, in Kraft seit dem 29. Juli 2026. Es macht die Bundesnetzagentur zur Marktüberwachungsbehörde, zentralen Anlaufstelle und Beschwerdestelle für KI-Systeme, soweit keine Fachaufsicht wie die BaFin zuständig ist. Für Energieversorger heißt das: Wer KI im Netzbetrieb oder im Kundenservice einsetzt, hat es mit derselben Behörde zu tun, die auch Netzentgelte und Marktprozesse reguliert.

KI-Register

Eine zentrale Übersicht aller eingesetzten und geplanten KI-Anwendungen eines Unternehmens, mit Verantwortlichen, Risikoeinstufung, Freigabestand und Prüfterminen. Die KI-Verordnung schreibt kein internes Register vor. Ohne eine solche Liste lässt sich aber weder die Einstufung nach Anhang III noch die Maßnahmen zur KI-Kompetenz nach Art. 4 nachweisen. Im Energieversorger gehört es neben das Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten und die Asset-Liste des ISMS.

KRITIS-Dachgesetz

Das KRITIS-Dachgesetz regelt seit dem 17. März 2026 den physischen und organisatorischen Schutz kritischer Anlagen, ergänzend zur digitalen Cybersicherheit nach NIS2. Betreiber müssen sich bei BBK und BSI registrieren, Risikoanalysen durchführen und Resilienzpläne vorlegen. Die ursprüngliche Registrierungsfrist wurde gestrichen; die Rechtsverordnung legt die Termine fest.

Kundenanlage

Eine Kundenanlage ist eine Energieanlage hinter dem Netzanschluss, die mehrere Letztverbraucher versorgt, ohne als Netz reguliert zu werden, etwa in Mehrfamilienhäusern oder Gewerbeparks. Nach dem EuGH-Urteil C-293/23 und dem BGH-Beschluss vom Mai 2025 ist der Begriff eng auszulegen; seit 2026 gilt ein Bestandsschutz, neue Konstellationen müssen als Netz oder als Mieterstrom organisiert werden.

KWKG (Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz)

Das KWKG fördert Strom aus Anlagen, die gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen, über Zuschläge je Kilowattstunde. Finanziert wird die Förderung über die KWKG-Umlage auf den Strompreis. Für Versorger mit Fernwärme ist es eine der wichtigsten Finanzierungsquellen, auch für innovative KWK-Systeme mit Wärmepumpe und Speicher.

L

Ladepunktbetreiber (CPO)

Der Ladepunktbetreiber, englisch Charge Point Operator, betreibt öffentliche Ladesäulen technisch und kaufmännisch. Er trägt die Pflichten aus AFIR und Ladesäulenverordnung, vom Ad-hoc-Bezahlen bis zur Preisangabe, und bindet seine Säulen per OCPP ans Backend und per OCPI an eRoaming-Plattformen an. Viele Stadtwerke sind selbst CPO. Die Säule ist dabei selten das Problem, das Backend fast immer.

Large Language Model (LLM)

Grosse neuronale Netze, die auf umfangreichen Textdaten trainiert werden und natürliche Sprache verstehen und generieren können. LLMs wie GPT-4, Claude und Gemini bilden die Grundlage der aktuellen Generative-AI-Welle. Sie arbeiten mit Token, nutzen die Transformer-Architektur und werden durch Feinabstimmung und Reinforcement Learning from Human Feedback (RLHF) für spezifische Anwendungen optimiert.

Lastprognose

Die Vorhersage von Verbrauch und Einspeisung für einen Netzabschnitt, Bilanzkreis oder Wärmenetz, von Viertelstunden bis zu Tagen voraus. Mit Wärmepumpen, Wallboxen und PV reichen Standardlastprofile im Verteilnetz oft nicht mehr; Verfahren des maschinellen Lernens nutzen Wetter, Kalender und Messwerte aus intelligenten Messsystemen. Nach dem Leitlinien-Entwurf zur KI-Verordnung ist eine reine Prognose in der Regel kein Hochrisiko-System.

LDAR (Leckerkennung und -reparatur)

LDAR (Leak Detection and Repair) ist die Leckerkennung und -reparatur nach Art. 14 der EU-Methanverordnung (EU) 2024/1787. Für bestehende Standorte liegt seit dem 5. Mai 2025 ein LDAR-Programm bei der zuständigen Behörde; Betreiber, auch von Gasverteil- und Fernleitungsnetzen, untersuchen ihre Komponenten in festen Abständen mit Untersuchungen vom Typ 1 oder Typ 2 und reparieren ab festen Schwellen, beim Typ 2 an oberirdischen Komponenten schon ab 500 ppm oder 1 Gramm Methan pro Stunde. Jedes Jahr geht ein Bericht über die Untersuchungen des Vorjahres an die Behörde.

Lethal Trifecta

Von Simon Willison geprägter Begriff für die gefährliche Kombination dreier Fähigkeiten in einem KI-Agenten: Zugriff auf private Daten, Verarbeitung nicht vertrauenswürdiger Inhalte und die Möglichkeit zur Außenkommunikation. Treffen alle drei zusammen, kann eine Prompt Injection Daten unbemerkt abfließen lassen. Konsequenz: Agenten so entwerfen, dass nie alle drei Fähigkeiten gleichzeitig vorliegen.

Lieferantenwechsel in 24 Stunden (LFW24)

LFW24 ist der seit 2025 verbindliche Prozess, nach dem ein Stromlieferantenwechsel innerhalb von 24 Stunden abgeschlossen sein muss. Der Wechsel läuft sternförmig über die Marktlokations-ID beim Netzbetreiber statt bilateral zwischen den Lieferanten. Für Gas und Wasserstoff ist die Ausdehnung geplant, der Termin ist offen.

Luftfahrt-Bundesamt (LBA)

Das Luftfahrt-Bundesamt ist die deutsche Behörde, die Betriebsgenehmigungen für Drohnenflüge in der specific category erteilt. Für neue BVLOS-Anträge prüft das LBA seit dem 1. Januar 2026 auf Basis der Methodik SORA 2.5; die Bearbeitung dauert in der Regel mehrere Wochen bis Monate.

M

MaBiS-Hub

Der MaBiS-Hub ist die von der Bundesnetzagentur festgelegte zentrale Plattform für die Bilanzkreisabrechnung Strom, die die heute dezentrale Aggregation bei den Verteilnetzbetreibern ablöst. Die Einführung ist in zwei Blöcke geteilt: Festlegung zu Block 1 (Messwertverarbeitung) 2026, Produktivbetrieb im zweiten Halbjahr 2028. Netzbetreiber und Lieferanten müssen Schnittstellen und Stammdaten anpassen.

Marktgebietsverantwortlicher (MGV)

Der Marktgebietsverantwortliche führt das deutsche Gasmarktgebiet: Er bilanziert die Bilanzkreise, betreibt den virtuellen Handelspunkt und beschafft Regelenergie für Gas. Seit Oktober 2021 gibt es mit Trading Hub Europe nur noch ein Marktgebiet in Deutschland.

Marktkommunikation (MaKo)

Marktkommunikation ist der standardisierte elektronische Datenaustausch zwischen den Marktrollen der Energiewirtschaft, etwa Netzbetreiber, Lieferant und Messstellenbetreiber, für Prozesse wie Lieferantenwechsel, Bilanzierung und Messwertübermittlung. Die Bundesnetzagentur legt Prozesse (GPKE, GeLi Gas, MaBiS, WiM) und Formate (EDIFACT, künftig API) fest und veröffentlicht zwei verbindliche Releases pro Jahr, jeweils zum 1. April und 1. Oktober.

Marktlokation und Messlokation (MaLo, MeLo)

Die Marktlokation ist der Ort, an dem Energie verbraucht oder erzeugt und abgerechnet wird; sie trägt eine elfstellige MaLo-ID. Die Messlokation ist der Ort, an dem gemessen wird, mit einer 33-stelligen ID. Eine MaLo kann mehrere MeLos haben, etwa bei Wärmepumpe mit eigenem Zähler. Viele Klärfälle in der Marktkommunikation beginnen mit einer falschen Zuordnung zwischen beiden.

Marktstammdatenregister (MaStR)

Das Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur erfasst alle Erzeugungsanlagen, Speicher und Marktakteure im Strom- und Gasmarkt. Anlagenbetreiber müssen sich registrieren, Netzbetreiber prüfen die Einträge. Die Daten sind Grundlage für EEG-Zahlungen, Redispatch und viele Meldepflichten.

Maschinelles Lernen (Machine Learning)

Teilgebiet der Künstlichen Intelligenz, bei dem Algorithmen aus Daten lernen und Muster erkennen, ohne explizit programmiert zu werden. Die drei Hauptkategorien sind überwachtes Lernen (mit gelabelten Daten), unüberwachtes Lernen (Mustererkennung in unstrukturierten Daten) und Reinforcement Learning (Lernen durch Belohnung). Maschinelles Lernen ist die Grundlage praktisch aller modernen KI-Anwendungen.

Menschliche Aufsicht (Art. 14)

Die Pflicht, Hochrisiko-KI so zu bauen und zu betreiben, dass Menschen ihre Ausgaben verstehen, ihnen widersprechen und das System anhalten können (Art. 14 KI-Verordnung). In der Netzführung trifft das den Kern der Leitwarte: Wer darf eine Empfehlung der KI übergehen, und wie schnell? Die zugehörige harmonisierte Norm (prEN 18229-3) war im Oktober 2026 noch im Entwurf.

Messstellenbetriebsgesetz (MsbG)

Das Messstellenbetriebsgesetz regelt seit 2016, wer Zähler einbaut und betreibt, was das kosten darf und wie schnell der Rollout intelligenter Messsysteme laufen muss. Die Pflichtfälle sollen zu 20, 50 und 95 Prozent bis Ende 2025, 2028 und 2030 ausgestattet sein. Die Novelle vom Februar 2025 hat die Preisobergrenzen erstmals seit 2016 angehoben, rückwirkend zum 1. Januar 2025. Die Quoten setzt die Bundesnetzagentur inzwischen mit Aufsichtsverfahren durch.

MiSpeL

MiSpeL steht für die Festlegung der Bundesnetzagentur zur Marktintegration von Speichern und Ladepunkten. Sie regelt, wie bidirektionale Speicher und Ladepunkte bilanziert werden und welche Netzentgelte gelten, und hebt die Doppelbelastung mit Netzentgelten auf. Die Festlegung erscheint zum 1. Oktober 2026, die Automatisierung in der Marktkommunikation folgt ab 2027.

Model Context Protocol (MCP)

Ein offener Standard, der KI-Modellen den strukturierten Zugriff auf externe Datenquellen und Werkzeuge ermöglicht. MCP wurde von Anthropic initiiert und funktioniert wie ein universeller Adapter: Statt für jede Datenquelle eine eigene Integration zu bauen, bietet MCP eine standardisierte Schnittstelle. Für Unternehmen reduziert das den Integrationsaufwand und verbessert die Interoperabilität zwischen KI-Systemen.

Modellprädiktive Regelung (MPC)

Ein Regelverfahren, das mit einem Modell der Anlage mehrere Schritte vorausrechnet und die Stellgrößen so wählt, dass ein Ziel über diesen Zeitraum am besten erreicht wird. In Wärmenetzen und bei Großwärmepumpen senkt MPC zusammen mit einer Lastprognose Vorlauftemperaturen und Stromkosten. Das Modell muss zur Anlage passen; ohne saubere Messdaten regelt es an der Realität vorbei.

Multi-Agenten-System

Eine Architektur, in der mehrere KI-Agenten zusammenarbeiten, um komplexe Aufgaben zu lösen. Jeder Agent hat spezialisierte Fähigkeiten und eine definierte Rolle; die Koordination erfolgt über Protokolle oder einen Orchestrierungsagenten. Multi-Agenten-Systeme ermöglichen die Zerlegung komplexer Probleme in handhabbare Teilaufgaben und sind die Grundlage für skalierbare KI-Betriebsmodelle.

N

Natural Language Processing (NLP)

Teilbereich der KI, der sich mit der Verarbeitung, dem Verstehen und der Generierung menschlicher Sprache befasst. NLP umfasst Aufgaben wie Textklassifikation, Sentimentanalyse, Named Entity Recognition, maschinelle Übersetzung und Fragebeantwortung. Moderne LLMs haben NLP revolutioniert: Aufgaben, die vor wenigen Jahren spezialisierte Modelle erforderten, lösen heute generische Sprachmodelle als Nebeneffekt.

NEST (Anreizregulierung)

NEST bezeichnet die Festlegungen der Bundesnetzagentur vom Dezember 2025 zur neuen Anreizregulierung, die die ARegV ablösen. Die fünfte Regulierungsperiode beginnt 2028 für Gas und 2029 für Strom, danach gelten Dreijahresperioden. Neu sind Qualitätselemente zu Digitalisierung und Energiewendekompetenz, die künftig Erlösfolgen haben können.

Netzanschlussportal

Ein Netzanschlussportal ist die digitale Plattform, über die Anschlussnehmer und Installateure Netzanschlüsse und Einspeiseanlagen beantragen, Unterlagen einreichen und den Status verfolgen. Nach § 8 Abs. 7 EEG müssen Netzbetreiber seit 2025 ein solches Portal anbieten; das Netzpaket sieht ab 2027 Kapazitätskarten und Reservierungen ab 135 kW vor. Es ist der sichtbarste Digitalisierungsprozess zwischen Netzbetreiber und Kunde.

Netzentgelte

Netzentgelte bezahlen die Nutzung des Strom- oder Gasnetzes. Der Netzbetreiber stellt sie dem Lieferanten in Rechnung, der sie an den Endkunden weitergibt; beim Haushaltsstrom machen sie rund ein Viertel des Preises aus. Wie viel ein Netzbetreiber insgesamt erlösen darf, bestimmt die Anreizregulierung über die Erlösobergrenze. Die vorläufigen Entgelte für das Folgejahr sind bis zum 15. Oktober zu veröffentlichen, ab 2029 soll AgNes die Systematik neu ordnen.

Netzorientierte Steuerung

Netzorientierte Steuerung ist die ab 2029 verbindliche Form der Steuerung nach § 14a EnWG: Der Verteilnetzbetreiber greift nur bei einem tatsächlich gemessenen Engpass ein, auf Basis von Netzzustandsdaten aus der Niederspannung. Bis Ende 2028 gilt die Übergangsfrist mit präventiver Steuerung nach festen Regeln. Voraussetzung sind Netzzustandsermittlung, Steuerboxen, CLS-Management und ein Niederspannungsleitsystem.

Netzzustandsermittlung

Netzzustandsermittlung bezeichnet die Berechnung des aktuellen Zustands eines Niederspannungsnetzes, also Spannungen, Ströme und Auslastung, aus Messwerten weniger Messpunkte plus Netzmodell. Der VDE-FNN-Hinweis empfiehlt Messwerte von mindestens 20 Prozent der Anschlussnutzer oder Trafoabgang plus 10 Prozent in Minutenauflösung. Sie ist die Datengrundlage der netzorientierten Steuerung ab 2029.

NIS-2

Die NIS-2-Richtlinie der EU verschärft die Cybersicherheitspflichten für Betreiber wesentlicher und wichtiger Einrichtungen, darunter Energie, Gesundheit, digitale Infrastruktur und Verwaltung. Sie verlangt Risikomanagement, Meldepflichten bei Vorfällen binnen 24 Stunden und persönliche Haftung der Geschäftsleitung. Sie betrifft deutlich mehr Unternehmen als die Vorgängerregelung.

O

Open Source

Software, deren Quellcode offen einsehbar, nutzbar und veränderbar ist. Bei KI reicht das Spektrum von offenen Gewichten bis zu vollständig offenen Trainingsdaten und -rezepten. Open-Source-Modelle bieten Kontrolle, Auditierbarkeit und Souveränität, verlagern aber Verantwortung für Betrieb, Sicherheit und Compliance ins eigene Haus.

OT-Sicherheit

OT-Sicherheit schützt die Betriebstechnik (Operational Technology), also Leittechnik, Fernwirk- und Schutztechnik in Umspannwerken, Ortsnetzstationen und Erzeugungsanlagen. Anders als in der Büro-IT zählt hier Verfügbarkeit vor Vertraulichkeit, und Geräte laufen oft zwanzig Jahre. Maßstab ist die Normenreihe IEC 62443 mit Zonen und Conduits; seit Mai 2023 verlangt das EnWG von Netzbetreibern zusätzlich Systeme zur Angriffserkennung. Ein Patch, der im Büro Routine ist, kann in der Leitwarte ein Projekt sein.

P

PPA (Power Purchase Agreement)

Ein PPA ist ein langfristiger Stromliefervertrag direkt zwischen einem Erzeuger und einem Abnehmer, oft über zehn Jahre und mehr. Er kann physisch oder rein finanziell abgewickelt werden und finanziert vor allem Wind- und Solarparks ohne EEG-Förderung. Für Versorger berührt ein PPA Beschaffung, Bilanzkreis und die Herkunftsnachweise zugleich.

Predictive Maintenance (vorausschauende Instandhaltung)

Instandhaltung nach dem erwarteten Zustand eines Betriebsmittels statt nach festem Intervall. Im Verteilnetz schätzen Modelle aus Messwerten, Baujahr, Störungshistorie und Diagnosedaten, welches Kabel oder welcher Transformator als nächstes ausfällt. Das Verfahren steht und fällt mit den Stammdaten: Wo das Baujahr eines Kabels fehlt, rät auch die beste KI.

Prompt Engineering

Die Kunst und Wissenschaft, Eingabeanweisungen (Prompts) für KI-Modelle so zu formulieren, dass sie optimale Ergebnisse liefern. Dazu gehören Techniken wie Chain-of-Thought-Prompting, Rollenanweisungen, Formatvorgaben und Few-Shot-Beispiele. Gutes Prompt Engineering kann die Qualität von KI-Ausgaben drastisch verbessern, ohne das Modell selbst verändern zu müssen.

Prompt Injection

Ein Angriffsvektor, bei dem böswillige Anweisungen in die Eingabe eines KI-Modells eingeschleust werden, um dessen Verhalten zu manipulieren. Bei indirekter Prompt Injection werden die Anweisungen in Datenquellen versteckt, die das Modell verarbeitet, etwa in Webseiten oder Dokumenten. Prompt Injection ist eine der grössten Sicherheitsherausforderungen für KI-Systeme im Unternehmenseinsatz.

Q

Qualitätsregulierung

Die Qualitätsregulierung ist der Teil der Anreizregulierung, der Netzbetreiber über Kennzahlen wie SAIDI (Unterbrechungsdauer) und künftig Digitalisierungsgrad und Energiewendekompetenz bewertet. Die Bundesnetzagentur veröffentlichte im Juli 2026 erstmals eine Deutschlandkarte mit diesen Kennzahlen, noch ohne Erlösfolge; mit NEST können daraus Zu- und Abschläge werden.

R

RAG (Retrieval Augmented Generation)

Eine Architektur, die KI-Modelle mit externem Wissen anreichert, indem relevante Dokumente vor der Antwortgenerierung abgerufen werden. Statt sich nur auf das Trainingswissen zu verlassen, durchsucht das System eine Wissensdatenbank und fügt relevante Informationen in den Kontext ein. RAG reduziert Halluzinationen, hält Antworten aktuell und ermöglicht die Nutzung unternehmenseigener Daten, ohne das Modell neu trainieren zu müssen.

RAMEN

RAMEN sind die beiden Festlegungen der Bundesnetzagentur zu Regulierungsrahmen und Methode der Anreizregulierung, die die Anreizregulierungsverordnung ablösen. RAMEN Gas (GBK-25-01-2#1) gilt ab der fünften Regulierungsperiode Gas, die am 1. Januar 2028 beginnt, RAMEN Strom (GBK-25-01-1#1) ab der fünften Regulierungsperiode Strom ab 1. Januar 2029. Die fünften Perioden dauern ausnahmsweise fünf Jahre, die folgenden drei. Die ARegV tritt mit Ablauf des 31. Dezember 2028 außer Kraft; Anträge und Anzeigen, etwa zum vereinfachten Verfahren oder zum Kapitalkostenabzug, richten sich danach nach den Tenorziffern der Festlegungen.

Redispatch 2.0 und 3.0

Redispatch ist der Eingriff des Netzbetreibers in die Einspeisung von Erzeugungsanlagen zur Vermeidung von Netzengpässen. Seit Redispatch 2.0 (2021) sind auch Anlagen ab 100 kW und steuerbare Kleinanlagen einbezogen, mit Datenaustausch über Connect+. Redispatch 3.0 erweitert das Verfahren um marktbasierte Flexibilität und Kleinanlagen in der Niederspannung (VDE SPEC 90032).

Regelenergie

Regelenergie gleicht kurzfristige Abweichungen zwischen Erzeugung und Verbrauch aus und hält die Netzfrequenz bei 50 Hertz. Die Übertragungsnetzbetreiber beschaffen sie in Auktionen als Primär-, Sekundär- und Minutenreserve; europäische Plattformen wie PICASSO und MARI verbinden die Märkte. Speicher und Aggregatoren können nach einer Präqualifikation teilnehmen.

REMIT

REMIT ist die EU-Verordnung über die Integrität und Transparenz des Energiegroßhandelsmarkts. Sie verbietet Insiderhandel und Marktmanipulation und verlangt die Meldung von Handelsgeschäften und Insiderinformationen; REMIT II hat die Pflichten 2024 erweitert. Überwacht werden sie von ACER und der Bundesnetzagentur.

Repowering

Repowering heißt, alte Windenergieanlagen am selben Standort durch weniger, aber leistungsstärkere neue zu ersetzen. Das Bundes-Immissionsschutzgesetz erleichtert die Genehmigung dafür seit 2022 (§ 16b BImSchG). Für Netzbetreiber ändern sich dadurch Einspeiseleistung, Netzanschluss und Anlagenstammdaten.

ROI (Return on Investment)

Die Kennzahl, die den finanziellen Ertrag einer Investition ins Verhältnis zu ihren Kosten setzt. Bei KI-Projekten ist der ROI oft schwer zu fassen: Produktivitätsgewinne, Qualität und Geschwindigkeit zahlen sich indirekt aus, während Pilotkosten sofort anfallen. Belastbare ROI-Messung braucht klare Baseline, definierte Use-Cases und ehrliche Berücksichtigung von Betriebs-, Governance- und Change-Kosten.

S

SAP IS-U und S/4HANA Utilities

SAP IS-U ist die branchenspezifische Abrechnungs- und Marktkommunikationslösung, die viele Stadtwerke auf SAP ECC betreiben. Die Mainstream-Wartung für ECC endet am 31. Dezember 2027, Extended Maintenance bis 2030 kostet Aufpreis. Nachfolger ist S/4HANA Utilities, meist mit Clean-Core-Ansatz; Migrationen dauern 18 bis 36 Monate und hängen an MaKo-Releases und Rollout.

Sicherheitsbauteil (KI-Verordnung)

Nach Art. 3 Nr. 14 der KI-Verordnung ein Bestandteil eines Produkts oder KI-Systems, der eine Sicherheitsfunktion erfüllt oder dessen Ausfall Personen oder Sachen gefährdet. Der Begriff entscheidet im Netzbetrieb über die Hochrisiko-Einstufung nach Anhang III Nr. 2. Nach dem Leitlinienentwurf der Kommission vom Mai 2026 muss die KI die physische Integrität der Anlage direkt schützen, und der Betreiber muss als kritische Einrichtung bestimmt sein. Reine Prognose und Optimierung fallen in der Regel nicht darunter. Eine Anomalieerkennung, die Entscheidungen über Abschaltungen stützt, kann dagegen ein Sicherheitsbauteil sein, auch wenn ein Mensch freigibt.

Smart Meter Gateway

Die zentrale Kommunikationseinheit eines intelligenten Messsystems (iMSys), die den sicheren Datenaustausch zwischen Stromzählern, Marktakteuren und Netzbetreibern ermöglicht. Smart Meter Gateways müssen BSI-zertifiziert sein und bilden die technische Grundlage für den deutschen Smart-Meter-Rollout. Sie sind die Voraussetzung für zeitvariable Tarife, § 14a-Steuerung und die Integration dezentraler Energieerzeugung.

Solarspitzengesetz

Das Solarspitzengesetz gilt seit dem 25. Februar 2025 und ändert EEG und EnWG, damit Mittagsspitzen aus Photovoltaik das Netz nicht überlasten. Neue PV-Anlagen ab 2 kW erhalten bei negativen Börsenpreisen keine Vergütung, ohne intelligentes Messsystem speisen sie höchstens 60 Prozent ihrer Leistung ein. Wirksam wird die Nullvergütung erst mit dem Smart Meter. Das Gesetz verschiebt Arbeit zu Messstellenbetreiber und Netzbetreiber, nicht zum Anlagenbetreiber.

SORA

Specific Operations Risk Assessment, die EU-Methodik zur Risikobewertung von Drohnenflügen in der specific category. SORA bewertet Boden- und Luftrisiko und leitet daraus die nötigen Sicherheitsmaßnahmen ab. Seit dem 1. Januar 2026 müssen neue Anträge für BVLOS-Flüge in Deutschland mit der Version SORA 2.5 gestellt werden.

Standardszenario (STS)

Vordefiniertes Betriebsszenario der EU-Drohnenverordnung (STS-01, STS-02), das genehmigte Standardbedingungen für Drohnenflüge in der specific category festlegt. Wer innerhalb eines Standardszenarios bleibt, kann den Betrieb bei der Luftfahrtbehörde anzeigen, statt eine individuelle SORA-Risikoanalyse durchzuführen.

Steuerbare Verbrauchseinrichtung (SteuVE)

Steuerbare Verbrauchseinrichtungen sind nach § 14a EnWG Wärmepumpen, private Wallboxen, Klimaanlagen und Batteriespeicher mit mehr als 4,2 kW Leistung, die seit dem 1. Januar 2024 in Betrieb gegangen sind. Der Netzbetreiber darf sie bei drohendem Engpass auf bis zu 4,2 kW dimmen und muss sie dafür anschließen, statt den Anschluss zu verweigern. Der Kunde bekommt reduzierte Netzentgelte nach Modul 1, 2 oder 3.

Steuerbox

Die Steuerbox ist das BSI-zertifizierte Gerät, das über das Smart-Meter-Gateway Steuerbefehle empfängt und an steuerbare Verbrauchseinrichtungen oder Einspeiseanlagen weitergibt, etwa das Dimmen einer Wärmepumpe auf 4,2 kW nach § 14a EnWG oder die Begrenzung einer PV-Anlage nach dem Solarspitzengesetz. Netzbetreiber und Messstellenbetreiber müssen Bestellung, Einbau und Betrieb im Massengeschäft organisieren.

T

Tarifanwendungsfall (TAF)

Tarifanwendungsfälle sind die in der BSI TR-03109-1 beschriebenen Funktionen eines Smart-Meter-Gateways, die festlegen, welche Messwerte in welcher Auflösung an wen übermittelt werden, etwa TAF 7 für Zählerstandsgänge in Viertelstundenwerten für dynamische Tarife und Bilanzierung oder TAF 6 für Ablesungen im Bedarfsfall. Neue Gateway-Generationen unterstützen mehr TAF parallel.

Token

Die kleinste Verarbeitungseinheit in Sprachmodellen, ein Wort, Wortteil oder Sonderzeichen, in das Text zerlegt wird. Ein deutsches Wort besteht typischerweise aus 1 bis 3 Token. Token bestimmen sowohl die Eingabe- als auch die Ausgabelänge eines Modells und sind die Basis für die Kostenberechnung bei API-Nutzung. Die Kontextlänge eines Modells (z.B. 200.000 Token) bestimmt, wie viel Information gleichzeitig verarbeitet werden kann.

Transformer

Eine 2017 eingeführte neuronale Netzarchitektur, die auf dem Self-Attention-Mechanismus basiert und die Grundlage praktisch aller modernen Sprachmodelle bildet. Transformer können Beziehungen zwischen weit entfernten Wörtern in einem Text erfassen und parallelisiert trainiert werden. GPT, Claude, Gemini und Llama basieren alle auf dieser Architektur. Der Name des Papers: "Attention Is All You Need".

U

U-space

Der europäische Rechtsrahmen für ein digitales Luftraummanagement von Drohnen. U-space stellt Dienste wie Identifikation, Geosensibilisierung und Verkehrsinformation bereit, damit viele Drohnen sicher und automatisiert im selben Luftraum fliegen können, etwa entlang von Leitungskorridoren.

Unabhängiger Transportnetzbetreiber (UTB)

Der Unabhängige Transportnetzbetreiber (UTB, englisch Independent Transmission Operator, ITO) ist eines der Entflechtungsmodelle für Übertragungs- und Fernleitungsnetzbetreiber nach §§ 10 bis 10e EnWG. Der Netzbetreiber bleibt Teil des vertikal integrierten Unternehmens und steht dafür unter engerer Aufsicht: Sein Gleichbehandlungsbeauftragter überwacht das Gleichbehandlungsprogramm, meldet der Regulierungsbehörde erhebliche Verstöße fortlaufend und legt ihr nach § 10e Abs. 4 EnWG jedes Jahr bis 30. September einen Bericht vor.

Unternehmensarchitektur (Enterprise Architecture)

Die vollständige Beschreibung der Strukturen einer Organisation: Geschäftsprozesse, IT-Systeme, Datenflüsse und Technologie-Infrastruktur. Enterprise Architecture schafft Transparenz darüber, wie einzelne Systeme zusammenwirken, und liefert die Entscheidungsgrundlage für Investitionen in Technologie und Transformation. Ohne EA wird jedes große Programm zum Blindflug.

V

Vendor Lock-in

Die Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter, dessen Produkte, Formate oder Schnittstellen einen Wechsel technisch oder wirtschaftlich teuer machen. Bei KI entsteht Lock-in über proprietäre Modelle, APIs, Embeddings und Tooling. Gegenmittel sind offene Standards, Abstraktionsschichten, Exit-Strategien und Multi-Vendor-Architekturen, damit Modelle und Plattformen austauschbar bleiben.

Verantwortungsvolle KI (Responsible AI)

Ein Rahmenwerk für die Entwicklung und den Einsatz von KI-Systemen unter Beachtung ethischer Prinzipien wie Fairness, Transparenz, Datenschutz und Nicht-Diskriminierung. Verantwortungsvolle KI geht über Compliance hinaus: Sie fordert proaktive Massnahmen wie Bias-Tests, Erklärbarkeit von Entscheidungen und klare Verantwortungsstrukturen. Im EU-Kontext wird sie durch den AI Act zunehmend verpflichtend.

Verteilnetzbetreiber (VNB)

Ein Verteilnetzbetreiber betreibt das Strom- oder Gasnetz in Mittel- und Niederspannung beziehungsweise auf den unteren Druckstufen, also das Netz bis zum Hausanschluss. In Deutschland sind das mehrere hundert Unternehmen, meist Stadtwerke oder deren Netztöchter. Auf den VNB laufen heute § 14a EnWG, der Netzausbauplan nach § 14d, Netzanschlussportal und Redispatch zu. Die Energiewende wird im Verteilnetz angeschlossen, nicht im Übertragungsnetz.

Vibe Coding

Ein Ansatz der Softwareentwicklung, bei dem Entwickler ihre Absichten in natürlicher Sprache beschreiben und KI den Code generiert. Der Begriff wurde 2025 von Andrej Karpathy geprägt. Vibe Coding senkt die Einstiegshürde für Softwareentwicklung drastisch und ermöglicht es Fachexperten ohne tiefe Programmierkenntnisse, funktionale Prototypen und Anwendungen zu bauen. Die Qualitätssicherung bleibt dabei die entscheidende menschliche Aufgabe.

Vordefinierte Risikobewertung (PDRA)

Predefined Risk Assessment, ein von der EASA vorgegebener Mittelweg zwischen Standardszenario und individueller SORA. Eine PDRA beschreibt eine typische Betriebsart mit bereits bewertetem Risiko, sodass Betreiber die fertige Vorlage nutzen statt die komplette Risikoanalyse selbst zu erstellen.

W

Wasserstoff-Kernnetz

Das Wasserstoff-Kernnetz ist das von der Bundesnetzagentur im Oktober 2024 genehmigte Startnetz für Wasserstoff, rund 9.000 Kilometer lang und schrittweise bis 2032 in Betrieb. Gut die Hälfte davon sind umgestellte Erdgasleitungen. Finanziert wird es über ein Hochlaufentgelt und ein Amortisationskonto, seit dem 19. März 2026 lässt sich Kapazität reservieren. Für Gasverteilnetzbetreiber entscheidet die Nähe zum Kernnetz mit darüber, was im Gasnetzgebietstransformationsplan realistisch ist.

WiM (Wechselprozesse im Messwesen)

Die WiM regeln, wie Messstellenbetreiber wechseln, Geräte übernommen und Messwerte an Netzbetreiber und Lieferanten übermittelt werden. Sie sind die Prozessgrundlage für den wettbewerblichen Messstellenbetrieb und für jeden Wechsel des Gateway-Administrators. Für Gas gilt mit WiM Gas 2.0 ab 2026 eine überarbeitete Fassung. Wer den Rollout auslagert, lagert auch diese Prozesse aus.

Wärmeplanungsgesetz (WPG)

Das Wärmeplanungsgesetz verpflichtet Kommunen zur kommunalen Wärmeplanung: Großstädte über 100.000 Einwohner bis zum 30. Juni 2026, alle übrigen bis zum 30. Juni 2028. Der Plan weist Gebiete für Wärmenetze, Wasserstoffnetze und dezentrale Versorgung aus. Nach § 32 müssen Betreiber bestehender Wärmenetze bis Ende 2026 einen Dekarbonisierungsfahrplan vorlegen. Stadtwerke liefern Datengrundlage und Netzplanung.

Z

Zero-Day

Eine Sicherheitslücke, die ausgenutzt wird, bevor der Hersteller einen Patch bereitstellen konnte, Verteidiger haben null Tage Vorsprung. Zero-Day-Exploits sind besonders gefährlich, weil weder Signaturen noch Updates schützen. Bei KI-Systemen verschiebt sich die Angriffsfläche zusätzlich auf Modelle, Prompts und Agenten-Werkzeuge.

Zero-Shot / Few-Shot Learning

Techniken, bei denen KI-Modelle Aufgaben ohne (Zero-Shot) oder mit nur wenigen (Few-Shot) Beispielen lösen können. Bei Zero-Shot erhält das Modell nur eine Aufgabenbeschreibung; bei Few-Shot werden einige Beispiel-Paare (Input/Output) mitgegeben. Diese Fähigkeit ist ein Hauptvorteil großer Sprachmodelle gegenüber klassischem maschinellem Lernen, das große gelabelte Datensätze benötigt.

Ü

Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB)

Die vier Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW betreiben das Höchstspannungsnetz und verantworten je eine Regelzone. Sie halten die Frequenz über Regelenergie, führen die Bilanzkreise und schließen dafür den Standardbilanzkreisvertrag mit den Bilanzkreisverantwortlichen. Für Stadtwerke sind sie Gegenüber bei Bilanzierung, Redispatch und im Szenariorahmen für den Netzausbau.

§

§ 14a EnWG

Paragraph 14a des Energiewirtschaftsgesetzes regelt die netzorientierte Steuerung steuerbarer Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen, Wallboxen und Batteriespeicher. Netzbetreiber können bei Engpässen die Leistung temporär auf 4,2 kW dimmen, müssen im Gegenzug reduzierte Netzentgelte gewähren. Die Umsetzung erfordert Smart Meter Gateways, neue Steuerboxen und erhebliche Anpassungen in IT-Systemen und Prozessen der Netzbetreiber.

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