Netzebene Marktebene Messebene Kundenebene

Marktrollen im Deutschen Energiemarkt

Interaktive Übersicht aller Marktrollen gemäß EnWG, MsbG und den Festlegungen der Bundesnetzagentur – von ÜNB bis Prosumer.

Überblick – Struktur des deutschen Energiemarkts

Der deutsche Energiemarkt ist durch eine klare Trennung von Netz und Vertrieb (Unbundling) gekennzeichnet. Die verschiedenen Marktrollen sind in vier Ebenen organisiert und kommunizieren über standardisierte Prozesse (GPKE, MaBiS, WiM) und Datenformate (EDIFACT). Diese Struktur gewährleistet einen diskriminierungsfreien Netzzugang für alle Marktteilnehmer und fördert den Wettbewerb im Energiemarkt.

Liberalisierung und Unbundling

Die Liberalisierung des deutschen Strommarkts begann 1998 mit der Umsetzung der ersten EU-Binnenmarktrichtlinie. Der Kerngedanke: Die Trennung von Monopolbereichen (Netzbetrieb) und Wettbewerbsbereichen (Erzeugung, Handel, Vertrieb).

  • 1998: Erstes Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) – Beginn der Marktöffnung
  • 2005: Zweites EnWG – Einführung der Regulierungsbehörde (BNetzA)
  • 2011: Energiewende nach Fukushima – verstärkte Einspeisung erneuerbarer Energien
  • 2016: Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) – Smart Meter Rollout
  • 2021: Redispatch 2.0 – Einbindung dezentraler Erzeugungsanlagen

Die vier Marktebenen

  • Netzebene: Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB), Verteilnetzbetreiber (VNB) und Anschlussnetzbetreiber (ANB) stellen die physische Infrastruktur. Sie sind regulierte Monopole und unterliegen der Entgeltregulierung durch die BNetzA.
  • Marktebene: Lieferanten (LF), Bilanzkreisverantwortliche (BKV), Direktvermarkter (DV) und weitere Akteure organisieren den Energiehandel. Hier herrscht Wettbewerb – jeder Kunde kann seinen Lieferanten frei wählen.
  • Messebene: Messstellenbetreiber (MSB), Gateway-Administratoren (GWA) und Energieserviceanbieter (ESA) erfassen und verarbeiten Messdaten. Seit dem MsbG besteht auch hier Wettbewerb zwischen grundzuständigen und wettbewerblichen MSB.
  • Kundenebene: Letztverbraucher, Anlagenbetreiber und Prosumer als Endnutzer und dezentrale Erzeuger. Sie sind die wirtschaftlichen Treiber des Systems und zunehmend aktive Marktteilnehmer.

Unbundling-Anforderungen

Das Unbundling (Entflechtung) soll Diskriminierung verhindern und Wettbewerb ermöglichen:

  • Gesellschaftsrechtliches Unbundling: Netzbetrieb muss in eigenständiger Gesellschaft erfolgen (ab 100.000 Kunden)
  • Operationelles Unbundling: Unabhängige Entscheidungsbefugnisse des Netzbetriebs
  • Informatorisches Unbundling: Vertrauliche Behandlung wirtschaftlich sensibler Daten
  • Buchhalterisches Unbundling: Getrennte Konten für Netz und Vertrieb (alle Unternehmen)

Für ÜNB gelten noch strengere Anforderungen: eigentumsrechtliches Unbundling (OU) oder Independent Transmission Operator (ITO).

Rechtliche Grundlagen

Die Marktrollen und ihre Pflichten sind durch ein komplexes Regelwerk definiert:

  • EnWG – Energiewirtschaftsgesetz: Grundgesetz des Energiemarkts mit Regelungen zu Netzzugang, Entflechtung und Regulierung
  • MsbG – Messstellenbetriebsgesetz: Regelt den Smart Meter Rollout und die Rechte/Pflichten der Messstellenbetreiber
  • StromNZV – Stromnetzzugangsverordnung: Details zum Netzzugang, Bilanzkreissystem und Fahrplanmanagement
  • StromNEV – Stromnetzentgeltverordnung: Kalkulation der Netzentgelte
  • EEG – Erneuerbare-Energien-Gesetz: Förderung und Einspeisung erneuerbarer Energien
  • KWKG – Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz: Förderung hocheffizienter KWK-Anlagen

Dazu kommen die Festlegungen der BNetzA (BK6/BK7) wie GPKE, MaBiS, WiM, MPES, die technisch-operative Details regeln.

Kommunikation zwischen Marktteilnehmern

Die Marktkommunikation erfolgt ausschließlich über standardisierte Formate und Prozesse:

  • EDIFACT: Elektronisches Datenformat nach UN/EDIFACT – standardisiert durch edi@energy (BDEW/DVGW)
  • AS4: Sichere Kommunikationsplattform für den Datenaustausch (ersetzt zunehmend Email-EDIFACT)
  • Marktpartnerkennungen: Eindeutige IDs (BDEW-Codenummer, EIC) zur Identifikation aller Teilnehmer
  • Fristen: Festgelegte Antwortzeiten (z.B. 5 WT für Lieferantenwechsel-Bestätigung)

Netzebene

Die Netzebene umfasst alle Akteure, die für den physischen Transport von Strom verantwortlich sind – vom Höchstspannungsnetz bis zum Hausanschluss.

ÜNB

Übertragungsnetzbetreiber

Netzebene

Betreibt das Höchstspannungsnetz (220-380 kV) und ist verantwortlich für Systemstabilität, Regelenergie und überregionalen Stromtransport.

Kernaufgaben

  • Betrieb und Wartung des Übertragungsnetzes
  • Systemführung und Frequenzhaltung
  • Regelenergiebeschaffung und -einsatz
  • Engpassmanagement und Redispatch
  • Bilanzkreiskoordination (BIKO-Rolle)

Relevante Prozesse

MaBiS Redispatch 2.0 Fahrplanmanagement

Kommuniziert mit

VNB BKV BIKO Kraftwerksbetreiber

Beispiele

TenneT, 50Hertz, Amprion, TransnetBW

VNB

Verteilnetzbetreiber

Netzebene

Betreibt das Mittel- und Niederspannungsnetz und stellt die Verbindung zwischen Übertragungsnetz und Endverbrauchern her.

Kernaufgaben

  • Betrieb des Verteilnetzes
  • Netzanschluss und Netzzugang
  • Zählerdatenmanagement
  • Netznutzungsabrechnung
  • Stammdatenpflege für Marktlokationen

Relevante Prozesse

GPKE WiM MaBiS Redispatch 2.0

Kommuniziert mit

ÜNB MSB LF Endkunden

Beispiele

E.ON Netz, EnBW, Stadtwerke, Regionalversorger

ANB

Anschlussnetzbetreiber

Netzebene

Der Netzbetreiber, an dessen Netz eine Marktlokation physisch angeschlossen ist. Oft identisch mit dem VNB.

Kernaufgaben

  • Bereitstellung des Netzanschlusses
  • Technische Abwicklung am Netzanschlusspunkt
  • Stammdatenmeldung für Erzeugungsanlagen
  • Koordination bei Redispatch-Maßnahmen

Relevante Prozesse

MPES Redispatch 2.0 GPKE

Kommuniziert mit

VNB MSB AB EIV

Beispiele

Identisch mit VNB oder spezialisierte Unternehmen

Marktebene

Die Marktebene organisiert den Handel und die bilanzielle Abwicklung von Energie. Hier agieren Lieferanten, Bilanzkreisverantwortliche und Direktvermarkter.

LF

Lieferant

Marktebene

Versorgt Endkunden mit Strom oder Gas und ist vertraglich für die Energielieferung verantwortlich.

Kernaufgaben

  • Abschluss von Lieferverträgen mit Endkunden
  • Energiebeschaffung und Portfoliomanagement
  • Bilanzkreiszuordnung der Kunden
  • Energieabrechnung gegenüber Endkunden
  • Wechselprozesse und Kundenservice

Relevante Prozesse

GPKE GeLi Gas WiM

Kommuniziert mit

VNB MSB BKV Endkunden

Beispiele

E.ON, Vattenfall, EnBW, Stadtwerke

BKV

Bilanzkreisverantwortlicher

Marktebene

Verantwortlich für die ausgeglichene Bilanz zwischen Einspeisung und Entnahme in einem Bilanzkreis.

Kernaufgaben

  • Führung des Bilanzkreises
  • Fahrplananmeldung beim ÜNB
  • Prognose und Beschaffung
  • Ausgleich von Bilanzkreisabweichungen
  • Abrechnung der Ausgleichsenergie

Relevante Prozesse

MaBiS Fahrplanmanagement

Kommuniziert mit

BIKO ÜNB LF Händler

Beispiele

Große Versorger, Energiehändler, Industrieunternehmen

BIKO

Bilanzkreiskoordinator

Marktebene

Rolle des ÜNB zur Koordination und Abrechnung aller Bilanzkreise in einer Regelzone.

Kernaufgaben

  • Aggregation aller Bilanzkreisdaten
  • Berechnung der Ausgleichsenergie
  • Bilanzkreisabrechnung
  • Clearing zwischen Bilanzkreisen
  • Veröffentlichung der Ausgleichsenergiepreise

Relevante Prozesse

MaBiS

Kommuniziert mit

BKV VNB ÜNB

Beispiele

TenneT (als BIKO), 50Hertz (als BIKO)

DV

Direktvermarkter

Marktebene

Vermarktet Strom aus erneuerbaren Energien direkt am Spotmarkt im Auftrag der Anlagenbetreiber.

Kernaufgaben

  • Direktvermarktung von EE-Strom
  • Börsenhandel und Portfoliomanagement
  • Prognoseerstellung für EE-Anlagen
  • Abrechnung mit Anlagenbetreibern
  • Fernsteuerung von Erzeugungsanlagen

Relevante Prozesse

MPES MaBiS Redispatch 2.0

Kommuniziert mit

AB BKV VNB Strombörse

Beispiele

Next Kraftwerke, Statkraft, EnBW

EIV

Einsatzverantwortlicher

Marktebene

Verantwortlich für den Einsatz einer Technischen Ressource im Rahmen von Redispatch 2.0.

Kernaufgaben

  • Steuerung von Erzeugungsanlagen
  • Umsetzung von Redispatch-Abrufen
  • Datenmeldung an Netzbetreiber
  • Bilanzielle Abwicklung von Ausfallarbeit

Relevante Prozesse

Redispatch 2.0 MPES

Kommuniziert mit

ANB BKV AB DV

Beispiele

Direktvermarkter, Anlagenbetreiber, Aggregatoren

Messebene

Die Messebene umfasst alle Akteure, die für Erfassung, Übertragung und Verarbeitung von Messdaten verantwortlich sind.

gMSB

Grundzuständiger Messstellenbetreiber

Messebene

Der automatisch zuständige Messstellenbetreiber für ein Netzgebiet, meist der örtliche Netzbetreiber.

Kernaufgaben

  • Installation von Messeinrichtungen
  • Betrieb und Wartung der Messstellen
  • Ablesung und Datenübermittlung
  • Smart-Meter-Rollout
  • Einhaltung der Preisobergrenzen

Relevante Prozesse

WiM GPKE

Kommuniziert mit

VNB LF Endkunden wMSB

Beispiele

Netzbetreiber-Tochtergesellschaften, Stadtwerke

wMSB

Wettbewerblicher Messstellenbetreiber

Messebene

Unabhängiger Anbieter für Messstellenbetrieb, frei wählbar durch den Anschlussnutzer.

Kernaufgaben

  • Alternative Messlösungen anbieten
  • Erweiterte Visualisierung und Analytics
  • Integration in Energiemanagementsysteme
  • Flexible Tarifmodelle
  • Speziallösungen für Gewerbe/Industrie

Relevante Prozesse

WiM GPKE

Kommuniziert mit

gMSB VNB LF Endkunden

Beispiele

EHA, Discovergy, Commetering

ESA

Energieserviceanbieter

Messebene

Bietet energienahe Dienstleistungen auf Basis von Messdaten an.

Kernaufgaben

  • Analyse und Visualisierung von Energiedaten
  • Energieberatung und Optimierung
  • Demand Response Services
  • Smart Home Integration
  • Abrechnungsdienstleistungen

Relevante Prozesse

WiM (Zusatzleistungen)

Kommuniziert mit

MSB Endkunden LF

Beispiele

Energieberater, Smart-Home-Anbieter, Abrechnungsdienstleister

GWA

Gateway-Administrator

Messebene

Administriert Smart Meter Gateways und steuert die sichere Datenkommunikation.

Kernaufgaben

  • Konfiguration der Smart Meter Gateways
  • Zertifikatsmanagement (SM-PKI)
  • Steuerung der Datenübertragung
  • Sicherheitsmanagement
  • Fernwartung und Updates

Relevante Prozesse

AS4-Kommunikation SM-PKI

Kommuniziert mit

MSB BSI EMT

Beispiele

MSB-interne Funktion, Spezialisierte IT-Dienstleister

Kundenebene

Die Kundenebene umfasst die Endnutzer von Energie – sowohl reine Verbraucher als auch dezentrale Erzeuger und Prosumer.

LV

Letztverbraucher / Endkunde

Kundenebene

Der finale Abnehmer von Energie für den Eigenverbrauch.

Kernaufgaben

  • Abschluss von Lieferverträgen
  • Bezahlung der Energierechnung
  • Wahl des Lieferanten und MSB
  • Bereitstellung von Zählerständen
  • Duldung des Smart-Meter-Rollouts

Relevante Prozesse

Lieferantenwechsel (GPKE) Ein-/Auszug

Kommuniziert mit

LF MSB VNB

Beispiele

Haushalte, Gewerbe, Industrie

AB

Anlagenbetreiber

Kundenebene

Betreiber einer Stromerzeugungsanlage (z.B. PV, Wind, KWK).

Kernaufgaben

  • Betrieb der Erzeugungsanlage
  • Meldung an Marktstammdatenregister
  • Wahl des Vermarktungsmodells
  • Einhaltung technischer Vorgaben
  • Duldung von Redispatch-Maßnahmen

Relevante Prozesse

MPES Redispatch 2.0 EEG-Meldungen

Kommuniziert mit

DV VNB MSB ANB

Beispiele

PV-Betreiber, Windparkbetreiber, BHKW-Betreiber

PRO

Prosumer

Kundenebene

Kombination aus Producer und Consumer – erzeugt und verbraucht Energie.

Kernaufgaben

  • Eigenstromnutzung optimieren
  • Überschusseinspeisung
  • Speichermanagement
  • Teilnahme an Flexibilitätsmärkten
  • Integration steuerbarer Verbrauchseinrichtungen

Relevante Prozesse

§14a EnWG MPES GPKE

Kommuniziert mit

LF VNB MSB DV

Beispiele

Eigenheimbesitzer mit PV, Gewerbebetriebe mit BHKW

Marktkommunikationsprozesse

Die Marktkommunikation im deutschen Energiemarkt ist vollständig standardisiert. Die Bundesnetzagentur hat über ihre Beschlusskammern (BK6 für Strom, BK7 für Gas) verbindliche Prozessbeschreibungen festgelegt, die alle Marktteilnehmer einhalten müssen. Diese Prozesse definieren exakte Abläufe, Fristen und Nachrichtenformate.

Grundprinzipien der Marktkommunikation

  • Vollautomatisierung: Alle Prozesse laufen elektronisch über EDIFACT-Nachrichten ab – keine manuellen Schritte
  • Fristgebunden: Jeder Prozessschritt hat definierte Antwortfristen (z.B. 5 Werktage, 10 Werktage)
  • Bilaterale Kommunikation: Direkte Nachrichtenübermittlung zwischen den beteiligten Parteien
  • Clearingstellen: Bei Streitigkeiten existieren Clearingstellen (z.B. BDEW-Clearing)
  • Formatprüfung: Syntaktische und semantische Prüfung aller Nachrichten vor Verarbeitung
GPKE

Geschäftsprozesse zur Kundenbelieferung mit Elektrizität

Regelt alle Prozesse rund um den Endkunden: Lieferantenwechsel, Ein-/Auszug, Netznutzungsabrechnung und Stammdatenaustausch.

  • Lieferantenwechsel: Anmeldung durch neuen LF → Bestätigung/Ablehnung durch VNB (5 WT) → Abmeldung an alten LF
  • Einzug: Kunde meldet Einzug bei LF → LF meldet beim VNB an
  • Auszug: Kunde kündigt oder LF meldet Auszug
  • Kündigungsfrist: Min. 3 Wochen vor Lieferbeginn
VNB LF gMSB LV

Nachrichten: UTILMD (Stammdaten), MSCONS (Messwerte), INVOIC (Rechnungen)

MaBiS

Marktregeln Bilanzkreisabrechnung Strom

Definiert den Datenaustausch für die Bilanzkreisbewirtschaftung und -abrechnung zwischen allen relevanten Parteien.

  • Summenzeitreihen: VNB meldet aggregierte Werte pro Bilanzkreis
  • Bilanzkreissummenliste: BIKO erstellt Gesamtbilanz pro Bilanzkreis
  • Ausgleichsenergie: Berechnung der Abweichungen zwischen Fahrplan und Ist
  • Monatliche Abrechnung: Ausgleichsenergiekosten an BKV
BKV BIKO VNB ÜNB

Nachrichten: MSCONS (Zeitreihen), UTILTS (Fahrpläne), INVOIC (Abrechnung)

WiM

Wechselprozesse im Messwesen

Regelt alle Prozesse rund um den Messstellenbetrieb: MSB-Wechsel, Gerätewechsel, Messwertübermittlung.

  • MSB-Wechsel: Anschlussnutzer beauftragt wMSB → Anfrage an gMSB → Zähleraustausch
  • Gerätewechsel: Zählerausbau/-einbau mit Protokoll und Datenübermittlung
  • Messwertübermittlung: MSB liefert Werte an berechtigte Empfänger (VNB, LF)
  • Fristen: MSB-Wechsel min. 2 Monate Vorlauf
gMSB wMSB VNB LF

Nachrichten: UTILMD (Gerätestammdaten), MSCONS (Zählerstände), ORDERS/ORDRSP

MPES

Marktprozesse Erzeugungsanlagen Strom

Standardisiert die Kommunikation für dezentrale Erzeugungsanlagen (EEG, KWKG, sonstige).

  • Anlagenstammdaten: Meldung technischer Daten an VNB/ANB
  • Vermarktungswechsel: Wechsel zwischen Einspeisevergütung und Direktvermarktung
  • Zuordnung: Zuordnung der Anlage zu Bilanzkreis/Direktvermarkter
  • Entschädigung: Prozesse für Ausfallarbeit und Entschädigung bei Abregelung
AB DV VNB ANB

Nachrichten: UTILMD (Anlagendaten), MSCONS (Einspeisewerte), INVOIC (EEG-Vergütung)

GeLi Gas

Geschäftsprozesse Lieferantenwechsel Gas

Entspricht GPKE für den Gasmarkt mit gasspezifischen Anpassungen.

  • SLP-Kunden: Standardlastprofilkunden mit geschätztem Verbrauch
  • RLM-Kunden: Registrierende Leistungsmessung für Großkunden
  • Brennwertübermittlung: Zusätzliche gasspezifische Messgrößen
  • Allokation: Zuordnung von Gasmengen zu Bilanzkreisen
VNB LF gMSB

Nachrichten: UTILMD, MSCONS, INVOIC (analog GPKE)

Redispatch 2.0

Engpassmanagement mit EE/KWK

Seit 01.10.2021: Alle Erzeugungsanlagen ab 100 kW (und steuerbare Verbrauchseinrichtungen) werden in das Engpassmanagement einbezogen.

  • Stammdatenaustausch: Technische Ressourcen werden detailliert gemeldet (Leistung, Standort, Steuerbarkeit)
  • Planwerte: EIV meldet tägliche Planwerte für Erzeugung/Verbrauch
  • Abruf: Netzbetreiber kann Abregelung/Erhöhung anfordern
  • Bilanzielle Kompensation: BKV gleicht Abweichungen aus
  • Entschädigung: Anlagenbetreiber erhält Entschädigung für Abregelung
ÜNB VNB ANB EIV AB BKV

Nachrichten: UTILMD (Stammdaten TR/SR/LR), UTILTS (Planwerte), spezielle Abrufformate

Beispiel: Ablauf eines Lieferantenwechsels

Ein typischer Lieferantenwechsel nach GPKE läuft wie folgt ab:

  1. Tag 0: Kunde schließt Vertrag mit neuem Lieferant (LF-neu) ab. Kunde bevollmächtigt LF-neu zur Kündigung und Anmeldung.
  2. Tag 1: LF-neu sendet Kündigung an LF-alt (optional, wenn Kunde bevollmächtigt hat)
  3. Tag 1: LF-neu sendet Anmeldung (UTILMD) an VNB mit gewünschtem Lieferbeginn
  4. Tag 1-5: VNB prüft Anmeldung (MaLo existiert? Daten korrekt? Kein doppelter Wechsel?)
  5. Tag 6: VNB bestätigt Anmeldung (UTILMD-Antwort) oder lehnt ab mit Begründung
  6. Tag 6: VNB sendet Abmeldung an LF-alt
  7. Tag 6-10: LF-alt bestätigt Abmeldung oder widerspricht
  8. Lieferbeginn: Ab vereinbartem Datum beliefert LF-neu, VNB ordnet MaLo dem Bilanzkreis von LF-neu zu
  9. Nach Wechsel: MSB übermittelt Zählerstand zum Wechselzeitpunkt für Schlussrechnung

Mindestfrist: Lieferantenwechsel muss mindestens 3 Wochen vor gewünschtem Lieferbeginn angemeldet werden. Innerhalb eines Kalendermonats darf nur ein Wechsel stattfinden.

EDIFACT-Nachrichtentypen

Die Marktkommunikation nutzt standardisierte EDIFACT-Formate nach edi@energy für den Datenaustausch zwischen Marktteilnehmern. EDIFACT (Electronic Data Interchange for Administration, Commerce and Transport) ist ein internationaler UN-Standard, der für die deutsche Energiewirtschaft durch den BDEW und DVGW spezifiziert wurde.

Aufbau einer EDIFACT-Nachricht

Jede EDIFACT-Nachricht folgt einem standardisierten Aufbau:

  • UNA: Service String Advice – definiert Trennzeichen
  • UNB: Interchange Header – Absender, Empfänger, Zeitstempel
  • UNH: Message Header – Nachrichtentyp und Version
  • Segmente: Inhaltsdaten nach Message Implementation Guide (MIG)
  • UNT: Message Trailer – Segmentzählung
  • UNZ: Interchange Trailer – Nachrichtenzählung

Die genaue Struktur wird in den MIGs (Message Implementation Guides) definiert, die edi@energy regelmäßig aktualisiert.

Kernformate der Marktkommunikation

UTILMD

Stammdaten – Kunden, Verträge, Zähler, Anlagen. Verwendet für An-/Abmeldungen, Gerätewechsel, Stammdatenänderungen

MSCONS

Messwerte – Zählerstände, Energiemengen, Lastgänge. Das Herzstück der Messwertübermittlung

UTILTS

Zeitreihen – Fahrpläne, Prognosen, berechnete Werte. Wichtig für Bilanzierung und Redispatch

ORDERS

Bestellungen – Anfragen für Gerätewechsel, Ablesung, Sperrung/Entsperrung

ORDRSP

Bestellantwort – Bestätigung oder Ablehnung von ORDERS-Anfragen

INVOIC

Rechnungen – Netznutzung, Messung, EEG-Umlage, Bilanzkreisabrechnung

REMADV

Zahlungsavis – Information über erfolgte oder geplante Zahlungen

INSRPT

Störungsmeldung – Technische Störungen an Messeinrichtungen

CONTRL

Empfangsbestätigung – Syntaktische Prüfung und Empfangsquittung

APERAK

Anwendungsfehler – Semantische Fehlermeldungen und Ablehnungen

REQOTE

Angebotsanfrage – Preisanfragen für Netzanschlüsse

QUOTES

Angebot – Kostenangebot für Netzanschluss oder -erweiterung

Versionierung und Updates

EDIFACT-Formate werden regelmäßig aktualisiert:

  • edi@energy: Gemeinsame Plattform von BDEW und DVGW für die Formatpflege
  • Formatversionen: Aktuell z.B. UTILMD 5.2g, MSCONS 2.4b
  • Stichtage: Neue Formatversionen werden zu festen Terminen (01.04. / 01.10.) eingeführt
  • Parallelphase: Alte und neue Version werden übergangsweise parallel akzeptiert
  • Prüftools: edi@energy stellt kostenlose Prüftools zur Validierung bereit

Zentrale Identifikatoren

Im deutschen Energiemarkt werden zahlreiche standardisierte Identifikatoren verwendet, um Lokationen, Geräte und Marktpartner eindeutig zu identifizieren. Diese IDs sind die Grundlage für die automatisierte Marktkommunikation.

Lokations-Identifikatoren

Seit der Einführung des Markt-/Messlokationsmodells 2017 werden Verbrauchs- und Einspeisepunkte über zwei getrennte ID-Systeme identifiziert:

MaLo-ID 12345678901
Marktlokations-ID

11-stellige numerische ID für jeden kaufmännischen Entnahme-/Einspeisepunkt. Die MaLo ist der Bilanzierungspunkt und wird einem Bilanzkreis zugeordnet. Vergabe durch den VNB.

MeLo-ID DE00123456789012...
Messlokations-ID

33-stellige alphanumerische ID für technische Messpunkte. Beginnt mit Länderkennung (DE). Eine MaLo kann mehrere MeLos haben (z.B. bei Zweirichtungsmessung). Vergabe durch den VNB.

TRuDi-ID Technische Ressource
Technische Ressource ID

Eindeutige ID für steuerbare Erzeugungsanlagen im Kontext von Redispatch 2.0. Identifiziert die physische Anlage unabhängig von der MaLo-Zuordnung.

Geräte-ID 1EMH0012345678
Zähler-/Gerätenummer

Herstellerspezifische Seriennummer des Zählers oder Messgeräts. Bei Smart Metern auch die Gateway-ID für die Kommunikation.

Marktpartner-Identifikatoren

Jeder Marktteilnehmer benötigt eindeutige Kennungen für die Kommunikation:

BDEW-Nr. 9900123456789
BDEW-Codenummer

13-stellige Nummer zur eindeutigen Identifikation von Marktpartnern in der EDIFACT-Kommunikation. Wird vom BDEW vergeben und ist Pflicht für alle Marktteilnehmer.

EIC 11XTENNET-----N
Energy Identification Code

16-stelliger europäischer Code für Marktteilnehmer, Bilanzierungsgebiete und Regelzonen. Relevant für grenzüberschreitenden Handel und Fahrplanmanagement. Vergabe durch ENTSO-E.

GLN 4012345000001
Global Location Number

13-stellige GS1-Nummer zur internationalen Standortidentifikation. Wird teilweise parallel zur BDEW-Codenummer verwendet.

MaStR-Nr. SEE912345678901
Marktstammdatenregister-Nr.

Registrierungsnummer im Marktstammdatenregister der BNetzA. Pflicht für alle Erzeugungsanlagen und Speicher. Format: 3 Buchstaben + 12 Ziffern.

Bilanzierungs-Identifikatoren

  • Bilanzkreis-ID: 16-stellige Kennung für Bilanzkreise, Format ähnlich EIC. Wird vom BIKO/ÜNB vergeben.
  • Regelzonen-ID: Kennung der vier deutschen Regelzonen (TenneT, 50Hertz, Amprion, TransnetBW)
  • Netzgebiet-ID: Eindeutige Kennung für jedes Netzgebiet eines VNB

Weiterführende Informationen

FAQ