Abstrakte Visualisierung der Marktrollen und Kommunikationswege im deutschen Energiemarkt

Marktrollen im Deutschen Energiemarkt

Interaktive Übersicht aller Marktrollen gemäß EnWG, MsbG und den Festlegungen der Bundesnetzagentur

Der deutsche Energiemarkt ist durch eine klare Trennung von Netz und Vertrieb gekennzeichnet. Die verschiedenen Marktrollen sind in vier Ebenen organisiert und kommunizieren über standardisierte Prozesse (GPKE, MaBiS, WiM) und Datenformate (EDIFACT). Dieser Leitfaden gibt dir eine vollständige Übersicht.

Zusammenfassung
  • Der deutsche Energiemarkt ist in vier Ebenen gegliedert: Netz, Markt, Mess und Kunde.
  • Über 15 definierte Marktrollen agieren auf Basis von EnWG, MsbG und BNetzA-Festlegungen.
  • 7 zentrale Kommunikationsprozesse (GPKE, MaBiS, WiM, MPES, GeLi Gas, Redispatch 2.0) standardisieren den Datenaustausch.
  • EDIFACT ist das verbindliche Nachrichtenformat für die Marktkommunikation.
  • MaLo-ID und MeLo-ID sind die zentralen Identifikatoren für Markt- und Messlokationen.
  • Für Energieversorger, Stadtwerke, Netzbetreiber und Messstellenbetreiber.
4 Marktebenen
15+ Marktrollen
7 Kommunikationsprozesse

Struktur des Energiemarkts

Der deutsche Energiemarkt ist durch eine klare Trennung von Netzbetrieb und Vertrieb (Unbundling) gekennzeichnet. Die verschiedenen Marktrollen sind in vier Ebenen organisiert und kommunizieren über standardisierte Prozesse (GPKE, MaBiS, WiM) und Datenformate (EDIFACT). Diese Struktur gewährleistet einen diskriminierungsfreien Netzzugang für alle Marktteilnehmer und fördert den Wettbewerb im Energiemarkt.

Liberalisierung und Unbundling

Die Liberalisierung des deutschen Strommarkts begann 1998 mit der Umsetzung der ersten EU-Binnenmarktrichtlinie. Das Kernprinzip: Trennung von Monopolbereichen (Netzbetrieb) und wettbewerblichen Bereichen (Erzeugung, Handel, Vertrieb).

  • 1998: Erstes Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) -- Beginn der Marktliberalisierung
  • 2005: Zweites EnWG -- Einrichtung der Regulierungsbehörde (BNetzA)
  • 2011: Energiewende nach Fukushima -- verstärkte Einspeisung erneuerbarer Energien
  • 2016: Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) -- Smart-Meter-Rollout
  • 2021: Redispatch 2.0 -- Integration dezentraler Erzeugungsanlagen

Die vier Marktebenen

  • Netzebene: Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB), Verteilnetzbetreiber (VNB) und Anschlussnetzbetreiber (ANB) stellen die physische Infrastruktur bereit. Sie sind regulierte Monopole und unterliegen der Entgeltregulierung durch die BNetzA.
  • Marktebene: Lieferanten (LF), Bilanzkreisverantwortliche (BKV), Direktvermarkter (DV) und weitere Akteure organisieren den Energiehandel. Hier herrscht Wettbewerb -- jeder Kunde kann seinen Lieferanten frei wählen.
  • Messebene: Messstellenbetreiber (MSB), Gateway-Administratoren (GWA) und externe Systemanbieter (ESA) erfassen und verarbeiten Messdaten. Seit dem MsbG herrscht auch hier Wettbewerb zwischen gMSB und wMSB.
  • Kundenebene: Letztverbraucher, Anlagenbetreiber und Prosumer als Endverbraucher und dezentrale Erzeuger. Sie sind die wirtschaftlichen Treiber des Systems und zunehmend aktive Marktteilnehmer.

Unbundling-Anforderungen

Das Unbundling (Entflechtung) soll Diskriminierung verhindern und Wettbewerb ermöglichen:

  • Rechtliches Unbundling: Der Netzbetrieb muss in einer eigenen Rechtsform geführt werden (ab 100.000 Kunden)
  • Operationelles Unbundling: Eigenständige Entscheidungsbefugnis für den Netzbetrieb
  • Informationelles Unbundling: Vertrauliche Behandlung wirtschaftlich sensibler Daten
  • Buchhalterisches Unbundling: Getrennte Rechnungslegung für Netz- und Vertriebsaktivitäten (alle Unternehmen)

Für ÜNB gelten noch strengere Anforderungen: eigentumsrechtliches Unbundling (OU) oder das Modell des Unabhängigen Transportnetzbetreibers (ITO).

Gesetzliche Grundlagen

Marktrollen und ihre Pflichten werden durch einen komplexen Regulierungsrahmen definiert:

  • EnWG -- Energiewirtschaftsgesetz: Zentrale Rechtsgrundlage für den Ordnungsrahmen des Energiemarkts, Netzzugang, Unbundling und Regulierung
  • MsbG -- Messstellenbetriebsgesetz: Regelt den Smart-Meter-Rollout und die Rechte/Pflichten der Messstellenbetreiber
  • StromNZV -- Stromnetzzugangsverordnung: Detailliert den Netzzugang, Bilanzkreissystem und Fahrplanmanagement
  • StromNEV -- Stromnetzentgeltverordnung: Berechnung der Netznutzungsentgelte
  • EEG -- Erneuerbare-Energien-Gesetz: Förderung und Einspeisung erneuerbarer Energien
  • KWKG -- Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz: Förderung hocheffizienter KWK-Anlagen

Darüber hinaus konkretisieren BNetzA-Festlegungen (BK6/BK7) wie GPKE, MaBiS, WiM, MPES die technischen und operativen Details.

Kommunikation zwischen Marktteilnehmern

Die Marktkommunikation erfolgt ausschließlich über standardisierte Formate und Prozesse:

  • EDIFACT: Elektronisches Datenformat basierend auf UN/EDIFACT -- standardisiert durch edi@energy (BDEW/DVGW)
  • AS4: Sichere Kommunikationsplattform für den Datenaustausch (ersetzt zunehmend den E-Mail-basierten EDIFACT-Versand)
  • Marktpartner-IDs: Eindeutige Kennungen (BDEW-Codenummer, EIC) zur Identifikation aller Teilnehmer
  • Fristen: Feste Antwortzeiten (z. B. 5 Werktage für Lieferantenwechsel-Bestätigung)

Netzebene

Die Netzebene umfasst alle Akteure, die für den physischen Transport von Strom verantwortlich sind -- vom Höchstspannungsnetz bis zum Hausanschluss.

ÜNB

Übertragungsnetzbetreiber

Netzebene

Betreibt das Höchstspannungsnetz (220-380 kV) und ist verantwortlich für Systemstabilität, Regelenergie und den überregionalen Stromtransport.

Kernaufgaben

  • Systemstabilität und Frequenzhaltung (50 Hz)
  • Regelenergiebeschaffung und -einsatz
  • Bilanzkreismanagement als BIKO
  • Redispatch und Engpassmanagement
  • Netzausbauplanung (Netzentwicklungsplan)

Relevante Prozesse

MaBiS Redispatch 2.0 Fahrplanmanagement

Kommuniziert mit

VNB BKV BIKO Kraftwerksbetreiber

Beispiele

TenneT, 50Hertz, Amprion, TransnetBW

VNB

Verteilnetzbetreiber

Netzebene

Betreibt das Mittel- und Niederspannungsnetz und stellt die Verbindung zwischen Übertragungsnetz und Endverbrauchern her.

Kernaufgaben

  • Betrieb und Instandhaltung des Verteilnetzes
  • Netzanschluss und Netzzugang gewähren
  • Vergabe von MaLo-IDs und Stammdatenpflege
  • Netznutzungsabrechnung
  • Zählerdatenmanagement und -weiterleitung

Relevante Prozesse

GPKE WiM MaBiS Redispatch 2.0

Kommuniziert mit

ÜNB MSB Lieferant Letztverbraucher

Beispiele

Schleswig-Holstein Netz, Westnetz, Stromnetz Berlin

ANB

Anschlussnetzbetreiber

Netzebene

Der Netzbetreiber, an dessen Netz eine Marktlokation physisch angeschlossen ist. Häufig identisch mit dem VNB.

Kernaufgaben

  • Physischer Netzanschluss und Stammdatenverwaltung
  • Zuordnung der Marktlokation zum Netzgebiet
  • Koordination im Redispatch 2.0
  • Bereitstellung von Netzzustandsdaten

Relevante Prozesse

MPES Redispatch 2.0 GPKE

Kommuniziert mit

VNB MSB Anlagenbetreiber EIV

Beispiele

Identisch mit VNB oder spezialisierte Unternehmen

Marktebene

Die Marktebene umfasst alle Rollen, die am Handel, der Bilanzierung und der Vermarktung von Energie beteiligt sind. Hier findet der Wettbewerb statt -- getrennt vom regulierten Netzbetrieb.

LF

Lieferant

Marktebene

Beliefert Endkunden mit Strom oder Gas und ist vertraglich für die Energielieferung verantwortlich.

Kernaufgaben

  • Abschluss von Lieferverträgen mit Endkunden
  • Energiebeschaffung (Börse, OTC, Eigenproduktion)
  • Lieferantenwechselprozesse (An-/Abmeldung)
  • Kundenabrechnung
  • Wechselprozesse und Kundenservice

Relevante Prozesse

GPKE GeLi Gas WiM

Kommuniziert mit

VNB MSB BKV Letztverbraucher

Beispiele

E.ON, Vattenfall, EnBW, Stadtwerke

BKV

Bilanzkreisverantwortlicher

Marktebene

Verantwortlich für den Ausgleich von Einspeisungen und Entnahmen innerhalb eines Bilanzkreises.

Kernaufgaben

  • Führung eines oder mehrerer Bilanzkreise
  • Fahrplananmeldung beim ÜNB
  • Ausgleich von Einspeisungen und Entnahmen
  • Abrechnung der Ausgleichsenergie
  • Prognose und Beschaffung

Relevante Prozesse

MaBiS Fahrplanmanagement

Kommuniziert mit

BIKO ÜNB Lieferant Händler

Beispiele

Große Versorger, Energiehändler, Industrieunternehmen

BIKO

Bilanzkoordinator

Marktebene

Rolle des ÜNB für die Koordination und Abrechnung aller Bilanzkreise innerhalb einer Regelzone.

Kernaufgaben

  • Aggregation der Bilanzkreisdaten je Regelzone
  • Ermittlung der Ausgleichsenergiepreise
  • Clearing und Abrechnung gegenüber BKV
  • Überwachung der Bilanzkreistreue
  • Veröffentlichung der Ausgleichsenergiepreise

Relevante Prozesse

MaBiS

Kommuniziert mit

BKV VNB ÜNB

Beispiele

TenneT (als BIKO), 50Hertz (als BIKO)

DV

Direktvermarkter

Marktebene

Vermarktet Strom aus erneuerbaren Energiequellen direkt am Spotmarkt im Auftrag von Anlagenbetreibern.

Kernaufgaben

  • Vermarktung von EE-Strom an der Börse
  • Fernsteuerung der Erzeugungsanlagen
  • Prognoseerstellung und Fahrplanmanagement
  • Abrechnung der Marktprämie
  • Portfoliomanagement

Relevante Prozesse

MPES MaBiS Redispatch 2.0

Kommuniziert mit

Anlagenbetreiber BKV VNB Strombörse

Beispiele

Next Kraftwerke, Statkraft, EnBW

EIV

Einspeisevorrangberechtigter

Marktebene

Verantwortlich für die Steuerung einer technischen Ressource im Rahmen des Redispatch 2.0.

Kernaufgaben

  • Steuerung von Anlagen im Redispatch 2.0
  • Umsetzung von Abregelungssignalen
  • Ermittlung und Abrechnung der Ausfallarbeit
  • Meldung an den ANB/VNB

Relevante Prozesse

Redispatch 2.0 MPES

Kommuniziert mit

ANB BKV Anlagenbetreiber Direktvermarkter

Beispiele

Direktvermarkter, Anlagenbetreiber, Aggregatoren

Messebene

Die Messebene umfasst alle Rollen rund um die Erfassung, Verarbeitung und Übermittlung von Energiemessdaten. Mit dem Smart-Meter-Rollout gewinnt diese Ebene zunehmend an Bedeutung.

gMSB

grundzuständiger Messstellenbetreiber

Messebene

Der automatisch zuständige Messstellenbetreiber für ein Netzgebiet, typischerweise der örtliche Netzbetreiber.

Kernaufgaben

  • Smart-Meter-Rollout (iMSys) für Pflichteinbaufälle
  • Einbau, Betrieb und Wartung von Messeinrichtungen
  • Messdatenerhebung und -übermittlung
  • Einhaltung der gesetzlichen Preisobergrenzen

Relevante Prozesse

WiM GPKE

Kommuniziert mit

VNB Lieferant Letztverbraucher wMSB

Beispiele

Netzbetreiber-Töchter, Stadtwerke

wMSB

wettbewerblicher Messstellenbetreiber

Messebene

Unabhängiger Anbieter für den Messstellenbetrieb, frei wählbar durch den Anschlussnutzer.

Kernaufgaben

  • Wettbewerblicher Messstellenbetrieb auf Kundenwunsch
  • Erweiterte Analysefunktionen und Mehrwertdienste
  • Speziallösungen für Gewerbe- und Industriekunden
  • Übernahme der Messstelle vom gMSB
  • Flexible Tarifmodelle

Relevante Prozesse

WiM GPKE

Kommuniziert mit

gMSB VNB Lieferant Letztverbraucher

Beispiele

EHA, Discovergy, Commetering

ESA

Externer Systemanbieter

Messebene

Bietet energiebezogene Dienste auf Basis von Messdaten an.

Kernaufgaben

  • Bereitstellung von Energiedaten-Analysediensten
  • Demand-Response-Anwendungen
  • Smart-Home-Integration und Visualisierung
  • Anbindung an das Smart Meter Gateway
  • Abrechnungsdienste

Relevante Prozesse

WiM (Zusatzdienste)

Kommuniziert mit

MSB Letztverbraucher Lieferant

Beispiele

Energieberater, Smart-Home-Anbieter, Abrechnungsdienstleister

GWA

Gateway-Administrator

Messebene

Administriert Smart Meter Gateways und steuert die sichere Datenkommunikation.

Kernaufgaben

  • Administration der Smart Meter Gateways
  • Verwaltung der SM-PKI (Public Key Infrastructure)
  • Konfiguration der Kommunikationsprofile
  • Sicherstellung der IT-Sicherheit nach BSI-Standards
  • Fernwartung und Updates

Relevante Prozesse

AS4-Kommunikation SM-PKI

Kommuniziert mit

MSB BSI EMT

Beispiele

MSB-interne Funktion, spezialisierte IT-Dienstleister

Kundenebene

Die Kundenebene umfasst alle Marktteilnehmer, die Energie verbrauchen, erzeugen oder beides tun. Ihre Rechte und Pflichten sind in EnWG, EEG und MsbG definiert.

LV

Letztverbraucher

Kundenebene

Der Endempfänger von Energie zum Eigenverbrauch.

Kernaufgaben

  • Freie Wahl des Energielieferanten
  • Anspruch auf Netzanschluss und Grundversorgung
  • Duldungspflicht für Smart-Meter-Einbau
  • Recht auf transparente Abrechnung
  • Recht auf monatliche Verbrauchsinformation (bei iMSys)

Relevante Prozesse

Lieferantenwechsel (GPKE) Ein-/Auszug

Kommuniziert mit

Lieferant MSB VNB

Beispiele

Haushalte, Gewerbebetriebe, Industriekunden

AB

Anlagenbetreiber

Kundenebene

Betreiber einer Stromerzeugungsanlage (z. B. PV, Wind, KWK).

Kernaufgaben

  • Betrieb von EE- oder KWK-Anlagen
  • Registrierung im Marktstammdatenregister (MaStR)
  • Wahl der Vermarktungsform (Einspeisevergütung, Direktvermarktung, sonstige)
  • Einhaltung der technischen Anschlussregeln
  • Duldung von Redispatch-Maßnahmen

Relevante Prozesse

MPES Redispatch 2.0 EEG-Meldungen

Kommuniziert mit

Direktvermarkter VNB MSB ANB

Beispiele

PV-Anlagenbetreiber, Windparkbetreiber, KWK-Betreiber

PRO

Prosumer

Kundenebene

Kombination aus Produzent und Konsument -- erzeugt und verbraucht Energie.

Kernaufgaben

  • Eigenverbrauch des selbst erzeugten Stroms
  • Überschusseinspeisung ins öffentliche Netz
  • Teilnahme an Flexibilitätsmärkten (perspektivisch)
  • Nutzung von Speichersystemen
  • Steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach §14a EnWG

Relevante Prozesse

§14a EnWG MPES GPKE

Kommuniziert mit

Lieferant VNB MSB Direktvermarkter

Beispiele

Eigenheimbesitzer mit PV, Gewerbegebäude mit KWK

Marktkommunikationsprozesse

Die Marktkommunikation im deutschen Energiemarkt ist vollständig standardisiert. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat über ihre Beschlusskammern (BK6 für Strom, BK7 für Gas) verbindliche Prozessbeschreibungen festgelegt, an die sich alle Marktteilnehmer halten müssen. Diese Prozesse definieren exakte Abläufe, Fristen und Nachrichtenformate.

Kernprinzipien der Marktkommunikation

  • Vollautomatisierung: Alle Prozesse laufen elektronisch über EDIFACT-Nachrichten -- keine manuellen Schritte
  • Fristengebunden: Jeder Prozessschritt hat definierte Antwortfristen (z. B. 5 Werktage, 10 Werktage)
  • Bilaterale Kommunikation: Direkter Nachrichtenaustausch zwischen den beteiligten Parteien
  • Clearingstellen: Streitbeilegungsmechanismen bestehen (z. B. BDEW Clearing)
  • Formatvalidierung: Syntaktische und semantische Prüfung aller Nachrichten vor der Verarbeitung
GPKE

Geschäftsprozesse zur Kundenbelieferung mit Elektrizität

Regelt alle Prozesse rund um die Strombelieferung von Endkunden: Lieferantenwechsel, Ein-/Auszug, Netznutzungsabrechnung und Stammdatenaustausch.

  • Lieferantenwechsel: Anmeldung durch neuen LF > Bestätigung/Ablehnung durch VNB (5 WT) > Abmeldung an alten LF
  • Einzug: Kunde meldet Einzug beim Lieferanten > LF meldet beim VNB an
  • Auszug: Kunde kündigt oder LF meldet Auszug
  • Vorlaufzeit: Mind. 3 Wochen vor Lieferbeginn
VNB Lieferant gMSB Letztverbraucher

Nachrichten: UTILMD (Stammdaten), MSCONS (Zählerstände), INVOIC (Rechnungen)

MaBiS

Marktregeln für die Bilanzkreisabrechnung Strom

Definiert den Datenaustausch für das Bilanzkreismanagement und die Abrechnung zwischen allen relevanten Parteien.

  • Aggregierte Zeitreihen: VNB meldet aggregierte Werte je Bilanzkreis
  • Bilanzkreissummierung: BIKO erstellt Gesamtbilanz je Bilanzkreis
  • Ausgleichsenergie: Berechnung der Abweichungen zwischen Fahrplan und Ist
  • Monatliche Abrechnung: Ausgleichsenergiekosten an BKV
BKV BIKO VNB ÜNB

Nachrichten: MSCONS (Zeitreihen), UTILTS (Fahrpläne), INVOIC (Abrechnung)

WiM

Wechselprozesse im Messwesen

Regelt alle Prozesse rund um den Messstellenbetrieb: MSB-Wechsel, Gerätewechsel, Messdatenübermittlung.

  • MSB-Wechsel: Anschlussnutzer beauftragt wMSB > Anfrage an gMSB > Zählertausch
  • Gerätewechsel: Zählerausbau/-einbau mit Protokoll und Datenübermittlung
  • Messdatenübermittlung: MSB liefert Ablesungen an berechtigte Empfänger (VNB, LF)
  • Fristen: MSB-Wechsel erfordert mind. 2 Monate Vorlaufzeit
gMSB wMSB VNB Lieferant

Nachrichten: UTILMD (Gerätestammdaten), MSCONS (Zählerstände), ORDERS/ORDRSP

MPES

Marktprozesse für Erzeugungsanlagen Strom

Standardisiert die Kommunikation für dezentrale Erzeugungsanlagen (EEG, KWK, sonstige).

  • Anlagenstammdaten: Meldung technischer Daten an VNB/ANB
  • Vermarktungswechsel: Wechsel zwischen Einspeisevergütung und Direktvermarktung
  • Zuordnung: Zuordnung der Anlage zu Bilanzkreis/Direktvermarkter
  • Entschädigung: Prozesse für abgeregelte Energie und Kompensation
AB DV VNB ANB

Nachrichten: UTILMD (Anlagendaten), MSCONS (Einspeisewerte), INVOIC (EEG-Vergütung)

GeLi Gas

Geschäftsprozesse Lieferantenwechsel Gas

Pendant zur GPKE für den Gasmarkt mit gasspezifischen Anpassungen.

  • SLP-Kunden: Standardlastprofilkunden mit geschätztem Verbrauch
  • RLM-Kunden: Registrierende Leistungsmessung für Großkunden
  • Brennwertübermittlung: Zusätzliche gasspezifische Messparameter
  • Allokation: Zuordnung von Gasmengen zu Bilanzkreisen
VNB Lieferant gMSB

Nachrichten: UTILMD, MSCONS, INVOIC (analog zur GPKE)

Redispatch 2.0

Engpassmanagement mit EE-/KWK-Anlagen

Seit 01. Oktober 2021: Alle Erzeugungsanlagen ab 100 kW (und steuerbare Verbrauchseinrichtungen) werden in das Engpassmanagement einbezogen.

  • Stammdatenaustausch: Technische Ressourcen werden detailliert gemeldet (Leistung, Standort, Steuerbarkeit)
  • Planwerte: EIV meldet tägliche Planwerte für Erzeugung/Verbrauch
  • Abruf: Netzbetreiber kann Abregelung/Erhöhung anfordern
  • Bilanzielle Kompensation: BKV rechnet Abweichungen ab
  • Entschädigung: Anlagenbetreiber erhält Kompensation für Abregelung
ÜNB VNB ANB EIV AB BKV

Nachrichten: UTILMD (Stammdaten TR/SR/LR), UTILTS (Planwerte), spezielle Abrufformate

Beispiel: Lieferantenwechselprozess

Ein typischer Lieferantenwechsel nach GPKE läuft wie folgt ab:

  1. Tag 0: Kunde schließt Vertrag mit neuem Lieferanten (LF-neu). Kunde erteilt LF-neu Vollmacht zur Kündigung und Anmeldung.
  2. Tag 1: LF-neu sendet Kündigung an LF-alt (optional, bei Bevollmächtigung)
  3. Tag 1: LF-neu sendet Anmeldung (UTILMD) an VNB mit gewünschtem Lieferbeginn
  4. Tag 1-5: VNB prüft Anmeldung (MaLo vorhanden? Daten korrekt? Kein Doppelwechsel?)
  5. Tag 6: VNB bestätigt Anmeldung (UTILMD-Antwort) oder lehnt mit Begründung ab
  6. Tag 6: VNB sendet Abmeldung an LF-alt
  7. Tag 6-10: LF-alt bestätigt Abmeldung oder widerspricht
  8. Lieferbeginn: Ab vereinbartem Datum beliefert LF-neu; VNB ordnet MaLo dem Bilanzkreis von LF-neu zu
  9. Nach Wechsel: MSB übermittelt Zählerstand zum Wechselzeitpunkt für Endabrechnung

Mindestvorlaufzeit: Lieferantenwechsel muss mindestens 3 Wochen vor gewünschtem Lieferbeginn angemeldet werden. Pro Marktlokation ist nur ein Wechsel pro Kalendermonat zulässig.

EDIFACT-Nachrichtentypen

Die Marktkommunikation nutzt standardisierte EDIFACT-Formate gemäß edi@energy für den Datenaustausch zwischen Marktteilnehmern. EDIFACT (Electronic Data Interchange for Administration, Commerce and Transport) ist ein internationaler UN-Standard, der für die deutsche Energiewirtschaft durch BDEW und DVGW spezifiziert wird.

Aufbau einer EDIFACT-Nachricht

Jede EDIFACT-Nachricht folgt einer standardisierten Struktur:

  • UNA: Trennzeichen-Festlegung -- definiert Begrenzungszeichen
  • UNB: Übertragungskopf -- Sender, Empfänger, Zeitstempel
  • UNH: Nachrichtenkopf -- Nachrichtentyp und Version
  • Segmente: Inhaltsdaten gemäß Anwendungshandbuch (AHB)
  • UNT: Nachrichtenende -- Segmentanzahl
  • UNZ: Übertragungsende -- Nachrichtenanzahl

Die genaue Struktur wird in den MIGs (Message Implementation Guides) definiert, die edi@energy regelmäßig aktualisiert.

Zentrale Nachrichtenformate

UTILMD

Stammdaten -- Kunden, Verträge, Zähler, Anlagen. Verwendet für An-/Abmeldungen, Gerätewechsel, Stammdatenaktualisierungen

MSCONS

Messdaten -- Zählerstände, Energiemengen, Lastgänge. Das Rückgrat der Messdatenübermittlung

UTILTS

Zeitreihen -- Fahrpläne, Prognosen, Berechnungswerte. Wichtig für Bilanzierung und Redispatch

ORDERS

Bestellungen -- Anfragen für Gerätewechsel, Ablesung, Sperrung/Entsperrung

ORDRSP

Bestellantwort -- Bestätigung oder Ablehnung von ORDERS-Anfragen

INVOIC

Rechnungen -- Netznutzung, Messtellenbetrieb, EEG-Umlage, Bilanzkreisabrechnung

REMADV

Zahlungsavis -- Informationen über erfolgte oder geplante Zahlungen

INSRPT

Prüfbericht -- Ergebnisse technischer Prüfungen (Zähler, Anlagen)

CONTRL

Syntaxprüfung -- Technische Empfangsbestätigung auf Syntaxebene

APERAK

Anwendungsbestätigung -- Fachliche Prüfung und Rückmeldung (Annahme/Ablehnung)

REQOTE

Angebotsanfrage -- Preisanfragen für Netzanschlüsse

QUOTES

Angebot -- Kostenvoranschlag für Netzanschluss oder -erweiterung

Versionierung und Updates

EDIFACT-Formate werden regelmäßig aktualisiert:

  • edi@energy: Gemeinsame Plattform von BDEW und DVGW für die Formatpflege
  • Formatversionen: Derzeit z. B. UTILMD 5.2g, MSCONS 2.4b
  • Einführungstermine: Neue Formatversionen werden zu festen Terminen eingeführt (01. April / 01. Oktober)
  • Übergangsphase: Alte und neue Versionen werden im Übergang parallel akzeptiert
  • Validierungstools: edi@energy stellt kostenlose Validierungswerkzeuge bereit

Zentrale Identifikatoren

Der deutsche Energiemarkt verwendet zahlreiche standardisierte Identifikatoren, um Lokationen, Geräte und Marktpartner eindeutig zu identifizieren. Diese IDs sind die Grundlage der automatisierten Marktkommunikation.

Lokationsidentifikatoren

Seit der Einführung des Markt-/Messlokationsmodells 2017 werden Entnahme- und Einspeisepunkte über zwei getrennte ID-Systeme identifiziert:

MaLo-ID 12345678901
Marktlokations-ID

11-stellige numerische ID für jeden kaufmännischen Entnahme-/Einspeisepunkt. Die MaLo ist der Bilanzierungspunkt und wird einem Bilanzkreis zugeordnet. Vergabe durch den VNB.

MeLo-ID DE00123456789012...
Messlokations-ID

33-stellige alphanumerische ID für technische Messpunkte. Beginnt mit Ländercode (DE). Eine MaLo kann mehrere MeLos haben (z. B. Zweirichtungszähler). Vergabe durch den VNB.

TRuDi-ID Technische Ressource
ID der Technischen Ressource

Eindeutige ID für steuerbare Erzeugungsanlagen im Kontext von Redispatch 2.0. Identifiziert die physische Anlage unabhängig von der MaLo-Zuordnung.

Geräte-ID 1EMH0012345678
Zähler-/Gerätenummer

Herstellerspezifische Seriennummer des Zählers oder Messgeräts. Bei Smart Metern auch die Gateway-ID für die Kommunikation.

Marktpartner-Identifikatoren

Jeder Marktteilnehmer benötigt eindeutige Kennungen für die Kommunikation:

BDEW-Nr. 9900123456789
BDEW-Codenummer

13-stellige Nummer zur eindeutigen Identifikation von Marktpartnern in der EDIFACT-Kommunikation. Vergabe durch den BDEW, Pflicht für alle Marktteilnehmer.

EIC 11XTENNET-----N
Energy Identification Code

16-stelliger europäischer Code für Marktpartner, Bilanzgebiete und Regelzonen. Relevant für grenzüberschreitenden Handel und Fahrplanmanagement. Vergabe durch ENTSO-E.

GLN 4012345000001
Global Location Number

13-stellige GS1-Nummer zur internationalen Standortidentifikation. Wird in einigen Fällen parallel zur BDEW-Codenummer verwendet.

MaStR-Nr. SEE912345678901
Marktstammdatenregister-Nummer

Registrierungsnummer im BNetzA-Marktstammdatenregister. Pflicht für alle Erzeugungsanlagen und Speicher. Format: 3 Buchstaben + 12 Ziffern.

Bilanzierungs-Identifikatoren

  • Bilanzkreis-ID: 16-stellige Kennung für Bilanzkreise, Format ähnlich wie EIC. Vergabe durch BIKO/ÜNB.
  • Regelzonen-ID: Kennung für die vier deutschen Regelzonen (TenneT, 50Hertz, Amprion, TransnetBW)
  • Netzgebiet-ID: Eindeutige Kennung für das Netzgebiet jedes VNB

Weiterführende Informationen

Häufige Fragen zu Marktrollen im Energiemarkt