H2Global: die zweite Auktion 2025 und die EEX als Handelsplattform für H2-Derivate
Dieser Artikel zeigt die Mechanik dahinter: wie HINT.CO mit langfristigen Kaufverträgen (HPA) und kurzfristigen Verkaufsverträgen (HSA) eine Contract-for-Difference-Struktur baut, was die erste Auktion mit Fertiglobe als Referenz lieferte, was die zweite Auktion 2025 mit fünf Losen und bis zu 3 Milliarden Euro verändert und welche Rolle die EEX als Ausführungsplattform der HSA-Verkaufsauktionen wirklich spielt. Es geht um das Import- und Handelsinstrument, nicht um die Zertifizierung des Moleküls: Die vorgelagerte Eintrittskarte beschreibt die RFNBO-Zertifizierung, hier geht es um den Marktzugang über die Auktion.
H2Global ist ein staatlich finanziertes Doppelauktions-Importinstrument, umgesetzt von der Mittlergesellschaft HINT.CO (Hydrogen Intermediary Company). Auf der Angebotsseite schließt HINT.CO langfristige Kaufverträge (Hydrogen Purchase Agreement, HPA, Festpreis, Laufzeit bis zu rund 10 Jahren) mit Erzeugern im Ausland, auf der Nachfrageseite verkauft sie die Mengen über kurzfristige Verkaufsverträge (Hydrogen Sales Agreement, HSA) an europäische Abnehmer; die öffentliche Förderung schließt die Differenz, eine Contract-for-Difference-Struktur. Die erste (Pilot-)Auktion (rund 900 Millionen Euro, drei Produktlose Ammoniak, Methanol, e-SAF) wurde im Juli 2024 entschieden: Fertiglobe (ADNOC/OCI) liefert grünen Ammoniak aus Egypt Green Hydrogen, Lieferpreis 1.000 Euro je Tonne, Netto-FOB rund 811 Euro je Tonne, maximaler Vertragswert 397 Millionen Euro, Lieferung ab 2027 über Rotterdam; das e-SAF-Los erhielt keine Gebote. Die zweite Auktion startete am 19./20. Februar 2025 mit 2,5 Milliarden Euro Basis, unter EU-Beihilferecht auf bis zu 3 Milliarden Euro genehmigt, erstmals gemeinsam von Deutschland und den Niederlanden finanziert. Sie hat fünf Lose statt drei Produktlose: vier regionale produktoffene Lose (Afrika, Asien, Südamerika und Ozeanien, Nordamerika, je mindestens 484 Millionen Euro, grüner Wasserstoff, Ammoniak oder Methanol) plus ein globales vektoroffenes Los (mindestens 567 Millionen Euro, molekularer Wasserstoff über beliebigen Träger). Geliefert wird nach Deutschland oder in die Niederlande, RFNBO-konform, mit mindestens 73 Prozent Treibhausgasminderung und mindestens 5 MW Elektrolyse; die Teilnahmeanfrage war bis 12. September 2025 einzureichen, verbindliche Endgebote bis März 2026, bewertet zu 90 Prozent über den Durchschnittspreis und zu 10 Prozent über Zusatzmengen. Ergebnisse waren Mitte Juni 2026 noch nicht veröffentlicht, der Prozess läuft. Die EEX ist die technische Ausführungsplattform für die HSA-Verkaufsauktionen: EEX und HINT.CO unterzeichneten am 27. Juni 2023 eine Absichtserklärung, die erste HSA-Verkaufsauktion wird für 2026 erwartet, rund 12 Monate vor der ersten Lieferung 2027. Davon zu trennen betreibt EEX seit 24. Mai 2023 den wöchentlichen Preisindex HYDRIX (Euro je MWh) und baut mit H2EX eine Plattform und einen Spotmarkt auf; 2025 wählte das BMWK HYDRIX als Referenz für seine Carbon Contracts for Difference. Die RFNBO-Zertifizierung ist Vorbedingung jeder Anrechnung, und H2Global (deutsch, Doppelauktion, Importbrücke) ist von der EU Hydrogen Bank (EU-weit, Festprämie, heimische Produktion) zu unterscheiden.
H2Global und EEX: das deutsche Importinstrument und seine Handelsplattform
H2Global ist das deutsche Leitinstrument für den Import von grünem Wasserstoff und seinen Ableitungen. Die Idee dahinter ist einfach und wirkungsvoll: Solange grünes Molekül in der Erzeugung teuer und die europäische Zahlungsbereitschaft niedriger ist, kommt kein Importmarkt in Gang. H2Global überbrückt genau diese Preislücke. Umgesetzt wird das Instrument von der staatseigenen Mittlergesellschaft HINT.CO, der Hydrogen Intermediary Company, die als Vermittler zwischen Erzeugern im Ausland und Abnehmern in Europa auftritt und das Preisrisiko aus dem Markt nimmt.
Mit der zweiten Auktion 2025 hat H2Global einen deutlichen Sprung gemacht. Aus einem Pilot mit drei Produktlosen und rund 900 Millionen Euro ist ein Instrument mit fünf Losen und einem Budget von 2,5 Milliarden Euro geworden, unter EU-Beihilferecht auf bis zu 3 Milliarden Euro genehmigt. Neu und zentral ist, dass die zweite Auktion erstmals gemeinsam von Deutschland und den Niederlanden finanziert wird. Damit wird aus einem nationalen Pilotprojekt das erste skalierte europäische Importinstrument für grünen Wasserstoff und seine Ableitungen.
Parallel dazu hat die EEX, die European Energy Exchange, die Plattform gebaut, über die HINT.CO die Verkaufsauktionen technisch durchführt. Wichtig ist die genaue Einordnung dieser Rolle, denn sie wird oft falsch beschrieben: Die EEX ist für H2Global die technische Ausführungsplattform der Verkaufsauktionen, nicht primär ein freier Derivate-Spotmarkt. Davon zu trennen betreibt die EEX zusätzlich den wöchentlichen Preisindex HYDRIX und baut mit H2EX eigene Handels- und Transparenzangebote auf, die eigenständig neben der Auktionsausführung stehen.
Für die Marktteilnehmer ist das Instrument hochrelevant, und zwar an drei Stellen zugleich. Erzeuger im Ausland entscheiden, ob und in welchem Los sie bieten und ob sie sich eine Abnahme über 10 Jahre sichern. Importeure und Off-taker aus Industrie und Versorgung entscheiden, ob sie über die HSA-Verkaufsauktionen feste Mengen zu kalkulierbaren Preisen einkaufen. Händler beobachten die EEX als entstehende Preisreferenz. Dieser Artikel ordnet das Instrument für alle drei Seiten ein und grenzt es sauber von der Zertifizierung und von der EU Hydrogen Bank ab.
Die Doppelauktion: wie HINT.CO mit HPA und HSA die Preislücke schließt
Der Kern von H2Global ist eine Doppelauktion mit zwei getrennten Seiten, die HINT.CO als Mittler verbindet. Auf der Angebotsseite schließt HINT.CO langfristige Kaufverträge mit den Erzeugern, das Hydrogen Purchase Agreement, kurz HPA. Diese Verträge haben einen Festpreis und eine Laufzeit von bis zu rund 10 Jahren. Den Zuschlag erhält, wer den niedrigsten Preis bietet. Für den Erzeuger entsteht so eine planbare Abnahme über ein Jahrzehnt, was die Finanzierung großer Anlagen im Ausland erst ermöglicht.
Auf der Nachfrageseite verkauft HINT.CO die eingekauften Mengen über kurzfristige Verkaufsverträge weiter, das Hydrogen Sales Agreement, kurz HSA. Diese Verträge sind kurzlaufend, und HINT.CO tritt dabei ausschließlich als Mittler auf, nicht als Eigenhändler. Die europäischen Abnehmer, die den höchsten Preis bieten, erhalten die Mengen. So entsteht eine zweite Auktion auf der Nachfrageseite, die den kurzfristigen Marktpreis offenlegt, zu dem europäische Off-taker das importierte Molekül tatsächlich abnehmen wollen.
Zwischen beiden Seiten klafft die Preislücke, und genau sie schließt die öffentliche Förderung. Der langfristige Einkaufspreis ist hoch, der kurzfristige Verkaufspreis niedriger; die Differenz trägt der Staat. Das ist die Contract-for-Difference-Logik: Die Förderung gleicht nicht einen Pauschalbetrag aus, sondern exakt die Differenz zwischen dem hohen Einkaufs- und dem niedrigeren Verkaufspreis. Sinkt der Verkaufspreis nicht so stark wie befürchtet, fällt auch die Förderung geringer aus, was die öffentlichen Mittel effizient einsetzt.
Der Charme des Modells liegt in der Aufgabenteilung. Der Erzeuger bekommt Abnahmesicherheit über 10 Jahre und kann seine Anlage finanzieren, ohne das volle Marktrisiko zu tragen. Der Abnehmer bekommt planbare Mengen zu kurzfristigen Marktpreisen, ohne eine zehnjährige Verpflichtung eingehen zu müssen. HINT.CO trägt als staatlicher Mittler das Differenzrisiko, abgesichert durch die öffentliche Förderung. So wird ein Markt in Gang gesetzt, der ohne diese Brücke noch nicht tragfähig wäre.
Die erste Auktion als Referenz: Fertiglobe, Ammoniak aus Egypt Green
Die erste, als Pilot konzipierte Auktion lieferte das erste belastbare Preissignal für den europäischen Importmarkt. Sie war mit rund 900 Millionen Euro budgetiert und in drei Produktlose aufgeteilt: Ammoniak, Methanol und e-SAF, also strombasierter Flugkraftstoff. Anders als die spätere zweite Auktion war der Pilot damit nach Produkten gegliedert, nicht nach Regionen. Diese Aufteilung ist wichtig zu kennen, weil sie häufig mit der Struktur der zweiten Auktion verwechselt wird.
Den Zuschlag für das Ammoniak-Los erhielt im Juli 2024 Fertiglobe, ein Unternehmen aus dem Umfeld von ADNOC und OCI. Fertiglobe liefert grünen Ammoniak aus dem Projekt Egypt Green Hydrogen. Der Lieferpreis liegt bei 1.000 Euro je Tonne, der Netto-FOB-Preis ab Werk bei rund 811 Euro je Tonne; die Differenz spiegelt Transport und Logistik bis nach Europa. Der maximale Vertragswert beträgt bis zu 397 Millionen Euro, und die Lieferung beginnt ab 2027 über den Hafen Rotterdam. Danach verkauft HINT.CO diese Mengen über HSA-Auktionen weiter.
Das e-SAF-Los blieb dagegen leer: Es erhielt keine Gebote. Strombasierter Flugkraftstoff war im Pilot noch nicht so weit, dass Erzeuger zu den verlangten Bedingungen bieten konnten. Genau deshalb wurde e-SAF in der zweiten Auktion nicht erneut ausgeschrieben. Der Pilot zeigt damit beides: ein erfolgreiches, belastbares Preissignal beim Ammoniak und eine ehrliche Lücke beim Flugkraftstoff, aus der HINT.CO für die Struktur der zweiten Auktion gelernt hat.
Die zweite Auktion 2025: fünf Lose, bis zu 3 Milliarden Euro, deutsch-niederländisch
Die zweite Auktion startete am 19./20. Februar 2025 und ändert die Struktur grundlegend. Statt nach Produkten ist sie nach Geografie gegliedert, und sie umfasst fünf Lose, nicht drei Produktlose. Vier davon sind regionale, produktoffene Lose für Afrika, Asien, Südamerika und Ozeanien sowie Nordamerika. Produktoffen bedeutet, dass in jedem dieser Lose grüner Wasserstoff, Ammoniak oder Methanol angeboten werden kann; pro regionalem Los stehen mindestens 484 Millionen Euro bereit.
Das fünfte Los ist ein globales, vektoroffenes Los mit mindestens 567 Millionen Euro. Vektoroffen heißt, dass es auf molekularen Wasserstoff zielt, der über einen beliebigen Träger transportiert wird, etwa Ammoniak oder LOHC, und vor der Lieferung wieder zu Wasserstoff gespalten wird. Genau dieses globale Los trägt die neue gemeinsame Finanzierung: Es wird erstmals gemeinsam von Deutschland (BMWK, heute BMWE) und den Niederlanden (Ministerium KGG) getragen. Damit umfasst das Gesamtbudget 2,5 Milliarden Euro Basis, unter EU-Beihilferecht auf bis zu 3 Milliarden Euro genehmigt.
Die Anforderungen an die Lieferung sind klar definiert. Geliefert werden muss nach Deutschland oder in die Niederlande, das Molekül muss RFNBO-konform sein und mindestens 73 Prozent Treibhausgasminderung erreichen, und die Anlage muss mindestens 5 MW Elektrolyse aufweisen. Diese Schwellen verbinden das Importinstrument mit dem europäischen Regelwerk: Was über H2Global nach Europa kommt, muss denselben Nachhaltigkeitsanspruch erfüllen wie heimisch erzeugter RFNBO, und genau diese Konformität ist die Vorbedingung jeder späteren Anrechnung.
Der Zeitplan und das Verfahren stehen fest, die Ergebnisse noch aus. Die formale Teilnahmeanfrage für die regionalen Lose war bis 12. September 2025 einzureichen, die verbindlichen Endgebote werden bis März 2026 erwartet. Bewertet wird zu 90 Prozent über den mengengewichteten Durchschnittspreis und zu 10 Prozent über zusätzlich angebotene Mengen. Zuschläge und Strikepreise der zweiten Auktion waren Mitte Juni 2026 noch nicht veröffentlicht; der Prozess läuft, und dieser Artikel führt ihn als laufenden Vorgang, nicht als abgeschlossenes Ergebnis.
EEX als Ausführungsplattform: HSA-Verkaufsauktionen, HYDRIX und H2EX
Die Rolle der EEX für H2Global wird häufig falsch beschrieben, deshalb lohnt die präzise Einordnung. Die EEX ist für H2Global die technische Ausführungsplattform für die HSA-Verkaufsauktionen von HINT.CO, nicht primär ein freier Derivate-Spotmarkt. EEX und HINT.CO unterzeichneten am 27. Juni 2023 eine Absichtserklärung. Auf dieser Grundlage entwickelte die EEX die Plattform für die technische Durchführung der Verkaufsauktionen und weiterer Handelsinstrumente für Wasserstoff und seine Derivate, also Ammoniak, Methanol und Flugkraftstoff.
Konkret heißt das: Wenn HINT.CO die eingekauften Pilot-Mengen über HSA-Auktionen an europäische Abnehmer weiterverkauft, läuft dieser Verkauf technisch über die EEX-Plattform. Die erste HSA-Verkaufsauktion, also der Wiederverkauf des Pilot-Ammoniaks, wird für 2026 erwartet, rund 12 Monate vor der ersten Lieferung 2027. Die EEX stellt dafür standardisierte Produkte und die Auktionsmechanik bereit, während HINT.CO als Verkäufer und Mittler auftritt. Die EEX ist hier also der technische Marktplatz für die Auktion, nicht selbst Marktakteur.
Davon klar zu trennen sind die eigenständigen Markttransparenz- und Handelsangebote der EEX. Seit dem 24. Mai 2023 betreibt die EEX den Preisindex HYDRIX, einen wöchentlichen Index für grünen Wasserstoff in Euro je MWh, der jeden Mittwoch veröffentlicht wird. Zusätzlich baut die EEX mit H2EX eine browserbasierte Plattform und einen Spotmarkt über das Gas-Handelssystem auf. Diese Angebote sind eigenständige Markttransparenz- und Handelsinstrumente und gehören nicht zur Auktionsausführung für H2Global, auch wenn sie denselben Markt adressieren.
HYDRIX gewinnt dabei förderpolitisch an Gewicht. 2025 wählte das BMWK den Index als Referenz für seine Carbon Contracts for Difference (CCfD), die Klimaschutzverträge. Damit wird HYDRIX von einer reinen Markttransparenz zu einer förderpolitischen Bezugsgröße, an der sich Differenzzahlungen orientieren können. Für Händler und Off-taker entsteht so schrittweise eine belastbare Preisreferenz für grünen Wasserstoff, die neben der Auktionsausführung der EEX als zweiter, eigenständiger Baustein des entstehenden Marktes steht.
Was Importeure, Erzeuger und Off-taker jetzt tun
Das Instrument läuft, und der Zeitpunkt ist günstig: Die zweite Auktion ist in der Endgebotsphase, und die ersten HSA-Verkaufsauktionen über die EEX stehen 2026 bevor. Alle drei Marktseiten sollten ihre Position jetzt festlegen, statt auf die Veröffentlichung der Zuschläge zu warten. Für Erzeuger im Ausland beginnt das mit der Wahl von Los und Region: Sie prüfen, ob das regionale Los ihrer Region oder das globale Los besser passt, und kalkulieren den geforderten Festpreis über die rund 10 Jahre Laufzeit des HPA.
Für Erzeuger ist außerdem die Lieferkonformität entscheidend. Sie müssen am Lieferpunkt RFNBO-Konformität und mindestens 73 Prozent Treibhausgasminderung sicherstellen und mindestens 5 MW Elektrolyse nachweisen. Wer diese Schwellen erst spät adressiert, riskiert, dass ein gewonnenes Gebot an der Konformität scheitert. Sinnvoll ist daher, die Nachhaltigkeitsdokumentation und die Lieferlogik nach Deutschland oder in die Niederlande früh aufzusetzen und parallel zur Gebotsvorbereitung zu führen.
Importeure und Off-taker aus Industrie und Versorgung bereiten dagegen die Nachfrageseite vor. Sie sollten sich frühzeitig auf die Teilnahme an den HSA-Verkaufsauktionen über die EEX einstellen und ihre kurzfristigen Bezugspreise gegen alternative Beschaffungswege rechnen. Weil die HSA-Verträge kurzlaufend sind, bekommen Abnehmer planbare Mengen, ohne eine zehnjährige Verpflichtung einzugehen; im Gegenzug müssen sie ihre Gebotsstrategie für wiederkehrende Auktionen aufsetzen. Wer den HYDRIX-Index als Preisreferenz beobachtet, kann seine Gebote besser kalibrieren.
Zwei Abgrenzungen helfen bei der Einordnung. Erstens ist die RFNBO-Zertifizierung die Vorbedingung jeder Anrechnung: H2Global-Wasserstoff muss zertifiziert geliefert werden, und der spätere Wert im Quotensystem entscheidet sich über die THG-Quote und die RFNBO-Unterquote. Zweitens ist H2Global, ein deutsch-niederländisches Importinstrument mit Doppelauktion, von der EU Hydrogen Bank zu unterscheiden, einem EU-weiten Instrument mit Festprämie für die heimische EU-Produktion; beide ergänzen sich. Wer ein Projekt baut, ordnet das alles in den größeren Rahmen ein, von der Kapazitätsbuchung im H2-Kernnetz bis zur Genehmigung nach dem Wasserstoffbeschleunigungsgesetz.
Weiterführende Informationen
Häufig gestellte Fragen
H2Global ist ein staatlich finanziertes Doppelauktions-Importinstrument für grünen Wasserstoff und seine Derivate, umgesetzt von der staatseigenen Mittlergesellschaft HINT.CO (Hydrogen Intermediary Company). HINT.CO kauft auf der Angebotsseite über langfristige Kaufverträge (HPA, Festpreis, Laufzeit bis zu rund 10 Jahren) bei Erzeugern im Ausland ein und verkauft dieselben Mengen auf der Nachfrageseite über kurzfristige Verkaufsverträge (HSA) an europäische Abnehmer. Die öffentliche Förderung schließt die Differenz zwischen dem hohen langfristigen Einkaufspreis und dem niedrigeren kurzfristigen Verkaufspreis, eine Contract-for-Difference-Struktur. So überbrückt H2Global die Preislücke zwischen teurem grünem Molekül und zahlungsbereiter europäischer Nachfrage.
Die Doppelauktion besteht aus zwei getrennten Auktionsseiten, die HINT.CO als Mittler verbindet. Auf der Angebotsseite vergibt HINT.CO langfristige Kaufverträge, das Hydrogen Purchase Agreement (HPA), mit Festpreis und einer Laufzeit von bis zu rund 10 Jahren an die Erzeuger, die den niedrigsten Preis bieten. Auf der Nachfrageseite verkauft HINT.CO die eingekauften Mengen über kurzfristige Verkaufsverträge, das Hydrogen Sales Agreement (HSA), an die europäischen Abnehmer, die den höchsten Preis bieten. Weil der langfristige Einkaufspreis hoch und der kurzfristige Verkaufspreis niedriger ist, entsteht eine Differenz, die die öffentliche Förderung schließt. Das ist die Contract-for-Difference-Logik: Erzeuger bekommen Abnahmesicherheit über 10 Jahre, Abnehmer planbare Mengen zu kurzfristigen Marktpreisen.
Die zweite Auktion startete am 19./20. Februar 2025 und ändert die Struktur grundlegend. Erstens wächst das Budget: 2,5 Milliarden Euro Basis, unter EU-Beihilferecht auf bis zu 3 Milliarden Euro genehmigt, gegenüber rund 900 Millionen Euro im Pilot. Zweitens wird sie erstmals gemeinsam von Deutschland und den Niederlanden finanziert. Drittens gibt es nun fünf Lose statt drei Produktlose: vier regionale produktoffene Lose (Afrika, Asien, Südamerika und Ozeanien, Nordamerika, je mindestens 484 Millionen Euro für grünen Wasserstoff, Ammoniak oder Methanol) plus ein globales vektoroffenes Los (mindestens 567 Millionen Euro für molekularen Wasserstoff über beliebigen Träger). Geliefert wird nach Deutschland oder in die Niederlande, RFNBO-konform, mit mindestens 73 Prozent Treibhausgasminderung. Die Teilnahmeanfrage war bis 12. September 2025 einzureichen, verbindliche Endgebote bis März 2026; Ergebnisse waren Mitte 2026 noch nicht veröffentlicht.
Die EEX (European Energy Exchange) ist für H2Global die technische Ausführungsplattform für die HSA-Verkaufsauktionen von HINT.CO, kein freier Derivate-Spotmarkt. EEX und HINT.CO unterzeichneten am 27. Juni 2023 eine Absichtserklärung; EEX entwickelte daraufhin die Plattform für die Durchführung der Verkaufsauktionen für Wasserstoff und seine Derivate wie Ammoniak, Methanol und Flugkraftstoff. Die erste HSA-Verkaufsauktion wird für 2026 erwartet, rund 12 Monate vor der ersten Lieferung 2027. Davon zu trennen ist, dass EEX zusätzlich seit 24. Mai 2023 den wöchentlichen Preisindex HYDRIX (Euro je MWh) betreibt und mit H2EX eine browserbasierte Plattform und einen Spotmarkt aufbaut; HYDRIX und H2EX sind eigenständige Markttransparenz- und Handelsangebote, nicht die Auktionsausführung für H2Global.
H2Global und die EU Hydrogen Bank sind zwei unterschiedliche Förderinstrumente, die sich ergänzen. H2Global ist ein deutsches, inzwischen deutsch-niederländisches Instrument mit einer Doppelauktion: HINT.CO kauft über langfristige HPA ein, verkauft über kurzfristige HSA weiter und überbrückt die Preisdifferenz als Importbrücke, vor allem für Mengen aus Drittstaaten. Die EU Hydrogen Bank ist dagegen ein EU-weites Instrument, das eine Festprämie je Kilogramm zahlt und auf die heimische Produktion innerhalb der EU über den Innovationsfonds zielt. Vereinfacht: H2Global ist eine Importbrücke über eine Doppelauktion, die EU Hydrogen Bank eine Festprämie für die heimische EU-Produktion. Beide Instrumente verfolgen denselben Markthochlauf, setzen aber an unterschiedlichen Punkten an.