Obertageanlage eines Wasserstoff-Salzkavernenspeichers mit Sondenkopf in flacher norddeutscher Landschaft.
ENERGIEWIRTSCHAFT & NACHHALTIGKEIT

H2-Kavernenspeicher: das Pilotprojekt H2CAST Etzel und der Beschleunigungsrahmen ab 2026

Das Wasserstoffsystem hat eine große, oft übersehene Lücke: die großvolumige, langfristige Speicherung. Wasserstoff aus Elektrolyse und Import fällt ungleichmäßig an, der Bedarf von Industrie und Kraftwerken schwankt saisonal, und ohne Untergrundspeicher in der Größenordnung mehrerer Dutzend Terawattstunden lässt sich kein belastbares H2-System betreiben. Salzkavernen sind dafür die Schlüsseltechnologie, und das Pilotprojekt H2CAST Etzel liefert den industriellen Nachweis, dass eine bestehende Kaverne reinen Wasserstoff dicht und mehrcyclisch speichern kann.

Dieser Artikel ordnet drei Stränge ein: warum das H2-System Großspeicher braucht und wie groß der Bedarf bis 2045 ist, warum Salzkavernen technisch passen und was H2CAST Etzel mit rund 90 Tonnen eingespeichertem Wasserstoff und 100 Prozent nachgewiesener Gasdichtheit konkret beweist, und welcher Rahmen ab 2026 den Speicherhochlauf beschleunigt. Es geht um die Speicherung als eigenes Anlagenobjekt, nicht um die allgemeine Genehmigung: Den Genehmigungshebel beschreibt das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz, hier geht es um Speichertechnik, Pilotnachweis und den speicherspezifischen Rahmen.

Zusammenfassung

Salzkavernen sind die Schlüsseltechnologie für die großvolumige, langfristige und saisonale Speicherung von Wasserstoff: gasdicht, schnell und mehrcyclisch zyklierbar, in großer Zahl im deutschen Nordwesten vorhanden und teils aus bestehenden Erdgas- und Erdölkavernen umwidmbar. Das Pilotprojekt H2CAST Etzel ist der derzeit wichtigste industrielle Proof-of-Concept: Koordinator ist die STORAG ETZEL, Gasunie verantwortet Obertageanlage und Befüllung, DEEP.KBB übernimmt Engineering und Tests, dazu kommen HARTMANN Valves, SOCON, das DLR und die TU Clausthal. H2CAST nutzt zwei bestehende Salzkavernen in über 1.000 Meter Tiefe am Standort Etzel (rund 75 Kavernen insgesamt), das geometrische Volumen je Testkaverne liegt bei rund 150.000 Kubikmetern und ist auf bis zu rund 600.000 Kubikmeter ausbaubar; das Langfristziel der Partner ist ein flexibler Untergrundspeicher mit bis zu 1 TWh. Ab Mai 2025 (Start am 9. Mai 2025) wurden rund 90 Tonnen Wasserstoff (rund 300.000 Kubikmeter) bei rund 170 bar eingespeichert, geliefert von Plug Power aus Werlte; die Befüllung wurde Mitte März 2026 mit nachgewiesener 100 Prozent Gasdichtheit abgeschlossen, die obertägige Reinigungsanlage geht im Frühjahr 2026 in Betrieb, Ergebnisse liegen bis Ende 2026 vor. Gefördert wird über READY und INVEST (Land Niedersachsen) sowie über PROVE (BMWE, rund 3,39 Millionen Euro). Der deutsche H2-Speicherbedarf steigt von rund 2 bis 7 TWh (2030) auf rund 76 bis 80 TWh (2045), EU-weit bis zu rund 161 TWh bis 2050; Treiber sind die Industrie und die Rückverstromung in H2-ready-Kraftwerken. Die Umwidmung bestehender Speicher (Potenzial bis zu rund 36 TWh, davon rund 31 TWh Erdgas- und rund 5 TWh Ölkavernen) deckt rund 20 bis 50 Prozent des Bedarfs bis 2040, weil das nutzbare Arbeitsgasvolumen bei Wasserstoff auf rund ein Fünftel sinkt; danach ist auch Neubau nötig. Der Beschleunigungsrahmen ab 2026 besteht aus zwei Elementen, kein einzelnes Gesetz dieses Namens: dem WasserstoffBG (in Kraft seit 2. April 2026, führt Speicher in seinem Anwendungsbereich und im überragenden öffentlichen Interesse und beschleunigt die Genehmigung) und dem Weißbuch Wasserstoffspeicher des BMWE (17. April 2025) als speicherspezifischem Rahmen mit wettbewerblichem Speichermarkt und Förderung. Wegen der Vorlaufzeiten (Umwidmung rund 4 bis 6 Jahre, Neubau rund 10 bis 12 Jahre) müssen Investitionsentscheidungen für H2-Speicher 2026/2027 fallen, damit die Mengen bis 2045 stehen.

bis 80 TWh
H2-Speicherbedarf Deutschland bis 2045
2 bis 7 TWh im Jahr 2030
rund 90 t
bei H2CAST eingespeicherter Wasserstoff
bei rund 170 bar
100 Prozent
nachgewiesene Gasdichtheit der Kavernen
Befüllung März 2026 abgeschlossen
bis 1 TWh
Langfristziel der H2CAST-Speicherkapazität
flexibler Untergrundspeicher
bis 36 TWh
Umwidmungspotenzial bestehender Kavernen
rund 31 Erdgas, rund 5 Öl
2026/2027
Zeitfenster für Speicher-Investitionsentscheidungen
wegen langer Vorlaufzeiten

Warum das Wasserstoffsystem Großspeicher braucht

Wasserstoff aus heimischer Elektrolyse und aus Importen fällt nicht gleichmäßig an, und der Bedarf von Industrie und Kraftwerken schwankt über das Jahr. Genau an dieser Stelle hat das Wasserstoffsystem seine größte, am häufigsten übersehene Lücke: die großvolumige, langfristige Speicherung. Ohne Untergrundspeicher in der Größenordnung mehrerer Dutzend Terawattstunden lässt sich kein belastbares H2-System betreiben. Speicher sind dabei keine Spielerei am Rand, sondern eine Systemvoraussetzung, ohne die der gesamte Hochlauf von Produktion, Import und Netz nicht trägt.

Die Größenordnung wird oft unterschätzt. Der deutsche H2-Speicherbedarf steigt von rund 2 bis 7 TWh im Jahr 2030 auf rund 76 bis 80 TWh im Jahr 2045, EU-weit auf bis zu rund 161 TWh bis 2050. Die Langfristszenarien des BMWK skizzieren den Pfad dazwischen mit rund 17 TWh im Jahr 2035 und rund 55 TWh im Jahr 2040. Das ist eine Verzehnfachung innerhalb von fünfzehn Jahren, und sie lässt sich nicht in letzter Minute aufholen, weil der Bau von Speichern Jahre dauert.

Treiber sind vor allem zwei Verbraucher. Die Industrie braucht Wasserstoff als Rohstoff und Energieträger mit planbarer Verfügbarkeit, und die Rückverstromung in H2-ready-Kraftwerken ruft Wasserstoff gerade dann ab, wenn wenig erneuerbarer Strom verfügbar ist. Beide Lastprofile verlangen, dass im Sommer eingespeicherter Überschuss im Winter wieder zur Verfügung steht. Speicher überbrücken also Tage bis ganze Saisons, anders als Batterien, die Sekunden bis Stunden ausgleichen. Diese saisonale Funktion lässt sich technisch nur im Untergrund und nur in sehr großem Maßstab darstellen.

Die Speicherung ist dabei klar abgegrenzt von den anderen Bausteinen des Hochlaufs. Die Produktion wird über die EU Hydrogen Bank gefördert, der Import läuft über H2Global, und der Transport hängt an der Kapazitätsbuchung im H2-Kernnetz. Der Speicher ist ein eigenes Anlagenobjekt, das an diesem Netz hängt und die zeitliche Entkopplung zwischen Aufkommen und Bedarf leistet. Wer den Hochlauf ernst nimmt, muss diese vierte Säule mitdenken, statt sie als nachgelagert zu behandeln.

Salzkavernen: gasdicht, schnell zyklierbar, im Nordwesten vorhanden

Eine Salzkaverne ist ein künstlich ausgesoolter Hohlraum tief im Steinsalz. Über ein Bohrloch und einen obertägigen Sondenkopf wird sie angebunden, gefüllt und entleert. Genau dieser Aufbau macht sie für Wasserstoff so geeignet: Steinsalz ist praktisch gasdicht und selbstheilend, sodass selbst das kleine, flüchtige Wasserstoffmolekül nicht entweicht und hohe Betriebsdrücke sicher gehalten werden. Was über Jahrzehnte Erdgas dicht eingeschlossen hat, hält auch Wasserstoff, und das ist der entscheidende physikalische Grund für die Eignung dieser Speicherform.

Aufbau eines Wasserstoff-Salzkavernenspeichers, vom Sondenkopf über das Bohrloch und das gasdichte Steinsalz bis zur Kaverne.
Aufbau eines Wasserstoff-Salzkavernenspeichers, vom Sondenkopf über das Bohrloch und das gasdichte Steinsalz bis zur Kaverne.

Der zweite Vorteil ist die Dynamik. Kavernen erlauben schnelle und häufige Lastwechsel, also einen mehrcyclischen Betrieb mit vielen Ein- und Ausspeicherzyklen pro Jahr. Das passt genau zur fluktuierenden Erzeugung aus Wind und Sonne: Wenn viel erneuerbarer Strom verfügbar ist, wird über die Elektrolyse Wasserstoff produziert und unter Druck eingespeichert; wenn die Erzeugung einbricht oder die Nachfrage steigt, wird über dasselbe Bohrloch wieder ausgespeichert. Diese Flexibilität unterscheidet die Salzkaverne von langsameren geologischen Speichern wie Porenspeichern.

Der dritte Vorteil ist die Verfügbarkeit. Salzkavernen sind in großer Zahl im deutschen Nordwesten vorhanden, und ein Teil der bestehenden Erdgas- und Erdölkavernen lässt sich auf Wasserstoff umwidmen. Damit ist die Salzkaverne die in Deutschland am weitesten verfügbare und schnellste Option für die H2-Speicherung, deutlich schneller als ein vollständiger Neubau. Die Standorte liegen zudem nah an den geplanten Anbindungspunkten des H2-Kernnetzes und an den Importhubs an der Nordseeküste.

Ein Punkt muss bei aller Eignung mitgedacht werden: die geringe volumetrische Energiedichte von Wasserstoff. In einer umgewidmeten Kaverne sinkt das nutzbare Arbeitsgasvolumen bei Wasserstoff auf rund ein Fünftel gegenüber Erdgas. Für dieselbe gespeicherte Energiemenge braucht es also rund fünfmal so viele Kavernen. Das erklärt, warum der Speicherbedarf in Terawattstunden so viele Standorte verlangt und warum neben der Umwidmung mittelfristig auch der Neubau zusätzlicher Kavernen unausweichlich wird.

H2CAST Etzel: der industrielle Proof-of-Concept

H2CAST Etzel ist das derzeit wichtigste Pilotprojekt, das im industriellen Maßstab nachweist, dass eine bestehende Salzkaverne reinen Wasserstoff dicht, mehrcyclisch und in der geforderten Qualität speichern kann. Der Standort liegt in Etzel in Friesland, Niedersachsen, einem der größten Kavernenfelder Europas mit insgesamt rund 75 Kavernen. Für das Projekt zählt nicht der Labormaßstab, sondern der Beweis unter realen Betriebsbedingungen an realen Kavernen, denn nur ein solcher Nachweis liefert belastbare Auslegungsdaten für künftige Großspeicher.

Sondenkopf einer Salzkaverne im Feld, H2CAST Etzel weist die Wasserstoffspeicherung im industriellen Maßstab nach.
Sondenkopf einer Salzkaverne im Feld, H2CAST Etzel weist die Wasserstoffspeicherung im industriellen Maßstab nach.

Das Konsortium bündelt die nötige Kompetenz entlang der gesamten Kette. Koordinator ist die STORAG ETZEL als Kavernenbetreiber am Standort. Gasunie verantwortet die obertägige Anlage und die Wasserstoffbefüllung, DEEP.KBB übernimmt Zustandsbewertung, Engineering, Testdurchführung und Auswertung. Hinzu kommen HARTMANN Valves für die wasserstofftaugliche Bohrlochsicherheit und SOCON für die Messtechnik, dazu als Forschungseinrichtungen das DLR für die Systemmodellierung und die TU Clausthal für die Speicherintegrität. Diese Aufstellung deckt Betrieb, Anlagentechnik, Sicherheit und Wissenschaft ab.

Technisch nutzt H2CAST zwei bestehende Salzkavernen in über 1.000 Meter Tiefe. Das geometrische Volumen je Testkaverne liegt bei rund 150.000 Kubikmetern und ist auf bis zu rund 600.000 Kubikmeter ausbaubar. Das Langfristziel der Partner ist ein flexibler Untergrundspeicher mit bis zu 1 TWh Wasserstoff, angebunden an das H2-Kernnetz und an den Energiehub Wilhelmshaven. Damit ist Etzel nicht nur ein Test, sondern der Keim eines künftigen Großspeicherstandorts mitten in der Importregion an der Nordseeküste.

Finanziert wird das Vorhaben über drei Förderstränge. READY und INVEST werden vom Niedersächsischen Umweltministerium gefördert, das Teilprojekt PROVE vom BMWE mit rund 3,39 Millionen Euro. Diese Aufteilung spiegelt die Logik des Projekts: erst die Eignung und Dichtheit nachweisen, dann investieren und schließlich den Normalbetrieb und die Qualität beweisen. Für innobu-Mandanten ist Etzel deshalb mehr als ein Leuchtturm, es ist die Referenz, an der sich künftige Speicherprojekte technisch und genehmigungsseitig orientieren werden.

Vom Befüllen zum Beweis: Phasen und Zeitplan

H2CAST läuft in klaren Phasen. Die Phase READY weist die Eignung und Dichtheit der Kavernen nach, die Phase PROVE den Normalbetrieb und die geforderte Wasserstoffqualität. Diese Reihenfolge ist kein Zufall, sondern die Logik jedes seriösen Speicherprojekts: Zuerst muss feststehen, dass die Kaverne das flüchtige Gas hält, bevor man den dauerhaften Betrieb und die Reinheit des entnommenen Wasserstoffs unter Beweis stellt. Die Projektlaufzeit des Teilprojekts PROVE reicht vom 1. November 2022 bis zum 31. Oktober 2026.

Obertägige Reinigungs- und Verdichtungsanlage des Kavernenspeichers, sie sichert die geforderte Wasserstoffqualität.
Obertägige Reinigungs- und Verdichtungsanlage des Kavernenspeichers, sie sichert die geforderte Wasserstoffqualität.

Der entscheidende Schritt war die Befüllung. Ab Mai 2025, mit symbolischem Start am 9. Mai 2025, wurden die zwei Kavernen mit rund 90 Tonnen Wasserstoff befüllt, das entspricht rund 300.000 Kubikmetern, bei rund 170 bar. Der Wasserstoff stammte von Plug Power aus Werlte, rund 90 Kilometer südlich des Standorts. Mitte März 2026 wurde die Befüllung erfolgreich abgeschlossen, und das zentrale Ergebnis steht: Es wurde eine 100 Prozent Gasdichtheit der Kavernen nachgewiesen. Damit ist der schwierigste Teil, der Dichtheitsbeweis unter realen Bedingungen, erbracht.

Parallel entsteht die obertägige Technik. Die Wasserstoffreinigungsanlage geht im Frühjahr 2026 in Betrieb. Sie übernimmt Gasreinigung, Verdichtung und Qualitätsüberwachung, denn aus der Kaverne entnommener Wasserstoff muss vor der Einspeisung ins Netz wieder auf die geforderte Qualität gebracht werden. Genau dieser Schritt entscheidet, ob ein Kavernenspeicher netzdienlich betrieben werden kann, und ist deshalb für den Übergang vom Test zum Regelbetrieb ebenso wichtig wie die Dichtheit der Kaverne selbst.

Anschließend folgt eine intensive Testphase. Die Ergebnisse liegen bis Ende 2026 vor und dienen als Auslegungs- und Sicherheitsgrundlage für den Bau von H2-Großspeichern in Nordwesteuropa. Für Speicherbetreiber heißt das: Wer 2027 eine Investitionsentscheidung vorbereitet, kann sich auf die Etzel-Daten zu Dichtheit, Zyklierbarkeit und Qualität stützen, statt auf Annahmen. Damit verschiebt H2CAST die Diskussion von der Frage, ob Salzkavernen Wasserstoff speichern können, hin zur Frage, wie schnell und in welchem Umfang die Branche sie ausrollt.

Der Beschleunigungsrahmen ab 2026: Genehmigung und Speicherstrategie

Beim Beschleunigungsrahmen für H2-Speicher ab 2026 ist eine Präzisierung wichtig: Es gibt kein einzelnes Gesetz dieses Namens. Der Rahmen ist ein Zusammenspiel aus zwei Elementen, einem Genehmigungshebel und einem speicherspezifischen Politikrahmen. Beide greifen ab 2026 ineinander, adressieren aber unterschiedliche Engpässe: Das eine beschleunigt die Genehmigung des Speichers als Anlage, das andere schafft die Marktlogik und die Förderung, die eine Investitionsentscheidung überhaupt erst tragfähig macht.

Das erste Element ist das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz (WasserstoffBG), in Kraft seit 2. April 2026. Es führt Wasserstoffspeicher ausdrücklich in seinem Anwendungsbereich und legt deren Errichtung und Betrieb in das überragende öffentliche Interesse, mit festen kürzeren Fristen und vollelektronischem Verfahren. Damit ist der Speicher kein Genehmigungsobjekt zweiter Klasse mehr, sondern ein Vorhaben, das vom selben Beschleunigungsregime profitiert wie das Netz. Die Mechanik des Gesetzes, also die Hebel und Fristen im Detail, behandelt der eigene innobu-Artikel zum Wasserstoffbeschleunigungsgesetz; hier zählt nur, dass Speicher ausdrücklich erfasst sind.

Das zweite Element ist das Weißbuch Wasserstoffspeicher des BMWE, veröffentlicht am 17. April 2025. Es ist der speicherspezifische Politikrahmen: Es benennt den Speicherbedarf und die Umwidmungspotenziale, fordert einen wettbewerblich organisierten Speichermarkt und eine Förderung zur Abdeckung der frühen Investitionsrisiken und legt damit die Grundlage für die Arbeit der Bundesregierung in der 21. Legislaturperiode ab 2026. Während das WasserstoffBG die Genehmigung beschleunigt, beantwortet das Weißbuch die Frage, wie ein Speicher refinanziert wird, solange die Mengen und damit die Erlöse noch klein sind.

Die Zahlen dahinter sind eindeutig. Das Umwidmungspotenzial bestehender Speicher liegt bei bis zu rund 36 TWh, davon rund 31 TWh aus Erdgaskavernen und rund 5 TWh aus Ölkavernen, bei rund 29 Erdgaskavernenstandorten vor allem im Nordwesten. Das deckt rund 20 bis 50 Prozent des Bedarfs bis 2040, danach ist auch Neubau nötig. Entscheidend ist die Zeitlogik: Die Umwidmung dauert rund 4 bis 6 Jahre, ein Neubau rund 10 bis 12 Jahre. Wer also die Kapazitäten bis 2045 stehen haben will, kann mit der Entscheidung nicht beliebig warten, sondern muss den Rahmen ab 2026 aktiv nutzen.

Was Speicherbetreiber und H2-Player jetzt tun

Der technische Nachweis reift mit H2CAST, der Genehmigungsrahmen steht, und der Speichermarkt formt sich gerade. Wegen der langen Vorlaufzeiten lassen sich Speicher-Investitionsentscheidungen aber nicht aufschieben. Der erste Schritt ist deshalb, das Zeitfenster ernst zu nehmen: Weil die Umwidmung rund 4 bis 6 Jahre und ein Neubau rund 10 bis 12 Jahre dauert, müssen Investitionsentscheidungen 2026/2027 fallen, damit die benötigten Mengen bis 2045 stehen. Wer erst auf einen fertigen Speichermarkt wartet, riskiert, die saisonale Lücke des Hochlaufs nicht rechtzeitig zu schließen.

Der zweite Schritt ist die Standort- und Umwidmungsprüfung. Sinnvoll ist, bestehende Erdgas- und Erdölkavernen als Umwidmungskandidaten zu bewerten, ihre Nähe zum H2-Kernnetz und zu den Importhubs zu prüfen und das reduzierte Arbeitsgasvolumen bei Wasserstoff von vornherein einzukalkulieren. Weil eine umgewidmete Kaverne bei Wasserstoff nur rund ein Fünftel der Erdgas-Arbeitsgasmenge speichert, muss die Kapazitätsplanung von Anfang an mit deutlich mehr Volumen rechnen als ein einfacher Eins-zu-eins-Vergleich nahelegt.

Der dritte Schritt ist, Genehmigung und Förderdesign parallel aufzusetzen. Die Genehmigung läuft über das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz mit überragendem öffentlichem Interesse und festen Fristen, das sich formende Speichermarkt- und Förderdesign über das Weißbuch Wasserstoffspeicher. Beides früh zu adressieren spart später Zeit, weil Genehmigungsantrag und Refinanzierungsmodell aufeinander abgestimmt werden müssen. Die H2CAST-Ergebnisse, die bis Ende 2026 vorliegen, lassen sich dabei als Auslegungs- und Sicherheitsreferenz für den eigenen Antrag nutzen.

Schließlich gilt es, den Speicher sauber als eigenes Anlagenobjekt einzuordnen. Er hängt am H2-Kernnetz, dessen Zugang über die Kapazitätsbuchung geregelt ist, und er steht systemisch zwischen der Produktionsförderung über die EU Hydrogen Bank und dem Import über H2Global. Der Speicher ist aber keines dieser Instrumente, sondern die zeitliche Brücke zwischen Aufkommen und Bedarf. Wer ein Speicherprojekt entwickelt, trennt diese Stränge sauber und nutzt sie als Kontext, statt sie zu vermischen.

Weiterführende Informationen

Häufig gestellte Fragen

Warum braucht das Wasserstoffsystem Großspeicher? +

Wasserstoff aus heimischer Elektrolyse und aus Importen fällt ungleichmäßig an, und der Bedarf von Industrie und H2-ready-Kraftwerken schwankt saisonal. Ohne großvolumige Untergrundspeicher in der Größenordnung mehrerer Dutzend Terawattstunden ist ein belastbares H2-System nicht zu betreiben. Großspeicher überbrücken Tage bis ganze Saisons, also den Sommerüberschuss zum Winterbedarf, und nicht Sekunden wie eine Batterie. Der deutsche Speicherbedarf steigt von rund 2 bis 7 TWh im Jahr 2030 auf rund 76 bis 80 TWh im Jahr 2045, EU-weit bis zu rund 161 TWh bis 2050. Treiber sind die Industrie und vor allem die Rückverstromung in H2-ready-Kraftwerken, die Wasserstoff dann abrufen, wenn wenig erneuerbarer Strom verfügbar ist. Damit ist die Speicherung die am häufigsten übersehene Lücke des Hochlaufs, nachgelagert zu Produktion, Import und Netz.

Warum sind Salzkavernen die Schlüsseltechnologie für die H2-Speicherung? +

Eine Salzkaverne ist ein künstlich ausgesoolter Hohlraum tief im Steinsalz, der über ein Bohrloch und einen obertägigen Sondenkopf angebunden ist. Steinsalz ist praktisch gasdicht und selbstheilend und damit ideal für das kleine, flüchtige Wasserstoffmolekül und für hohe Betriebsdrücke. Kavernen erlauben schnelle, häufige Lastwechsel, also einen mehrcyclischen Betrieb, der zur fluktuierenden Erzeugung passt. Sie sind in großer Zahl im deutschen Nordwesten vorhanden, und ein Teil der bestehenden Erdgas- und Erdölkavernen lässt sich umwidmen. Wegen der geringen Energiedichte sinkt das in einer Kaverne nutzbare Arbeitsgasvolumen bei Wasserstoff allerdings auf rund ein Fünftel gegenüber Erdgas, der Bedarf an Kavernen steigt entsprechend.

Was beweist das Pilotprojekt H2CAST Etzel? +

H2CAST Etzel ist der derzeit wichtigste industrielle Proof-of-Concept dafür, dass eine bestehende Salzkaverne reinen Wasserstoff dicht, mehrcyclisch und in der geforderten Qualität speichern kann. Koordinator ist die STORAG ETZEL, Gasunie verantwortet die Obertageanlage und die Befüllung, DEEP.KBB übernimmt Engineering und Tests, dazu kommen HARTMANN Valves, SOCON, das DLR und die TU Clausthal. Genutzt werden zwei bestehende Salzkavernen in über 1.000 Meter Tiefe am Standort Etzel mit rund 150.000 Kubikmetern Volumen je Testkaverne, ausbaubar auf bis zu rund 600.000 Kubikmeter. Ab Mai 2025 wurden rund 90 Tonnen Wasserstoff (rund 300.000 Kubikmeter) bei rund 170 bar eingespeichert, geliefert von Plug Power aus Werlte; die Befüllung wurde Mitte März 2026 mit nachgewiesener 100 Prozent Gasdichtheit abgeschlossen. Das Langfristziel der Partner ist ein flexibler Untergrundspeicher mit bis zu 1 TWh.

Wie groß ist der Wasserstoff-Speicherbedarf in Deutschland? +

Der deutsche H2-Speicherbedarf steigt von rund 2 bis 7 TWh im Jahr 2030 auf rund 76 bis 80 TWh im Jahr 2045, EU-weit auf bis zu rund 161 TWh bis 2050. Die Umwidmung bestehender Erdgas- und Erdölspeicher hat ein Potenzial von bis zu rund 36 TWh, davon rund 31 TWh aus Erdgaskavernen und rund 5 TWh aus Ölkavernen, und kann damit rund 20 bis 50 Prozent des Bedarfs bis 2040 decken; danach ist auch Neubau nötig. Weil das nutzbare Arbeitsgasvolumen bei Wasserstoff auf rund ein Fünftel gegenüber Erdgas sinkt, braucht es deutlich mehr Kavernen für dieselbe gespeicherte Energiemenge. Die Umwidmung dauert rund 4 bis 6 Jahre, ein Neubau rund 10 bis 12 Jahre.

Was ist der Beschleunigungsrahmen für H2-Speicher ab 2026? +

Es gibt kein einzelnes Gesetz dieses Namens. Der Beschleunigungsrahmen für H2-Speicher ab 2026 besteht aus zwei Elementen. Erstens das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz (WasserstoffBG), in Kraft seit 2. April 2026: Es führt Wasserstoffspeicher ausdrücklich in seinem Anwendungsbereich und legt deren Errichtung und Betrieb in das überragende öffentliche Interesse, mit festen kürzeren Fristen und vollelektronischem Verfahren; das ist der Genehmigungshebel für Speicher, der in einem eigenen Artikel ausführlich erklärt wird. Zweitens das Weißbuch Wasserstoffspeicher des BMWE vom 17. April 2025: Es benennt den Speicherbedarf und die Umwidmungspotenziale und fordert einen wettbewerblich organisierten Speichermarkt plus Förderung zur Abdeckung der frühen Investitionsrisiken, als Grundlage für die Arbeit der Bundesregierung in der 21. Legislaturperiode ab 2026.