EU Hydrogen Bank: die Festprämien-Auktionen und erstmals CO2-armer Wasserstoff
Dieser Artikel zeigt die Mechanik dahinter: wie das pay-as-bid-Verfahren die Festprämie je Kilogramm vergibt, was die Pilotauktion mit Geboten ab 0,37 Euro je Kilogramm als Referenz lieferte, was die zweite Auktion IF24 und die dritte Auktion IF25 mit der neuen CO2-armen Linie verändern und wie der Auctions-as-a-Service-Hebel nationale Mittel auf die EU-Auktion aufsattelt. Es geht um die Produktionsförderung der heimischen EU-Erzeugung, nicht um die Zertifizierung des Moleküls: Die vorgelagerte Eintrittskarte beschreibt die RFNBO-Zertifizierung, hier geht es um den Förderzugang über die Auktion.
Die EU Hydrogen Bank (Europäische Wasserstoffbank) ist das zentrale EU-Instrument für die Produktionsförderung von heimischem Wasserstoff, umgesetzt als wettbewerbliche Auktion und finanziert von der Exekutivagentur CINEA aus dem Innovationsfonds (Erlöse aus dem EU-Emissionshandel, EU-ETS). Der Zuschlag ist keine Investitionshilfe, sondern eine Festprämie je Kilogramm: Erzeuger bieten den Aufschlag je Kilogramm, den sie zusätzlich zum Marktpreis brauchen, die günstigsten Gebote gewinnen (pay as bid), und die Prämie wird bis zu 10 Jahre auf jedes nachweislich erzeugte und zertifizierte Kilogramm gezahlt. Die Pilotauktion (IF23) wurde am 30. April 2024 entschieden: rund 720 Millionen Euro an 7 Projekte, Gebote 0,37 bis 0,48 Euro je Kilogramm weit unter dem Deckel von 4,5 Euro je Kilogramm, Standorte Spanien, Portugal, Norwegen und Finnland, geplante Produktion 1,58 Millionen Tonnen über 10 Jahre; Deutschland war erster Auctions-as-a-Service-Staat mit 350 Millionen Euro. Die zweite Auktion (IF24) lief vom 3. Dezember 2024 bis 20. Februar 2025 mit 1,2 Milliarden Euro, davon ein eigenes Maritim-Topic von 200 Millionen Euro; 61 Gebote aus 11 Ländern, rund vierfach überzeichnet; Ergebnisse am 20. Mai 2025: 15 Projekte, 992 Millionen Euro, Gebote 0,20 bis 0,60 Euro je Kilogramm allgemein und 0,45 bis 1,88 Euro je Kilogramm maritim; Deckel auf 3,5 Euro je Kilogramm gesenkt, Inbetriebnahme auf 3 Jahre verschärft, Vervollständigungsgarantie auf 10 Prozent erhöht. Die dritte Auktion (IF25) lief vom 4. Dezember 2025 bis 19. Februar 2026 mit 1,3 Milliarden Euro in drei Topics (RFNBO 600, RFNBO und CO2-armer elektrolytischer Wasserstoff 400, Maritim und Luftfahrt 300 Millionen Euro) und öffnete erstmals für CO2-armen elektrolytischen Wasserstoff (mindestens 70 Prozent Lebenszyklus-Minderung gegenüber fossil, ausdrücklich nicht blauer Reformer-Wasserstoff), geteilt mit RFNBO im 400-Millionen-Euro-Topic 2; Ergebnisse am 7. Mai 2026: 9 Projekte aus 7 Ländern, 1,09 Milliarden Euro, rund 1,1 GW, Gebote 0,44 bis 3,49 Euro je Kilogramm, CO2-arme Gewinner Cloudberry (Finnland, 0,44 Euro je Kilogramm) und Lotse (Deutschland), Topic 2 mit nur 5 Geboten deutlich schwächer nachgefragt. Über Auctions-as-a-Service sattelten Mitgliedstaaten nationale Mittel auf; in IF25 stieg das Gesamtvolumen inklusive Top-ups auf rund 3 Milliarden Euro. Die RFNBO-Zertifizierung ist Vorbedingung jeder Anrechnung, und die EU Hydrogen Bank (EU-weit, Festprämie, heimische Produktion) ist von H2Global (deutsch, Doppelauktion, Import) zu unterscheiden.
EU Hydrogen Bank: die Festprämien-Auktion für heimische Wasserstoffproduktion
Die EU Hydrogen Bank, die Europäische Wasserstoffbank, ist trotz ihres Namens keine Bank im klassischen Sinn, sondern das zentrale EU-Instrument für die Produktionsförderung von heimischem Wasserstoff. Sie ist als wettbewerbliche Auktion aufgesetzt und wird von der Exekutivagentur CINEA aus dem Innovationsfonds finanziert, der wiederum aus den Erlösen des EU-Emissionshandels (EU-ETS) gespeist wird. Damit fließt Geld aus der Bepreisung fossiler Emissionen direkt in den Hochlauf der sauberen Wasserstoffproduktion innerhalb der EU und des EWR.
Der entscheidende Unterschied zu klassischen Förderprogrammen liegt in der Form des Zuschlags. Die EU Hydrogen Bank zahlt keinen Investitionszuschuss auf die Anlage, sondern eine Festprämie je Kilogramm produzierten Wasserstoffs. Erzeuger bieten den Aufschlag je Kilogramm, den sie zusätzlich zum Marktpreis brauchen, um wirtschaftlich zu produzieren; die günstigsten Gebote erhalten den Zuschlag, und die zugesagte Prämie wird bis zu 10 Jahre lang auf jedes nachweislich erzeugte und zertifizierte Kilogramm gezahlt. Das koppelt die Förderung an die tatsächliche Produktion und nicht an die bloße Errichtung einer Anlage.
Adressaten sind Wasserstofferzeuger, Projektentwickler, Industrie und Versorger in der gesamten EU und im EWR. Für sie ist das Instrument direkt entscheidungsrelevant: Sie müssen wissen, in welcher Runde und in welchem Topic sie antreten, wie hoch sie bieten, welche Inbetriebnahme- und Vervollständigungsfristen gelten und ob ihr Mitgliedstaat über den Auctions-as-a-Service-Mechanismus nationale Mittel auf die EU-Auktion aufsattelt. Mit jeder Runde hat die EU das Instrument geschärft: von der Pilotauktion über die zweite Auktion IF24 mit Maritim-Topic bis zur dritten Auktion IF25, die erstmals auch für CO2-armen elektrolytischen Wasserstoff geöffnet wurde.
Wichtig ist die saubere Abgrenzung von einem zweiten, oft verwechselten Instrument. Die EU Hydrogen Bank ist EU-weit, zahlt eine einseitige Festprämie und zielt auf die heimische Produktion innerhalb der EU. H2Global ist dagegen ein deutsches, inzwischen deutsch-niederländisches Importinstrument mit einer Doppelauktion, das über die Mittlergesellschaft HINT.CO die Preisdifferenz beim Import aus Drittstaaten überbrückt. Beide Instrumente verfolgen denselben Markthochlauf, setzen aber an unterschiedlichen Punkten an: hier die heimische Produktion, dort der Import. Dieser Artikel ordnet ausschließlich die EU Hydrogen Bank ein und kontrastiert sie nur an dieser einen Stelle.
Das Festprämien-Modell: bieten, ranken, zuschlagen, zehn Jahre auszahlen
Der Kern der EU Hydrogen Bank ist ein pay-as-bid-Verfahren, das einfach und wirkungsvoll zugleich ist. Jeder Erzeuger bietet einen Preis je Kilogramm, den er zusätzlich zum Marktpreis braucht, um seine Produktion zu finanzieren. Dieses Gebot ist nach oben durch einen Höchstpreis gedeckelt: im Pilot lag dieser Deckel bei 4,5 Euro je Kilogramm, ab der zweiten Auktion IF24 bei 3,5 Euro je Kilogramm. Wer unter diesem Deckel bietet, signalisiert, mit welchem Aufschlag er auskommt.
Anschließend reiht die Kommission alle Gebote vom günstigsten zum teuersten. Der Zuschlag geht an die billigsten Gebote, und zwar so lange, bis das Budget des jeweiligen Topics ausgeschöpft ist. Das ist der zentrale Hebel für die Effizienz der öffentlichen Mittel: Es gewinnen die Projekte, die mit dem geringsten Aufschlag auskommen, sodass das Budget möglichst viel Produktion fördert. Wer zu hoch bietet, fällt aus der Reihung heraus, auch wenn er technisch qualifiziert ist.
Die Gewinner erhalten genau die von ihnen gebotene Festprämie, ohne Indexierung, bis zu 10 Jahre lang auf jedes verifizierte und zertifizierte Kilogramm. Damit trägt der Erzeuger das Mengenrisiko: Gefördert wird nur, was tatsächlich produziert und zertifiziert wird. Genau hier setzt die Verbindung zur RFNBO-Zertifizierung an, die Vorbedingung jeder Anrechnung ist: Ohne den Nachweis, dass jedes Kilogramm die Anforderungen erfüllt, fließt keine Prämie.
Strenge Auflagen sichern, dass die geförderten Projekte auch wirklich gebaut werden. Ab der zweiten Auktion IF24 müssen Bieter eine Vervollständigungsgarantie von 10 Prozent hinterlegen und die Anlage binnen 3 Jahren ab Zuschlag in Betrieb nehmen. Wer diese Fristen reißt, riskiert seinen Zuschlag und die hinterlegte Garantie. Das diszipliniert das Feld und sorgt dafür, dass die Festprämie nicht an Projekte fließt, die nie ans Netz gehen.
Die Pilotauktion als Referenz: 720 Millionen Euro, Gebote ab 0,37 Euro je Kilogramm
Die Pilotauktion (IF23) lieferte das erste belastbare Preissignal für erneuerbaren Wasserstoff in der EU. Sie wurde im November 2023 eröffnet und am 30. April 2024 entschieden. Sieben Projekte erhielten zusammen rund 720 Millionen Euro Festprämie. Das Bemerkenswerte ist die Höhe der Gebote: Sie lagen zwischen 0,37 und 0,48 Euro je Kilogramm und damit weit unter dem damaligen Deckel von 4,5 Euro je Kilogramm. Erneuerbarer Wasserstoff kann also mit deutlich weniger Förderung auskommen, als der Höchstpreis vermuten ließ.
Die geförderten Projekte verteilen sich auf vier Länder: drei in Spanien, zwei in Portugal, eines in Norwegen und eines in Finnland. Zusammen wollen sie über die Förderdauer von 10 Jahren rund 1,58 Millionen Tonnen erneuerbaren Wasserstoff erzeugen. Damit zeigte der Pilot, dass die südeuropäischen Standorte mit viel Sonne und die nordeuropäischen Standorte mit viel Wind die ersten wettbewerbsfähigen Gebote stellen, weil dort günstiger Strom die Erzeugungskosten drückt.
Der Pilot war zugleich die Geburtsstunde des Auctions-as-a-Service-Mechanismus. Deutschland war der erste Mitgliedstaat, der diesen Hebel nutzte, und legte 350 Millionen Euro nationale Mittel auf die EU-Auktion obendrauf. Damit konnten zusätzliche qualifizierte deutsche Projekte gefördert werden, die im engen EU-Budget keinen Zuschlag erhalten hätten. Dieser Mechanismus wurde in den Folgerunden zum festen Bestandteil und vervielfacht inzwischen das gesamte Fördervolumen je Runde.
Die zweite Auktion IF24: 1,2 Milliarden Euro und das eigene Maritim-Topic
Die zweite Auktion (IF24) skalierte das Instrument deutlich. Sie lief vom 3. Dezember 2024 bis zum 20. Februar 2025 mit einem Budget von 1,2 Milliarden Euro aus dem Innovationsfonds. Neu war ein eigenes Maritim-Topic von 200 Millionen Euro, das gezielt den schwer zu elektrifizierenden Schiffsverkehr adressiert. Damit reagierte die Kommission darauf, dass die maritime Anwendung andere Kostenstrukturen und Zahlungsbereitschaften hat als die allgemeine Industrie und sich in einem gemeinsamen Topf nicht durchsetzen würde.
Die Nachfrage war hoch. Es gingen 61 Gebote aus 11 Ländern ein, mit einem nachgefragten Volumen von rund 4,8 Milliarden Euro war die Runde damit etwa vierfach überzeichnet. Das zeigt, dass weit mehr förderwürdige Projekte bereitstehen, als das EU-Budget tragen kann, und unterstreicht die Bedeutung des nationalen Top-ups über Auctions-as-a-Service. Für IF24 sattelten Spanien, Litauen mit 36 Millionen Euro und Österreich mit rund 400 Millionen Euro nationale Mittel auf.
Die Ergebnisse wurden am 20. Mai 2025 veröffentlicht: 15 Projekte erhielten zusammen 992 Millionen Euro. Die Gebote lagen im allgemeinen Topic bei 0,20 bis 0,60 Euro je Kilogramm, noch einmal niedriger als im Pilot, und im Maritim-Topic erwartungsgemäß höher bei 0,45 bis 1,88 Euro je Kilogramm. Die maritime Anwendung braucht also spürbar mehr Förderung je Kilogramm, was das separate Topic im Nachhinein rechtfertigt: In einem gemeinsamen Topf hätten diese Gebote gegen die günstigen allgemeinen Gebote keine Chance gehabt.
Mit IF24 verschärfte die Kommission zugleich die Auflagen. Der Deckelpreis sank von 4,5 auf 3,5 Euro je Kilogramm, die Inbetriebnahmefrist von 5 auf 3 Jahre, und die Vervollständigungsgarantie stieg von 4 auf 10 Prozent. Das ist ein klares Signal: Die EU traut dem Markt niedrigere Preise und eine schnellere Umsetzung zu und filtert über die höhere Garantie unentschlossene Bieter heraus. Wer in IF24 und den Folgerunden gewinnt, muss schneller liefern und mehr Eigenmittel binden als im Pilot.
Die dritte Auktion IF25: 1,3 Milliarden Euro und erstmals CO2-armer Wasserstoff
Die dritte Auktion (IF25) lief vom 4. Dezember 2025 bis zum 19. Februar 2026 mit einem Budget von 1,3 Milliarden Euro aus EU-ETS-Erlösen. Wichtig zur Einordnung: Das in vielen Vorberichten genannte Budget von 1,1 Milliarden Euro war eine frühe Planungsgröße, die tatsächlich gestartete Runde hatte 1,3 Milliarden Euro. Verteilt wurde das Budget auf drei Topics: Topic 1 für RFNBO mit 600 Millionen Euro, Topic 2 für RFNBO und CO2-armen elektrolytischen Wasserstoff mit 400 Millionen Euro sowie Topic 3 für Maritim und Luftfahrt mit 300 Millionen Euro.
Das eigentlich Neue an IF25 steckt in Topic 2: Erstmals öffnet die EU Hydrogen Bank neben dem erneuerbaren RFNBO auch für CO2-armen Wasserstoff. Zwei Präzisierungen sind hier entscheidend. Erstens ist ausdrücklich CO2-armer elektrolytischer Wasserstoff gemeint, also Wasserstoff aus Elektrolyse mit kohlenstoffarmem Strom, nicht blauer Reformer-Wasserstoff aus Erdgas mit CO2-Abscheidung. Zweitens hat diese CO2-arme Linie kein eigenes Vollbudget, sondern teilt sich das 400-Millionen-Euro-Topic 2 mit RFNBO. Der CO2-arme elektrolytische Wasserstoff muss eine Lebenszyklus-Minderung von mindestens 70 Prozent gegenüber dem fossilen Vergleichswert nachweisen.
Die Ergebnisse wurden am 7. Mai 2026 veröffentlicht: 9 Projekte aus 7 Ländern erhielten zusammen 1,09 Milliarden Euro für rund 1,1 GW Elektrolyse und über 1,3 Millionen Tonnen Wasserstoff in den ersten 10 Jahren. Die Gebote spannten von 0,44 bis 3,49 Euro je Kilogramm. Im CO2-armen Topic 2 setzten sich zwei Projekte durch: Cloudberry aus Finnland mit 500 MW und 0,44 Euro je Kilogramm, dem niedrigsten Gebot der gesamten Runde, sowie Lotse aus Deutschland mit 120 MW und rund 1,10 Euro je Kilogramm.
Bemerkenswert ist die unterschiedliche Nachfrage in den Topics. Das CO2-arme Topic 2 war mit nur 5 Geboten über rund 800 Millionen Euro deutlich schwächer nachgefragt als das RFNBO-Topic 1 mit 50 Geboten über 7,3 Milliarden Euro. Die CO2-arme elektrolytische Linie ist also vorerst ein Nischensegment, das erst anläuft, während der erneuerbare RFNBO der klare Schwerpunkt bleibt. Für Erzeuger heißt das: Wer elektrolytisch produziert und die 70-Prozent-Schwelle erfüllt, traf in Topic 2 auf vergleichsweise wenig Konkurrenz, ein Aspekt, der die Zuschlagchance in dieser frühen Phase erhöht.
Was Erzeuger und Projektentwickler jetzt tun
Die EU Hydrogen Bank ist etabliert, der Auctions-as-a-Service-Hebel verdoppelt teils das Volumen, und die nächste Runde kommt. Wer bieten will, sollte Topic, Gebotshöhe und Fristen jetzt planen, statt auf die nächste Ausschreibung zu warten. Der erste Schritt ist die Wahl des passenden Topics: erneuerbarer RFNBO im allgemeinen Topic oder, falls die Anlage elektrolytisch produziert und die 70-Prozent-Schwelle erfüllt, das CO2-arme Topic, das bisher deutlich schwächer nachgefragt war. Die Gebotshöhe sollte gegen die bisherigen Strikepreise kalibriert werden, im allgemeinen Topic also gegen die niedrigen 0,20 bis 0,60 Euro je Kilogramm aus IF24.
Der zweite Schritt ist der nationale Auctions-as-a-Service-Hebel. Wer in einem Mitgliedstaat sitzt, der aufsattelt, gibt ein einziges Gebot ab und hat zwei mögliche Förderquellen: den EU-Innovationsfonds und den nationalen Top-up. Das erhöht die Zuschlagchance erheblich, gerade weil die EU-Budgets vierfach überzeichnet sind. In IF25 sattelten Deutschland mit rund 1,3 Milliarden Euro und Spanien mit rund 415 Millionen Euro auf, sodass das Gesamtvolumen der Runde inklusive nationaler Mittel auf rund 3 Milliarden Euro stieg. Wer in einem dieser Länder ein Projekt entwickelt, sollte den nationalen Top-up früh in die Förderstrategie einplanen.
Der dritte Schritt ist die Umsetzungsdisziplin. Ein Zuschlag verpflichtet zu einer Vervollständigungsgarantie von 10 Prozent und zur Inbetriebnahme binnen 3 Jahren. Wer diese Fristen erst spät adressiert, riskiert seinen Zuschlag und die hinterlegte Garantie. Sinnvoll ist daher, Genehmigung, Finanzierung und Lieferkette parallel zur Gebotsvorbereitung aufzusetzen. Voraussetzung jeder späteren Prämienzahlung bleibt die RFNBO-Zertifizierung, denn gefördert wird nur, was zertifiziert produziert wird; der spätere Wert im Abnahmemarkt entscheidet sich zusätzlich über die THG-Quote und die RFNBO-Unterquote.
Schließlich gilt es, die beiden großen Förderinstrumente sauber auseinanderzuhalten. Die EU Hydrogen Bank ist EU-weit, zahlt eine Festprämie und fördert die heimische EU-Produktion. H2Global ist ein deutsch-niederländisches Importinstrument mit Doppelauktion für Mengen aus Drittstaaten. Beide ergänzen sich, sind aber unterschiedliche Werkzeuge. Wer ein Projekt baut, ordnet das alles in den größeren Rahmen ein, von der heimischen Produktionsförderung bis zur Kapazitätsbuchung im H2-Kernnetz, über die der erzeugte Wasserstoff später zu den Abnehmern kommt.
Weiterführende Informationen
Häufig gestellte Fragen
Die EU Hydrogen Bank (Europäische Wasserstoffbank) ist das zentrale EU-Instrument für die Produktionsförderung von heimischem Wasserstoff. Sie ist keine Bank im klassischen Sinn, sondern eine wettbewerbliche Auktion, die von der Exekutivagentur CINEA aus dem Innovationsfonds finanziert wird, der wiederum aus den Erlösen des EU-Emissionshandels (EU-ETS) gespeist wird. Anders als ein Investitionszuschuss vergibt die EU Hydrogen Bank ihre Förderung als Festprämie je Kilogramm: Erzeuger bieten den Aufschlag je Kilogramm, den sie zusätzlich zum Marktpreis brauchen, die günstigsten Gebote erhalten den Zuschlag, und die Prämie wird bis zu 10 Jahre auf jedes nachweislich erzeugte und zertifizierte Kilogramm gezahlt. Adressaten sind Wasserstofferzeuger, Projektentwickler, Industrie und Versorger in der gesamten EU und im EWR.
Die EU Hydrogen Bank arbeitet nach dem pay-as-bid-Verfahren. Jeder Erzeuger bietet den Preis je Kilogramm, den er zusätzlich zum Marktpreis braucht, begrenzt durch einen Höchstpreis (Deckel: im Pilot 4,5 Euro je Kilogramm, ab IF24 3,5 Euro je Kilogramm). Die Kommission reiht alle Gebote vom günstigsten zum teuersten und vergibt das Budget des jeweiligen Topics an die billigsten Gebote, bis es ausgeschöpft ist. Die Gewinner erhalten genau die von ihnen gebotene Festprämie, ohne Indexierung, bis zu 10 Jahre lang auf jedes verifizierte und zertifizierte Kilogramm. Strenge Auflagen sichern die Umsetzung: ab IF24 eine Vervollständigungsgarantie von 10 Prozent und die Inbetriebnahme binnen 3 Jahren ab Zuschlag.
Die zweite Auktion (IF24) lief vom 3. Dezember 2024 bis 20. Februar 2025 mit einem Budget von 1,2 Milliarden Euro aus dem Innovationsfonds, davon erstmals ein eigenes Maritim-Topic von 200 Millionen Euro für den schwer zu elektrifizierenden Schiffsverkehr. Es gingen 61 Gebote aus 11 Ländern ein, mit rund 4,8 Milliarden Euro nachgefragtem Volumen war die Runde etwa vierfach überzeichnet. Die Ergebnisse vom 20. Mai 2025 vergaben 992 Millionen Euro an 15 Projekte, die Gebote lagen im allgemeinen Topic bei 0,20 bis 0,60 Euro je Kilogramm und im Maritim-Topic bei 0,45 bis 1,88 Euro je Kilogramm. Gleichzeitig verschärfte die Kommission die Auflagen: der Deckelpreis sank von 4,5 auf 3,5 Euro je Kilogramm, die Inbetriebnahmefrist von 5 auf 3 Jahre, und die Vervollständigungsgarantie stieg von 4 auf 10 Prozent.
Die dritte Auktion (IF25) lief vom 4. Dezember 2025 bis 19. Februar 2026 mit 1,3 Milliarden Euro, aufgeteilt auf drei Topics: RFNBO 600 Millionen Euro, RFNBO und CO2-armer elektrolytischer Wasserstoff 400 Millionen Euro sowie Maritim und Luftfahrt 300 Millionen Euro. Neu und zentral: Erstmals öffnet die EU für CO2-armen elektrolytischen Wasserstoff, der eine Lebenszyklus-Minderung von mindestens 70 Prozent gegenüber dem fossilen Vergleichswert nachweisen muss. Wichtig zur Abgrenzung: Gemeint ist ausdrücklich CO2-armer elektrolytischer Wasserstoff, nicht blauer Reformer-Wasserstoff aus Erdgas mit CCS, und die CO2-arme Linie hat kein eigenes Vollbudget, sondern teilt sich das 400-Millionen-Euro-Topic 2 mit RFNBO. Die Ergebnisse vom 7. Mai 2026 vergaben 1,09 Milliarden Euro an 9 Projekte aus 7 Ländern, rund 1,1 GW Elektrolyse, Gebote 0,44 bis 3,49 Euro je Kilogramm; im CO2-armen Topic 2 setzten sich Cloudberry (Finnland, 0,44 Euro je Kilogramm) und Lotse (Deutschland) durch.
Auctions-as-a-Service ist ein Mechanismus, über den Mitgliedstaaten die EU-Auktionsplattform der EU Hydrogen Bank für eigene nationale Fördermittel nutzen. Projekte, die zwar qualifiziert sind, aber wegen des begrenzten EU-Budgets keinen Innovationsfonds-Zuschlag bekommen, können mit einem einzigen Gebot und einem vereinfachten Verfahren stattdessen nationale Mittel erhalten. Für Bieter bedeutet das: ein Gebot, zwei mögliche Förderquellen, eine deutlich höhere Zuschlagchance. Deutschland war Pionier und legte im Pilot 350 Millionen Euro obendrauf. In der zweiten Auktion (IF24) beteiligten sich Spanien, Litauen (36 Millionen Euro) und Österreich (rund 400 Millionen Euro), in der dritten Auktion (IF25) erneut Deutschland (rund 1,3 Milliarden Euro) und Spanien (rund 415 Millionen Euro), womit das Gesamtvolumen von IF25 inklusive nationaler Top-ups auf rund 3 Milliarden Euro stieg.