eRoaming: Hubject wechselt auf OCPI und beendet die Protokollfragmentierung
Zwei Protokolle, jahrelang parallel: OICP von Hubject und das offene OCPI. Wer beide Welten erreichen wollte, integrierte doppelt. Das ist vorbei. Seit September 2025 unterstützt Hubject OCPI nativ, und die großen Roaming-Hubs sprechen endlich dieselbe Sprache. Dieser Artikel zeigt, was Roaming leistet, warum es zwei Welten gab, was OCPI heute kann, wie die AFIR-Fristen 2026 dazu passen und was Betreiber und Ladedienste jetzt tun sollten.
Im Laderoaming endet eine lange Fragmentierung. Hubject, der größte deutsche Roaming-Hub, gibt sein Protokoll OICP nicht auf. Aber er stellt ihm nativ das offene Open Charge Point Interface zur Seite. Der Hub trat am 3. September 2025 als Full Contributor der EVRoaming Foundation bei. Er verbindet nach eigenen Angaben über 1 Million öffentliche Ladepunkte und mehr als 2.750 Partner in über 70 Ländern. Zum ersten Mal sprechen alle großen Roaming-Hubs OCPI. Für Ladepunktbetreiber (CPO) und Mobilitätsdienstleister (eMSP) heißt das: keine Wahl mehr zwischen zwei Protokollwelten, kein teurer Parallelbetrieb. OCPI liegt aktuell in Version 2.3.0 vor, mit Feldern für die AFIR-Konformität. Die verbreitete Produktionsbasis ist noch 2.2.1. Der Zeitpunkt passt, denn 2026 wird AFIR ernst: neue technische Vorgaben ab 8. Januar, DATEX-II-Datenmeldung ab 14. April. Ein Standard löst trotzdem nicht jedes Problem. Datenqualität bleibt Sache der Betreiber. Und die Partner-Validierung kann Monate dauern. Für Unternehmen bleibt die Aufgabe überschaubar: Roaming-Strategie an OCPI ausrichten, die Fristen als festen Rahmen einplanen.
Ein Standard für das Laderoaming
Der größte deutsche Roaming-Hub Hubject hat sich vom Alleingang gelöst. Seit September 2025 spricht er nativ OCPI, das offene Open Charge Point Interface. Zum ersten Mal reden damit alle großen Roaming-Hubs dieselbe Sprache. Das ist mehr als ein technisches Detail.
Der Beitritt zur EVRoaming Foundation datiert auf den 3. September 2025, als Full Contributor. Hubject bietet OCPI nicht statt, sondern neben dem bisherigen OICP an. Ein Dual-Stack mit automatischer Protokollbrücke. CEO Christian Hahn bringt den Grund auf einen Punkt: Offene Standards sind nur dann erfolgreich, wenn sie in großem Maßstab zugänglich sind. Diesen Maßstab hat der Hub.
Über 1 Million öffentliche Ladepunkte. Mehr als 2.750 Partner, über 70 Länder. Wenn ein Netz dieser Größe auf einen offenen Standard umschwenkt, verschiebt sich der Markt. Die jahrelange Entscheidung zwischen zwei Protokollwelten fällt weg.
Warum es bisher zwei Welten gab
Roaming heißt: Ein Fahrer lädt an einer Säule, deren Betreiber nicht sein Vertragspartner ist, und wird trotzdem korrekt abgerechnet. Zwei Rollen tauschen dafür laufend Daten aus. Der Ladepunktbetreiber, kurz CPO, betreibt die Säule. Der Mobilitätsdienstleister, der eMSP, stellt dem Fahrer Vertrag und App. Klingt simpel. War es lange nicht.
Zwischen CPO und eMSP standen lange zwei konkurrierende Protokolle. OICP war an Hubject gebunden, hub-zentriert. OCPI kommt aus der offenen Community und erlaubt auch direkte Verbindungen von Partner zu Partner. Wer beide Hubs erreichen wollte, brauchte zwei Integrationen. Das kostet Zeit und Geld. Und es erzeugt Fehler genau an der Schnittstelle, an der es der Fahrer zuletzt merkt.
Die Sicherheitsanforderungen an genau diese Kette hat das BSI in seinen Vorgaben zur IT-Sicherheit der Ladeinfrastruktur beschrieben. Roaming ist der Teil, der die Netze überhaupt erst verbindet. Ein gemeinsames Protokoll macht diese Verbindung einfacher und prüfbarer.
Was OCPI heute kann
OCPI deckt die ganze Roaming-Kette ab. Standorte, Tarife, Sitzungen, Abrechnungsdatensätze, Token, Fernbefehle. Aktuell ist Version 2.3.0. Produktiv läuft bei vielen Hubs aber noch 2.2.1. Der Unterschied ist keine Kosmetik. Es ist eine Frage der Regulierung.
| OCPI-Version | Jahr | Was sie bringt |
|---|---|---|
| 2.2.1 | 2021 | Verbreitete Produktionsbasis, Eichrecht-Unterstützung, Hub-Anbindung, mehr Rollenflexibilität. Die Version, auf der die meisten Verbindungen heute laufen. |
| 2.3.0 | 2024 | Felder für die AFIR-Konformität, Schwerlast- und Freight-Laden, feinere Preiskomponenten, Haken für Plug and Charge. Zielt direkt auf die EU-Regulierung. |
| 3.0 | in Arbeit | Unterstützung für ISO 15118 und Plug and Charge, das Laden ohne Karte und App. Das Fahrzeug authentifiziert sich über das Kabel. |
Wichtig ist die Abgrenzung zu OCPP, das oft im selben Atemzug fällt. OCPP verbindet die Ladesäule mit ihrem Backend, OCPI verbindet Backends untereinander. Das eine steuert die Hardware, das andere das Roaming. Die nächste Ausbaustufe, das Laden per ISO 15118 und Plug and Charge, greift genau dort an, wo OCPI 3.0 hinzielt.
Deutsche und EU-Perspektive: AFIR 2026
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Die Konsolidierung fällt mit dem Wirksamwerden der AFIR-Verordnung zusammen, dem EU-Rechtsrahmen für die Ladeinfrastruktur. Zwei Stichtage zählen. Ab 8. Januar 2026 gelten neue technische Vorgaben für öffentliche Ladepunkte. Ab 14. April 2026 müssen die nach AFIR Artikel 20 gemeldeten Daten im DATEX-II-Format vorliegen.
OCPI ist die Schicht, über die CPO, eMSP und Roaming-Plattformen Standort-, Tarif- und Verfügbarkeitsdaten austauschen. Die staatliche Datenmeldung nach AFIR läuft am Ende über DATEX II, doch die Daten stammen aus derselben Kette. Wie die DATEX-II-Datenpflicht für Ladeinfrastruktur konkret funktioniert, ist ein eigenes Thema. Ein einheitliches Roaming-Protokoll senkt die Hürde, beide Pflichten sauber zu erfüllen.
Dazu kommt eine Marktregel mit Zähnen. Betreiber dürfen Ladedienste bei der Preisgestaltung nicht diskriminieren, weder gegenüber Endkunden noch untereinander. Ein offener Standard macht diese Nichtdiskriminierung nachprüfbar, weil alle über dieselbe Schnittstelle anfragen. In Deutschland treibt zusätzlich die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur die Standardisierung voran.
Herausforderungen und Risiken
Ein gemeinsamer Standard löst nicht jedes Problem. Er ist ein Rahmen, kein Garant. OCPI legt fest, wie Daten aussehen. Nicht, ob sie stimmen. Falsche Tarife und veraltete Verfügbarkeiten bleiben möglich, und der Fahrer merkt sie an der Säule, nicht im Protokoll.
Der Standard vereinheitlicht das Format. Ob Tarif und Standort korrekt gepflegt sind, entscheidet weiter der Betreiber. Genau hier liegt der häufigste Frust der Fahrer.
Der eigentliche Engpass ist selten das Protokoll. Die Partner-Validierung, bis eine neue Verbindung produktiv geht, kann laut Praxisberichten bis zu sechs Monate binden.
Hubject bleibt ein kommerzieller Hub mit SLAs, Abrechnung und Zertifikatsverwaltung. Der offene Standard senkt die Integrationskosten, nicht die Hub-Gebühr.
Dazu die Übergangszeit. Verschiedene Protokollversionen laufen weiter parallel im Feld, 2.2.1 neben 2.3.0, OICP neben OCPI. Der Dual-Stack von Hubject ist genau dafür da. Er verlangt aber weiter Brücken und Tests. Ein Standard auf dem Papier ist eben noch kein einheitliches Feld.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
Der Kurs ist klar: Roaming-Strategie an OCPI ausrichten, die AFIR-Fristen 2026 als festen Rahmen einplanen. Wer heute rein auf OICP setzt, prüft den Migrationspfad, ohne Bestandsverbindungen zu brechen. Vier Schritte, grob in dieser Folge.
Der Fahrplan für die OCPI-Migration
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OCPI-Version prüfen
Klären, welche OCPI-Version im eigenen Backend und beim Dienstleister läuft, 2.2.1 oder 2.3.0. Nur 2.3.0 trägt die AFIR-Felder. Die Version bestimmt, was ohne Umweg regelkonform gemeldet werden kann.
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Datenqualität bereinigen
Standort- und Tarifdaten vor der AFIR-Meldung sichten und korrigieren. Der Standard transportiert auch falsche Daten zuverlässig. Sauberkeit an der Quelle ist billiger als eine Korrektur über die ganze Roaming-Kette.
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Migrationsplan abstimmen
Den Weg von OICP zu OCPI mit dem Hub verabreden und den Dual-Stack als Übergang nutzen. Bestandsverbindungen bleiben, neue laufen über den offenen Standard. Kein harter Schnitt, sondern ein Umstieg mit Netz.
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Validierung früh starten
Die Partner-Validierung anstoßen, lange bevor die Frist drückt. Wenn ein Onboarding Monate dauern kann, ist der späte Start das eigentliche Risiko, nicht die Technik.
Die eRoaming-Konsolidierung ist kein Selbstläufer, aber ein klarer Rückenwind. Ein Standard senkt die Integrationskosten und macht die AFIR-Pflichten leichter erfüllbar. Der Rest, Datenqualität und rechtzeitige Validierung, bleibt Hausaufgabe. Wie die nächste Ladegeneration mit bidirektionalem Laden und V2G darauf aufsetzt, zeigt der eigene Beitrag dazu.
Weiterführende Informationen
Häufig gestellte Fragen
eRoaming beschreibt, dass ein Fahrer an einer Ladesäule laden und korrekt abrechnen kann, deren Betreiber nicht sein Vertragspartner ist. Dafür tauschen der Ladepunktbetreiber (CPO) und der Mobilitätsdienstleister (eMSP) Standortdaten, Tarife, Verfügbarkeiten, Autorisierungen und Abrechnungen aus. Roaming-Hubs oder direkte Verbindungen übernehmen diesen Austausch über ein gemeinsames Protokoll.
OCPI, das Open Charge Point Interface, ist ein offener Standard der EVRoaming Foundation für den Datenaustausch zwischen CPO und eMSP. OICP ist das ältere, an Hubject gebundene Protokoll. Lange liefen beide parallel, wer beide Welten erreichen wollte, brauchte zwei Integrationen. Seit Hubject nativ OCPI unterstützt, sprechen die großen Roaming-Hubs denselben offenen Standard.
Hubject trat am 3. September 2025 als Full Contributor der EVRoaming Foundation bei und unterstützt OCPI nativ neben dem eigenen OICP. Der Hub verbindet nach eigenen Angaben über 1 Million öffentliche Ladepunkte und mehr als 2.750 Partner in über 70 Ländern. Mit dem offenen Standard fällt für Partner die Pflicht weg, sich für eine Protokollwelt zu entscheiden oder beide teuer zu betreiben.
Die aktuelle Version ist OCPI 2.3.0 aus dem Jahr 2024. Sie ergänzt Felder für die AFIR-Konformität, Schwerlast-Laden und feinere Preiskomponenten. Die verbreitete Produktionsbasis vieler Hubs ist noch 2.2.1 aus 2021 mit Eichrecht-Unterstützung. Version 3.0 ist in Arbeit und zielt auf ISO 15118 und Plug and Charge, das Laden ohne Karte und App.
Ab 8. Januar 2026 gelten neue AFIR-Vorgaben für öffentliche Ladepunkte, ab 14. April 2026 müssen die nach AFIR Artikel 20 gemeldeten Daten im DATEX-II-Format vorliegen. OCPI ist die Schicht, über die Betreiber, Ladedienste und Roaming-Plattformen diese Standort-, Tarif- und Verfügbarkeitsdaten austauschen. Ein einheitliches Roaming-Protokoll senkt die Hürde, diese Datenpflichten zu erfüllen.