Der EU-Fahrplan für Digitalisierung und KI im Energiesektor
Dieser Artikel ordnet den Fahrplan im Detail ein: was die EU am 3. Juni 2026 beschlossen hat, auf welchen drei Säulen er ruht, was AI.grids und die Fördermittel umfassen, wie sich die EU-Ambition zur deutschen Smart-Meter-Realität und zum Rechtsrahmen verhält, wie BDEW und VKU den Fahrplan einordnen, was er konkret für deutsche Stadtwerke bedeutet, vertieft am Beispiel der Stadtwerke Flensburg, welche Herausforderungen bleiben und was Unternehmen jetzt tun sollten. Der EU AI Act und das deutsche Messstellenrecht sind eigene Themen und werden hier nur als Bezug gestreift.
Die Europäische Kommission hat am 3. Juni 2026 den Strategischen Fahrplan für Digitalisierung und Künstliche Intelligenz im Energiesektor (COM(2026) 501) vorgelegt, als Teil des Europäischen Pakets für technologische Souveränität neben dem Chips Act 2.0, dem Cloud and AI Development Act und einer Open-Source-Strategie. Der Fahrplan ruht auf drei Säulen: Säule 1 "Energie für KI" integriert Rechenzentren über dreiseitige Vereinbarungen nachhaltig ins Energiesystem, Säule 2 "Digitalisierung und KI für das Energiesystem" beschleunigt digitale und KI-Lösungen inklusive Smart-Meter-Ausbau, Säule 3 "Daten für KI und das Energiesystem" schafft mit dem Europäischen Energiedatenraum einen Rahmen für grenzüberschreitenden Datenaustausch. Ein Querschnittsblock aus Vertrauen in KI, Cybersicherheit, digitalen Kompetenzen und internationaler Zusammenarbeit trägt alle drei Säulen, zehn Aktionen konkretisieren sie. Die Leitinitiative AI.grids baut ein erstes europäisches KI-Grundmodell für den Netzbetrieb auf, getragen von einem Konsortium aus 48 Partnern unter Koordination von CRESYM; 14 Branchenverbände unterzeichneten dazu eine Absichtserklärung. Die Kommission beziffert die mögliche Einsparung durch Nachfrageflexibilität auf mehr als 71 Milliarden Euro pro Jahr für Verbraucher und auf bis zu 94 Milliarden Euro jährlich bis 2035 durch KI-gestützte Betriebsoptimierung; aus dem Arbeitsprogramm 2026 bis 2027 von Horizon Europe fließen rund 100 Millionen Euro in Smart Grids, 75 Millionen Euro in KI-Energieanwendungen und 190 Millionen Euro in weitere digitale Lösungen. Der Zielkonflikt bleibt: KI soll das System effizienter machen, doch der Stromverbrauch der Rechenzentren steigt laut IEA von 415 Terawattstunden 2024 auf rund 945 Terawattstunden bis 2030. In Deutschland trifft die EU-Ambition auf einen langsamen Smart-Meter-Ausbau, der Ende 2025 erst 23,3 Prozent der Pflichteinbaufälle und 5,5 Prozent aller Messlokationen erreichte. Den größten Teil dieser Arbeit tragen die kommunalen Stadtwerke als grundzuständige Messstellenbetreiber, weshalb der Fahrplan vor allem sie betrifft, wie das Beispiel der Stadtwerke Flensburg zeigt. Für Unternehmen heißt das: Vorhaben den Säulen zuordnen, Förderfähigkeit prüfen, Datenqualität und Interoperabilität verbessern, KI-Anwendungsfälle mit klarem Nutzen priorisieren und Cybersicherheit sowie KI-Governance früh mitdenken.
Was die EU am 3. Juni 2026 beschlossen hat
Die Europäische Kommission hat am 3. Juni 2026 erstmals einen eigenen Fahrplan für Digitalisierung und Künstliche Intelligenz im Energiesektor vorgelegt. Das Dokument trägt die Nummer COM(2026) 501 und gehört zum Europäischen Paket für technologische Souveränität. Es ist kein Gesetz, sondern eine Richtungsentscheidung: Sie bündelt erstmals, wie KI und digitale Werkzeuge das europäische Energiesystem effizienter, sicherer und unabhängiger machen sollen, und sie unterlegt diesen Anspruch mit Fördermitteln, zehn konkreten Aktionen und angekündigten Rechtsakten.
Eingebettet ist der Fahrplan in eine größere Souveränitätsagenda. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begründet das Paket damit, dass Europa bei den Technologien, die Krankenhäuser, Energienetze und öffentliche Dienste absichern, nicht von anderen abhängig sein dürfe. Neben dem Fahrplan umfasst das Paket den Chips Act 2.0, den Cloud and AI Development Act (CADA, COM(2026) 502) und eine Open-Source-Strategie. Federführend für den Energieteil ist Energiekommissar Dan Jørgensen, der das Unterzeichnungsevent leitete. Dabei unterzeichneten 14 Branchenverbände aus Energie und Rechenzentren eine Absichtserklärung zur nachhaltigen Integration von Rechenzentren ins Energiesystem, sechs Unternehmen eine begleitende Unterstützungserklärung.
Digitalisierung und KI eröffnen neue Chancen, aber auch neue Herausforderungen. Wenn wir Europas digitale Souveränität sichern wollen, müssen wir seine Energie verantwortungsvoll nutzen. Wir brauchen ein europäisches Gleichgewicht.
Dan Jørgensen, EU-Kommissar für Energie und Wohnen, zur Vorlage des Fahrplans am 3. Juni 2026Inhaltlich verfolgt der Fahrplan zwei Ziele zugleich, die in Spannung stehen. Einerseits soll KI helfen, Stromnetze besser zu steuern, Gebäude effizienter zu betreiben und Flexibilität auf der Nachfrageseite zu heben. Andererseits treibt genau diese Digitalisierung, allen voran der Ausbau von Rechenzentren, den Energieverbrauch nach oben. Heute entfallen bereits rund 2,5 Prozent des EU-Stromverbrauchs auf Rechenzentren, Tendenz steigend. Der Fahrplan will beides in Einklang bringen, statt nur das eine zu fördern. Konkret angekündigt ist unter anderem ein Gesetzesvorschlag für 2026, der den Smart-Meter-Ausbau in der EU beschleunigen soll.
Der Fahrplan kommt nicht aus dem Nichts. Er schreibt eine Linie fort, die mit dem Aktionsplan zur Digitalisierung des Energiesystems von 2022 (COM(2022) 552) begann und mit dem Aktionsplan für Stromnetze von 2023 (COM(2023) 757) fortgesetzt wurde. Letzterer bezifferte den Investitionsbedarf in die europäischen Netze bis 2030 auf rund 584 Milliarden Euro, der Großteil davon auf der Verteilnetzebene, also genau dort, wo Stadtwerke arbeiten. Die folgende Übersicht ordnet den Fahrplan in diese Kette ein.
Aktionsplan Digitalisierung des Energiesystems
Mit COM(2022) 552 legt die Kommission 24 Maßnahmen vor, darunter den Aufbau eines gemeinsamen europäischen Energiedatenraums.
Aktionsplan für Stromnetze
COM(2023) 757 benennt die Netze als fehlendes Glied der Energiewende und veranschlagt rund 584 Milliarden Euro Investitionsbedarf bis 2030.
Netzkodex Cybersicherheit Strom
Die Delegierte Verordnung (EU) 2024/1366 schafft die ersten sektorspezifischen EU-Cyberregeln für den grenzüberschreitenden Stromfluss.
Fahrplan Digitalisierung und KI im Energiesektor
COM(2026) 501 bündelt die Stränge erstmals in einer eigenen Strategie mit drei Säulen, der Leitinitiative AI.grids und einem Smart-Meter-Gesetzesvorschlag für 2026.
Für deutsche Unternehmen ist das mehr als Brüsseler Symbolpolitik. Der Fahrplan steckt den Rahmen ab, in dem sich Fördermittel, kommende Pflichten und KI-Anwendungen in den nächsten Jahren bewegen. Wer schon heute mit dem EU AI Act ringt, findet die regulatorische Einordnung in unserem Beitrag zur KI-Regulatorik für Energieversorger; der Fahrplan setzt den strategischen Überbau darüber.
Die drei Säulen des Fahrplans
Der Fahrplan ordnet seine Maßnahmen in drei Säulen, die ineinandergreifen: ohne Daten keine KI, ohne Netzdigitalisierung keine Flexibilität, ohne stabile Netze keine sichere Rechenzentrumsintegration. Für Unternehmen lohnt es sich, die eigenen Vorhaben einer dieser Säulen zuzuordnen, weil sich daran Förderfähigkeit und kommende Pflichten orientieren.
Die erste Säule trägt den Titel "Energie für KI". Sie betrifft die Rechenzentren, deren wachsender Strombedarf nicht gegen das Energiesystem laufen, sondern in dieses eingebettet werden soll, über dreiseitige Vereinbarungen zwischen Behörden, Rechenzentrumsbetreibern und Energieakteuren. Eine Mustervereinbarung will die Kommission in der zweiten Jahreshälfte 2026 veröffentlichen. Ziel sind nachhaltige und transparente Methoden der Standortwahl und des Netzanschlusses, damit der Zubau die Netze stärkt statt belastet. SolarPower Europe nennt dafür Kombinationen aus Solarstrom und Batteriespeichern als praktikablen Weg.
Die zweite Säule, "Digitalisierung und KI für das Energiesystem", beschleunigt digitale und KI-Lösungen. Dazu gehören der Smart-Meter-Ausbau, netzverstärkende Technologien und der Einsatz von KI für Netzplanung, Lastprognose und Lastmanagement. Hier setzt die Leitinitiative AI.grids an, die ein gemeinsames KI-Grundmodell für den Netzbetrieb entwickelt. In diese Säule fällt auch der für 2026 angekündigte Gesetzesvorschlag zum Smart-Meter-Ausbau.
Die dritte Säule, "Daten für KI und das Energiesystem", schafft den Rahmen für den Datenaustausch. Ihr konkretes Vehikel ist der Europäische Energiedatenraum (Common European Energy Data Space), bestehend aus einem Energy Data Hub und einem Energy Data Lab, den die Kommission bis zum ersten Quartal 2027 aufbauen will. So sollen Mess- und Netzdaten sicher und interoperabel über Grenzen hinweg geteilt werden. Über allen drei Säulen liegt ein gemeinsamer Block aus Vertrauen in KI, Cybersicherheit kritischer Infrastruktur, digitalen Kompetenzen und internationaler Zusammenarbeit. Insgesamt konkretisieren zehn Aktionen den Fahrplan.
| Säule | Kerninstrument der EU | Anknüpfungspunkt in Deutschland | Bedeutung für Versorger und Stadtwerke |
|---|---|---|---|
| 1 Energie für KI | Dreiseitige Vereinbarungen, Mustervertrag ab Mitte 2026 | Netzanschluss von Rechenzentren, Netzentgelte, Standortplanung | Anschlussbegehren steuern, Abwärme und Flexibilität nutzbar machen |
| 2 Digitalisierung und KI | Smart-Meter-Gesetzesvorschlag 2026, AI.grids, Horizon-Förderung | Messstellenbetriebsgesetz, GNDEW, §14a und §41a EnWG | Rollout beschleunigen, KI für Prognose und Netzplanung einführen |
| 3 Daten für KI | Europäischer Energiedatenraum bis Q1 2027 | Marktkommunikation, Redispatch 2.0, Data Act | Datenqualität und Interoperabilität von Mess- und Netzdaten sichern |
| Fundament | Vertrauen, Cybersicherheit, Kompetenzen, Zusammenarbeit | EU AI Act, Netzkodex Cybersicherheit (EU) 2024/1366 | KI-Governance und Cybersicherheit von Anfang an mitdenken |
AI.grids und die Fördermittel
AI.grids ist die sichtbarste Leitinitiative des Fahrplans. Sie wurde am 3. Juni 2026 mit einer Projektvereinbarung gestartet und baut ein erstes europäisches KI-Grundmodell für den Netzbetrieb auf, trainiert mit vielfältigen europäischen Netzdaten. Getragen wird die Initiative von einem Konsortium aus 48 Partnern unter Koordination der Forschungsorganisation CRESYM, darunter der Übertragungsnetzverband ENTSO-E, die EU DSO Entity, mehrere Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber, Forschungsinstitute und Unternehmen. Der Gedanke dahinter ist Bündelung: Statt dass jeder Netzbetreiber für sich Modelle entwickelt, ziehen Netzbetreiber, Forschung und Industrie gemeinsam an einem Strang.
Hinterlegt ist der Fahrplan mit konkreten Summen aus dem Arbeitsprogramm 2026 bis 2027 von Horizon Europe. Rund 100 Millionen Euro fließen in fortgeschrittene Smart-Grid-Lösungen, 75 Millionen Euro in KI-Energieanwendungen und 190 Millionen Euro in digitale Lösungen rund um Erneuerbare, intelligente Gebäude und Energieeffizienz, zusammen also rund 365 Millionen Euro. Für AI.grids selbst sind eigene Förderaufrufe von rund 30 Millionen Euro 2026 und 20 Millionen Euro 2027 vorgesehen. Das ist kein gigantischer Topf, aber ein klares Signal, in welche Richtung europäische Forschungs- und Innovationsförderung im Energiebereich gelenkt wird.
Den wirtschaftlichen Rahmen liefert die Kommission gleich mit. Sie beziffert die mögliche Einsparung durch Nachfrageflexibilität auf mehr als 71 Milliarden Euro pro Jahr für die Verbraucher, was rund einem Sechstel ihrer Stromkosten entspricht, und das Einsparpotenzial durch KI-gestützte Betriebs- und Wartungsoptimierung auf bis zu 94 Milliarden Euro jährlich bis 2035. Hinzu kommt ein breiterer Systemnutzen, den die Kommission auf über 300 Milliarden Euro veranschlagt. Diese Zahlen sind Potenzialschätzungen, keine Garantien, sie zeigen aber, welche Größenordnung die Kommission dem Thema beimisst.
Den Investitionsbedarf auf der Angebotsseite regelt nicht der Fahrplan selbst, sondern der begleitende Cloud and AI Development Act (CADA, COM(2026) 502). Er will die Rechenzentrumskapazität der EU in fünf bis sieben Jahren mindestens verdreifachen und nennt dafür einen Investitionsbedarf in der Größenordnung von 200 Milliarden Euro. Wer also über große Summen für europäische Cloud- und KI-Infrastruktur liest, sollte sie dem CADA zuordnen, nicht dem Energiefahrplan.
AI.grids ist die konkrete Andockstelle für Netzbetreiber. Wer Mess- und Netzdaten in guter Qualität vorhält und sich früh beteiligt, prägt das gemeinsame KI-Modell mit, statt es später nur zu übernehmen. Das gilt ausdrücklich auch für kommunale Verteilnetzbetreiber.
Deutschland: Smart-Meter-Realität und Rechtsrahmen
Für Deutschland trifft der Fahrplan auf eine ernüchternde Realität. Ausgerechnet der Smart-Meter-Ausbau, den die EU beschleunigen will, kommt hierzulande nur langsam voran. Damit ist Deutschland ein gutes Beispiel für die Lücke zwischen EU-Ambition und nationaler Umsetzung, die der Fahrplan schließen soll.
Die Vorgaben sind seit Jahren klar. Die EU-Elektrizitätsrichtlinie 2019/944 verlangt mindestens 80 Prozent Smart-Meter-Durchdringung bis 2024, sofern dies wirtschaftlich darstellbar ist. Rund die Hälfte der 27 Mitgliedstaaten hat den nationalen Rollout abgeschlossen, Vorreiter sind Italien, Finnland, Frankreich und die Niederlande. Deutschland gehört zu den Nachzüglern. Die oft zitierte Zahl von rund einem Prozent stammt allerdings aus einem EU-Vergleich der Jahre 2023 und 2024 und ist überholt: Laut Bundesnetzagentur waren zum 31. Dezember 2025 rund 3,1 Millionen intelligente Messsysteme installiert, das sind 5,5 Prozent aller 56,5 Millionen Messlokationen. Bei den Pflichteinbaufällen lag die Quote bei 23,3 Prozent. Langsam ist der Rollout also weiterhin, aber nicht mehr im Promillebereich.
Den Rahmen setzt das Messstellenbetriebsgesetz, das 2023 durch das Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende (GNDEW) novelliert wurde. Es führte den agilen Rollout ein, bei dem Geräte nicht mehr alle Anforderungen gleichzeitig erfüllen müssen, und legte gesetzliche Pflichtquoten fest: mindestens 20 Prozent der Pflichteinbaufälle bis Ende 2025, 50 Prozent bis 2028 und 95 Prozent bis 2030; das Gesamtziel der Bundesnetzagentur liegt bei 90 Prozent aller Messlokationen bis Ende 2032. Pflicht sind intelligente Messsysteme bei einem Jahresverbrauch über 6.000 Kilowattstunden, bei steuerbaren Verbrauchseinrichtungen nach §14a EnWG sowie bei Erzeugungsanlagen über 7 Kilowatt; für Haushalte ist der Messpreis auf 20 Euro im Jahr gedeckelt.
Ein Grund für die jahrelange Verzögerung lag in der Zertifizierung: Erst seit Februar 2024 gibt es fünf unabhängige Hersteller mit vollständig zertifizierten Smart-Meter-Gateways, geprüft vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik nach der Technischen Richtlinie TR-03109. Inzwischen zieht das Tempo an, doch der Bundesnetzagentur reicht es nicht: Ende März 2026 eröffnete sie 77 Verfahren gegen Messstellenbetreiber, die noch gar nicht mit dem Rollout begonnen hatten. Die Digitalisierung der Netze mit intelligenten Messsystemen sei, so die Behörde, ein entscheidender Baustein der Energiewende.
Die Messsysteme sind kein Selbstzweck. Seit Januar 2024 müssen steuerbare Verbraucher wie Wärmepumpen und Wallboxen nach §14a EnWG netzdienlich steuerbar sein, und seit Januar 2025 müssen alle Stromlieferanten dynamische Tarife nach §41a EnWG anbieten, allerdings nur für Kunden mit intelligentem Messsystem. Beides hängt also direkt am Rollout. Genau hier setzt der angekündigte Smart-Meter-Gesetzesvorschlag der EU für 2026 an. Für deutsche Versorger bedeutet das doppelten Druck: Die nationale Umsetzung läuft langsam an, während die europäische Ebene das Tempo erhöht. Wer den Rückstand und die Hintergründe vertiefen will, findet sie in unserer Analyse zum stockenden Smart-Meter-Rollout. Ohne flächendeckende Messdaten bleibt vieles, was der Fahrplan an KI-Anwendungen verspricht, in Deutschland vorerst Theorie.
Was BDEW, VKU und die Branche sagen
Der Fahrplan trifft in Deutschland auf eine Branche, die das Thema längst auf der Agenda hat. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der über 2.000 Unternehmen vertritt, nennt die Digitalisierung den Schlüssel, um die steigende Komplexität des Energiesystems zu beherrschen. Seine Digital@EVU-Studie 2026 zeigt, wie weit das Thema gediehen ist: Mehr als 90 Prozent der Energieunternehmen arbeiten bereits mit einer KI-Strategie oder planen eine, rund ein Drittel hat sie umgesetzt. Die Lücke liegt woanders. Nur 29 Prozent haben eine Personalstrategie für die Kompetenzen, die sie dafür brauchen.
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sind längst keine Nischenthemen mehr.
Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, zur Digital@EVU-Studie 2026In der europäischen Debatte fordert der BDEW innovationsfreundliche statt restriktive Regeln. KI solle stärker als Chance verstanden und nicht durch übermäßige Vorsicht ausgebremst werden, die Risikoklassifizierung des EU AI Act gehöre rasch geklärt und die Data Governance vereinfacht. Diese Linie deckt sich mit dem Fahrplan, der Vertrauen in KI und einfache Datenregeln als Fundament beschreibt. Eine spezifische BDEW-Reaktion auf das fertige Dokument vom 3. Juni 2026 lag bei Redaktionsschluss nicht vor; die hier zitierten Positionen sind Grundsatzpositionen des Verbands.
Aus kommunaler Sicht meldet sich der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) zu Wort, der rund 1.600 kommunale Unternehmen vertritt. Deren Mitglieder kommen auf hohe Marktanteile, in der Stromversorgung rund 66 Prozent, beim Gas 65 Prozent und in der Wärme 91 Prozent. Schon im November 2025 hatte der VKU zur Sondierung der Kommission ein Positionspapier vorgelegt und dabei betont, dass die zeitnahe, möglichst in Echtzeit erfolgende Übermittlung von Messdaten die Grundvoraussetzung für flexible und dynamische Tarife sei. Genau diese Datenströme liefern in Deutschland überwiegend die Stadtwerke.
Hinter dem Fahrplan steht zudem ein dichter Rechtsrahmen, den Versorger mitdenken müssen. Der EU AI Act stuft KI, die als Sicherheitskomponente den Betrieb kritischer Infrastruktur wie der Strom-, Gas- oder Wärmeversorgung steuert, als hochriskant ein. Mit dem sogenannten Digital Omnibus haben sich Rat und Parlament im Mai 2026 darauf verständigt, die Pflichten für solche Hochrisiko-Anwendungen zu verschieben, von August 2026 auf Dezember 2027; final verabschiedet ist die Verschiebung noch nicht. Hinzu kommen der seit September 2025 anwendbare Data Act und der Netzkodex Cybersicherheit (EU) 2024/1366, das erste sektorspezifische EU-Cyberregelwerk für den Strombereich. Wer KI im Netzbetrieb plant, sollte diese drei Rechtsakte zusammen betrachten.
Was der Fahrplan für deutsche Stadtwerke bedeutet
Kein anderer Akteur ist vom Fahrplan so unmittelbar betroffen wie die kommunalen Stadtwerke. In Deutschland sind rund 2.300 Unternehmen in Strom, Gas und Fernwärme aktiv, darunter etwa 830 Stromverteilnetzbetreiber. Die große Mehrheit dieser Verteilnetze ist kommunal oder regional, nicht in der Hand der vier großen Übertragungsnetzbetreiber. Damit liegt die praktische Umsetzung dessen, was der Fahrplan auf europäischer Ebene anstößt, zu einem großen Teil bei den Stadtwerken vor Ort.
Das zeigt sich schon beim Smart-Meter-Ausbau. Der grundzuständige Messstellenbetreiber ist im Regelfall der örtliche Netzbetreiber, also häufig ein Stadtwerk. Er muss die intelligenten Messsysteme einbauen, betreiben und absichern und die gesetzlichen Pflichtquoten erfüllen. Die Stadtwerke sind damit die Drehscheibe des digitalen Energiesystems: Bei ihnen laufen die Daten aus Smart Metern, Netzsensorik, steuerbaren Verbrauchern und dezentraler Erzeugung zusammen, und von ihnen hängt ab, ob daraus Anwendungen wie Lastprognose, Redispatch, dynamische Tarife und der europäische Energiedatenraum werden.
Diese zentrale Rolle ist zugleich eine Last. Der VKU hält den Smart-Meter-Rollout unter dem aktuellen Preisdeckel für die grundzuständigen Messstellenbetreiber für wirtschaftlich nicht darstellbar und fordert Nachbesserungen. Die BDEW-Stadtwerkestudie 2025 zeichnet ein angespanntes Bild: 86 Prozent der befragten Versorger bewerten die regulatorischen Anforderungen als eher bis sehr negativ, nur 48 Prozent halten ihren Geschäftserfolg für gut oder sehr gut, der niedrigste Wert seit 2005. Regulatorik und Bürokratie, so ein Fazit der Studie, binden wertvolle Transformationsressourcen. Der Fahrplan verschärft diesen Anspruch eher, als ihn zu lindern.
Zugleich liegt darin eine Chance, und einige Stadtwerke nutzen sie bereits. Die folgenden Beispiele zeigen, wie KI im kommunalen Energiegeschäft konkret aussieht.
KI und ein digitaler Zwilling optimieren die Fernwärme. Ein Pilot mit dem Fraunhofer ITWM senkte den Primärenergieeinsatz um rund 10 Prozent und wird ab 2025 von 8 auf über 120 Anlagen ausgeweitet.
Das KI-Werkzeug elenova plan verkürzt die Planung von Erzeugungsanlagen von 480 auf 30 Minuten und macht Varianten schneller vergleichbar.
KI steuert Fernwärme- und Geothermienetze, das virtuelle Kraftwerk M/Partnerkraft bündelt dezentrale Anlagen ab 100 Kilowatt zu vermarktbarer Flexibilität.
Eine KI-Wärmelastprognose über 24 Stunden senkt die Abweichung gegenüber dem klassischen Verfahren um rund 25 Prozent und ist Teil des dena-Leitfadens zur Fernwärme.
Auch gemeinsam tun sich Stadtwerke zusammen. Beim VKU-Stadtwerke-Award 2025 gewann die GenAI Factory Netzbetreiber, in der sieben Netzbetreiber gemeinsam generative KI für Stromlastprognosen, Kundenservice, Netzdokumentation und die automatische Bearbeitung eingehender Vorgänge entwickeln. Das ist im Kleinen genau die Bündelung, die AI.grids auf europäischer Ebene anstrebt.
Drei Hebel zählen: erstens den Smart-Meter-Rollout und die Datenqualität als Pflichtaufgabe ernst nehmen, zweitens KI-Anwendungsfälle mit klarem Nutzen wie Lastprognose und Netzplanung priorisieren, drittens Kompetenz und Cybersicherheit aufbauen, statt sie zuzukaufen. Wer allein zu klein ist, kooperiert, über Stadtwerkeverbünde, Dienstleister oder Initiativen wie AI.grids.
Fallbeispiel: Stadtwerke Flensburg
Wie der Fahrplan in der Praxis aussieht, lässt sich an den Stadtwerken Flensburg gut zeigen, dem Energieversorger in unserer Heimatregion. Das 1854 gegründete Unternehmen gehört zu 100 Prozent der Stadt Flensburg, beschäftigt rund 711 Menschen (Stand 2023) und versorgt mehr als 200.000 Kundinnen und Kunden mit Strom, Fernwärme, Trinkwasser, Industriegas und Telekommunikation. Es ist damit ein typisches und zugleich besonderes Stadtwerk: typisch in seiner kommunalen Verankerung, besonders in seiner Wärme und seiner Lage an der Grenze zu Dänemark.
Flensburg hat den höchsten Fernwärmeanteil aller deutschen Städte. Rund 98 Prozent der Haushalte hängen am Fernwärmenetz, das über 700 Kilometer umfasst und seit 1969 aus Kraft-Wärme-Kopplung gespeist wird. Herzstück ist das Gas-und-Dampf-Heizkraftwerk Kessel 12, das 2016 für rund 128 Millionen Euro in Betrieb ging und mit etwa 92 Prozent Wirkungsgrad Strom und Wärme zugleich erzeugt. Diese enge Kopplung von Strom und Wärme ist genau die Sektorkopplung, die der EU-Fahrplan über digitale Steuerung effizienter machen will.
Im November 2023 hat das Unternehmen seinen Transformationsplan vorgelegt, mit dem klaren Ziel, bis 2035 klimaneutral zu werden. Rund eine halbe Milliarde Euro fließen bis dahin in den Umbau, der Kohleausstieg beginnt ab 2030. Bereits rund 250 Millionen Euro wurden investiert, um vier von fünf Kohlekesseln auf Gas-und-Dampf-Technik umzustellen, was den CO2-Ausstoß bei gleicher Leistung um etwa 40 Prozent senkte. Der Weg verläuft in vier Phasen.
Power-to-Heat und erste Großwärmepumpe
Ein zweiter Elektrodenkessel, ein zweiter Wärmespeicher mit rund 28 Millionen Litern, eine erste Großwärmepumpe mit 60 Megawatt thermischer Leistung aus Fördewasser (Inbetriebnahme 2027) sowie eine Abwasserwärmepumpe und Solarthermie.
Zweite Wärmepumpe und Wasserstoff
Eine zweite Fördewärmepumpe mit rund 60 Megawatt, die Zufeuerung von Wasserstoff bis 15 Volumenprozent im Heizkraftwerk und eine Absenkung der Vorlauftemperatur auf 115 Grad.
Biomasse und volle Wasserstofffähigkeit
Ein Biomassekessel mit 70 Megawatt thermischer Leistung, die Fähigkeit zur Verbrennung von 100 Prozent Wasserstoff und ein dritter, dezentraler Wärmespeicher. Die Wärmeerzeugung im Heizkraftwerk ist dann vollständig dekarbonisiert.
Reservewerke klimaneutral
Die verbleibenden Reserveheizwerke werden auf CO2-neutralen Betrieb umgestellt.
Geothermie hatte Flensburg gemeinsam mit dem dänischen Entwickler Innargi geprüft, das Potenzial des Untergrunds erwies sich mit heutiger Technik jedoch als zu gering. Das ist eine wichtige Lehre: Nicht jede Option trägt, und ein belastbarer Plan benennt auch die verworfenen Wege. Digitalisierung dagegen ist fest eingeplant. Das Unternehmen will sein Netz weiter digitalisieren, Pumpwerke automatisiert optimieren und alle Fernwärmezähler fernauslesbar machen. Ein eigenes KI-Vorzeigeprojekt nach dem Muster der RheinEnergie gibt es bislang nicht; die Stärke liegt in der digitalisierten Netz- und Wärmesteuerung und in der Messdatengrundlage.
Am stärksten zeigt sich der Bezug zum Fahrplan aber an der Grenzlage. Flensburgs Stromnetz war historisch nicht an den deutschen Übertragungsnetzbetreiber TenneT angebunden, sondern über einen Phasenschiebertransformator bei 60 und 150 Kilovolt an das dänische Netz von Energinet. Der Transformationsplan sieht nun eine neue 110-Kilovolt-Anbindung an das deutsche Netz vor, dazu ist eine Wasserstoffleitung nach Dänemark geplant. Damit ist Flensburg ein konkretes Beispiel für die grenzüberschreitende Integration von Strom, Daten und Wasserstoff, die der Fahrplan über seinen Datenraum und seine internationale Zusammenarbeit befördern will.
Kraft-Wärme-Kopplung, der höchste Fernwärmeanteil Deutschlands, Sektorkopplung über Power-to-Heat, Großwärmepumpen und Speicher, eine digitalisierte Netzsteuerung und eine grenzüberschreitende Lage an der dänischen Grenze: Die Stadtwerke Flensburg vereinen die Kernthemen des Fahrplans in einem einzigen kommunalen Versorger.
Herausforderungen und Risiken
Der Fahrplan trägt einen Zielkonflikt in sich: KI soll das Energiesystem effizienter machen, doch KI und ihre Rechenzentren treiben den Stromverbrauch selbst nach oben. Diese Spannung löst der Fahrplan nicht auf, er macht sie zum Programm. Hinzu kommen Fragen der Sicherheit und der technologischen Abhängigkeit.
Die Zahlen zum Energiehunger sind deutlich. Laut Internationaler Energieagentur steigt der weltweite Stromverbrauch der Rechenzentren von 415 Terawattstunden 2024 auf rund 945 Terawattstunden bis 2030, das ist mehr als eine Verdopplung und entspricht in etwa dem gesamten Stromverbrauch Japans. Diese 945 Terawattstunden umfassen alle Rechenzentren; der spezifisch auf KI entfallende Anteil liegt bei rund 40 Prozent. Die zugehörigen CO2-Emissionen steigen im Basisszenario der IEA von etwa 180 auf rund 320 Millionen Tonnen bis 2030. Wie sich dieser Bedarf konkret auf Netze und Standortwahl auswirkt, vertieft unser Beitrag zur Rechenzentrenstrategie und dem KI-Energiehunger, und die Netzstabilitätsdebatte zeigt der Beitrag zum NERC-Alarm zu KI-Rechenzentren.
Mehr Digitalisierung bedeutet zugleich mehr Angriffsfläche. SolarPower Europe betont, dass die Cybersicherheit kritischer Energieinfrastruktur zentral bleiben müsse, weil jede zusätzliche Schnittstelle und jedes vernetzte Gerät ein neues Einfallstor schafft. Der Fahrplan führt Cybersicherheit deshalb als Querschnittsthema, doch die konkrete Absicherung bleibt Aufgabe der Betreiber.
Schließlich bleibt die Souveränität vorerst ein Anspruch. Europa will eigene KI- und Cloud-Kapazitäten aufbauen, ist heute aber stark von US-Anbietern abhängig. Der Fahrplan und die begleitenden Gesetzesvorschläge sollen das ändern, doch der Aufbau eigener Rechenzentren, Modelle und Kompetenzen ist ein Projekt über viele Jahre. Bis dahin ist die angestrebte Unabhängigkeit eher Ziel als Zustand.
Was Unternehmen und Stadtwerke jetzt tun sollten
Energieversorger und Industriekunden sollten den Fahrplan als Planungsgrundlage nutzen, nicht abwarten. Wer seine Datengrundlage und Netzdigitalisierung jetzt ordnet, ist förderfähig und anschlussfähig an AI.grids und kommende Rechtsakte. Der erste Schritt ist eine nüchterne Zuordnung: Welche eigenen Vorhaben gehören zu welcher der drei Säulen, und welche davon sind im Arbeitsprogramm 2026 bis 2027 förderfähig?
Auf die Zuordnung folgt die Datenarbeit. Grenzüberschreitender Datenaustausch wird zur Pflicht, deshalb lohnt es sich, Datenqualität und Interoperabilität von Mess- und Netzdaten früh zu verbessern. Parallel sollten Unternehmen KI-Anwendungsfälle mit klarem Nutzen priorisieren, etwa Lastprognose, Engpassanalyse und vorausschauende Wartung. Hier helfen digitale Netzmodelle und KI-gestützte Szenarioanalyse, Varianten schneller und vergleichbar durchzurechnen, als es manuelle Verfahren je könnten.
Ebenso wichtig ist, Cybersicherheit und KI-Governance von Anfang an mitzudenken, statt sie später nachzurüsten. Wer KI im Netzbetrieb einsetzt, braucht klare Regeln für Datenherkunft, Modellqualität und Verantwortlichkeit. Schließlich sollten Unternehmen die regulatorische Entwicklung aktiv verfolgen, vor allem den angekündigten Smart-Meter-Gesetzesvorschlag 2026 und die Beteiligungsmöglichkeiten bei AI.grids. So wird aus einer Brüsseler Richtungsentscheidung eine konkrete Roadmap für das eigene Haus.
Für kommunale Stadtwerke kommt eine Besonderheit hinzu: Sie tragen den Smart-Meter-Rollout als Pflichtaufgabe und stoßen dabei an wirtschaftliche Grenzen. Umso wichtiger ist, knappe Ressourcen zu bündeln. Kleinere Häuser müssen KI-Modelle, Datenplattformen und Sicherheitskompetenz nicht allein aufbauen, sondern können sich über Stadtwerkeverbünde, gemeinsame Dienstleister und Initiativen wie AI.grids zusammenschließen. Das Beispiel Flensburg zeigt zudem, dass ein belastbarer Plan auch ehrlich benennt, welche Optionen nicht tragen. Wer Datengrundlage, Sektorkopplung und Kooperation jetzt ordnet, macht aus dem Fahrplan einen Vorteil statt einer weiteren Pflicht.
Weiterführende Informationen
Häufig gestellte Fragen
Der Fahrplan ist ein Strategiedokument der Europäischen Kommission (COM(2026) 501), das am 3. Juni 2026 als Teil des Pakets für technologische Souveränität vorgelegt wurde. Er beschreibt, wie KI und digitale Werkzeuge das europäische Energiesystem effizienter, sicherer und unabhängiger machen sollen, ohne dass der Energiehunger der Digitalinfrastruktur das System überlastet. Der Fahrplan ist kein Gesetz, sondern eine Richtungsentscheidung mit Fördermitteln und angekündigten Rechtsakten, darunter ein Gesetzesvorschlag zum Smart-Meter-Ausbau für 2026.
Erstens die nachhaltige Integration von Rechenzentren in das Energiesystem über dreiseitige Vereinbarungen zwischen Netzbetreibern, Rechenzentren und Behörden. Zweitens die beschleunigte Einführung digitaler und KI-Lösungen, darunter der Smart-Meter-Ausbau und KI für Netzplanung und Lastmanagement. Drittens ein Rahmen für grenzüberschreitenden Datenaustausch, damit Mess- und Netzdaten sicher und interoperabel geteilt werden können. Querschnittsthemen sind Vertrauen in KI, Cybersicherheit kritischer Infrastruktur, digitale Kompetenzen und internationale Zusammenarbeit.
AI.grids ist die sichtbarste Leitinitiative des Fahrplans. Sie wurde am 3. Juni 2026 mit einer Projektvereinbarung gestartet und arbeitet als Community of Practice an KI-Modellen für Netzbetrieb und Netzplanung, trainiert mit europäischen Daten. Statt einzelner Projekte bündelt AI.grids Netzbetreiber, Forschung und Industrie, um Modelle gemeinsam zu entwickeln. Begleitet wird sie von rund 100 Millionen Euro für Smart-Grid-Lösungen und 75 Millionen Euro für KI-Energieanwendungen aus dem Arbeitsprogramm 2026 bis 2027.
Aus dem Arbeitsprogramm 2026 bis 2027 fließen rund 100 Millionen Euro in fortgeschrittene Smart-Grid-Lösungen, 75 Millionen Euro in KI-Energieanwendungen und 190 Millionen Euro in digitale Lösungen rund um Erneuerbare, intelligente Gebäude und Energieeffizienz. Im weiteren Souveränitätspaket beziffert die Kommission den Investitionsbedarf für europäische Cloud- und KI-Rechenzentren auf rund 200 Milliarden Euro bis 2036. Unternehmen sollten ihre Digitalvorhaben den drei Säulen zuordnen und die Förderfähigkeit im Arbeitsprogramm prüfen.
Der Fahrplan trifft in Deutschland auf einen langsamen Smart-Meter-Ausbau, den die EU gerade beschleunigen will. Die EU-Elektrizitätsrichtlinie 2019/944 verlangt mindestens 80 Prozent Smart-Meter-Durchdringung bis 2024; rund die Hälfte der Mitgliedstaaten hat den Rollout abgeschlossen, Deutschland gehört zu den Nachzüglern. Ende 2025 waren erst 5,5 Prozent aller Messlokationen und 23,3 Prozent der Pflichteinbaufälle ausgestattet. Deutsche Versorger sollten den Fahrplan als Planungsgrundlage nutzen: Datenqualität und Interoperabilität verbessern, KI-Anwendungsfälle mit klarem Nutzen priorisieren und Cybersicherheit sowie KI-Governance früh mitdenken.
Stadtwerke sind besonders betroffen, weil sie als grundzuständige Messstellenbetreiber und Verteilnetzbetreiber den Smart-Meter-Rollout und die Netzdigitalisierung praktisch umsetzen. In Deutschland gibt es rund 830 Stromverteilnetzbetreiber, die große Mehrheit ist kommunal oder regional. Bei den Stadtwerken laufen die Daten aus Smart Metern, Netzsensorik und steuerbaren Verbrauchern zusammen, die der Fahrplan für KI-Anwendungen nutzen will. Das ist Last und Chance zugleich: Der VKU hält den Rollout unter dem aktuellen Preisdeckel für wirtschaftlich nicht darstellbar, gleichzeitig setzen Häuser wie RheinEnergie, Leipzig oder die SWM München KI bereits produktiv ein.
Die Stadtwerke Flensburg vereinen die Kernthemen des Fahrplans in einem kommunalen Versorger. Sie versorgen rund 98 Prozent der Stadt mit Fernwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung, der höchste Anteil aller deutschen Städte. Ihr Transformationsplan zielt auf Klimaneutralität bis 2035, mit Power-to-Heat, Großwärmepumpen aus Fördewasser, Wärmespeichern und Wasserstoff, also genau der Sektorkopplung, die der Fahrplan effizienter machen will. Hinzu kommt die Grenzlage: Das Netz war historisch an das dänische Netz von Energinet angebunden, eine neue Anbindung an das deutsche Netz und eine Wasserstoffleitung nach Dänemark sind geplant. Das ist grenzüberschreitende Integration, wie sie der Fahrplan anstrebt.
Beide Verbände unterstützen die Digitalisierung, fordern aber praktikable Rahmenbedingungen. Der BDEW nennt die Digitalisierung den Schlüssel zur Beherrschung der Systemkomplexität und wirbt für innovationsfreundliche Regeln und eine rasche Klärung der Risikoklassifizierung des EU AI Act. Laut der BDEW-Digital@EVU-Studie 2026 arbeiten über 90 Prozent der Energieunternehmen bereits mit einer KI-Strategie oder planen eine, doch nur 29 Prozent haben eine passende Personalstrategie. Der VKU betont aus kommunaler Sicht, dass zeitnahe Messdaten die Voraussetzung für dynamische Tarife sind, und mahnt eine auskömmliche Finanzierung des Rollouts an. Eine spezifische Reaktion auf das fertige Dokument vom 3. Juni 2026 lag bislang nicht vor.