Produktionsleitraum in einem deutschen Industrieunternehmen mit Monitoren, die KI-Agenten-Dashboards und Fehlerprotokolle zeigen

KI-Agenten in der Rebuild-Era: Warum 88 Prozent der Enterprise-Piloten scheitern

Compound-Error, Permission Sprawl und was die zweite Generation von Enterprise-KI-Agenten anders macht

78 Prozent der Unternehmen haben aktive KI-Agenten-Piloten. Nur 14 Prozent haben diese je in Produktionsreife gebracht. Das ist keine Überraschung mehr, sondern ein Strukturproblem. Dieser Artikel erklärt, warum so viele Piloten scheitern, wie das Compound-Error-Problem wirkt und was Unternehmen jetzt konkret anders machen müssen.

Zusammenfassung

Laut Anaconda und Forrester Research 2026 erreichen 88 Prozent der Enterprise-KI-Agenten-Piloten nie die Produktionsreife. 78 Prozent der Unternehmen haben Piloten, aber nur 14 Prozent haben produktive Deployments geschafft. Das Compound-Error-Problem ist ein zentraler Grund: 85 Prozent Einzelschrittgenauigkeit über acht Schritte ergibt nur 27 Prozent Gesamterfolg. Berechtigungsfragen sind der zweithäufigste, aber am wenigsten diskutierte Engpass: Nur 14,4 Prozent der Agenten gehen mit vollständiger Sicherheitsprüfung live. Die sogenannte Rebuild-Era ist die Antwort der Branche darauf: Die zweite Generation von Enterprise-KI-Agenten setzt auf Observability, State-Recovery und Least-Privilege-Design. Erfolgreiche Deployments erzielen durchschnittlich 171 Prozent ROI. Aber 92 Prozent der Unternehmen verfehlen ihre KI-Skalierungsziele, und 47 Prozent nennen regulatorische Hürden als Hauptblockade.

Warum so viele Enterprise-KI-Agenten scheitern

Die Zahlen sind eindeutig. 78 Prozent der Unternehmen haben KI-Agenten-Piloten laufen. Nur 14 Prozent haben diese je in echte Produktionsumgebungen überführt. 88 Prozent der Piloten erreichen laut Anaconda und Forrester Research 2026 nie Produktionsreife. Das sind keine Ausreisser, sondern ein systemisches Muster, das sich quer durch Branchen und Unternehmensgrößen zieht.

88 %
der KI-Agenten-Piloten scheitern vor Produktionsreife
Anaconda / Forrester Research 2026
78 %
der Unternehmen haben aktive Piloten
Aber nur 14 % haben Produktionsreife erreicht
14,4 %
der Agenten mit vollständiger Sicherheitsprüfung live
Gravitee State of AI Agent Security 2026
41 %
berichten von Produktions-Rollbacks
Mindestens ein Rollback in 12 Monaten
171 %
ROI bei erfolgreichen Deployments
Durchschnitt bei produktionsreifen Agenten-Projekten
40 %
der Enterprise-Apps bis Ende 2026 mit KI-Agenten
Gartner Prognose 2026

Der Druck, Agenten einzusetzen, ist real. Gartner prognostiziert, dass 40 Prozent aller Enterprise-Applikationen bis Ende 2026 KI-Agenten enthalten werden. Das ist ein Anstieg von unter 5 Prozent in 2025. Der Markt bewegt sich also schnell, aber die Produktionsreife hält nicht mit. Die Piloten bleiben Piloten.

Warum scheitern so viele Piloten? Die Antworten sind technischer Art, aber auch organisatorischer und regulatorischer Natur. Das Compound-Error-Problem ist das mathematische Fundament des Scheiterns. Permission Sprawl ist der organisatorische Engpass, der in der Demo nie sichtbar wird. Und Skill-Defizite in der Belegschaft verschärfen beides: 89 Prozent der Beschäftigten fehlen laut BearingPoint 2026 die notwendigen KI-Kenntnisse. Das zusammen erklärt, warum 92 Prozent der Unternehmen ihre KI-Skalierungsziele verfehlen.

Der Wechsel von der ersten zur zweiten Generation von Enterprise-KI-Agenten ist kein Feature-Update. Es ist eine Architekturentscheidung.

VentureBeat, AI Agents Rebuild Era, Juni 2026

Das Compound-Error-Problem: Warum 85 Prozent Genauigkeit nicht reicht

Das Compound-Error-Problem ist das am häufigsten unterschätzte technische Hindernis bei KI-Agenten. In der Demo funktioniert ein Schritt, dann der zweite, dann der dritte. Die Genauigkeit sieht gut aus. Im Produktionsbetrieb aber multiplizieren sich die Fehlerwahrscheinlichkeiten über jeden Schritt.

Die Mathematik ist nüchtern. Ein Agent mit 85 Prozent Einzelschrittgenauigkeit, der acht Schritte ausführt, erreicht eine Gesamterfolgsrate von nur 27 Prozent. Das bedeutet: Drei von vier Ausführungen dieses Workflows liefern ein falsches Ergebnis. Selbst wenn die Einzelschrittgenauigkeit auf 95 Prozent steigt und der Workflow 20 Schritte hat, liegt der Gesamterfolg bei 36 Prozent.

Einzelschritt-Genauigkeit Anzahl Schritte Gesamterfolgsrate Bewertung
85 % 8 27 % Nicht produktionstauglich
90 % 8 43 % Nicht produktionstauglich
95 % 8 66 % Eingeschränkt nutzbar
95 % 20 36 % Nicht produktionstauglich
99 % 8 92 % Produktionstauglich
99 % 20 82 % Bedingt produktionstauglich
Agenten-Workflow-Diagramm mit markierten Fehlerpunkten in einem mehrstufigen Prozessablauf, visualisiert auf einem Post-it-Board
Visualisierung kumulativer Fehler in mehrstufigen KI-Agenten-Workflows - jeder Schritt verringert die Gesamtgenauigkeit exponentiell.

Das erklärt, warum Piloten im Demo-Stadium gut aussehen und in Produktion versagen. Ein Proof-of-Concept mit drei bis vier Schritten hat eine akzeptable Gesamterfolgsrate auch bei mittelmässiger Einzelschrittgenauigkeit. Sobald der Workflow reale Komplexität abbildet und zehn oder mehr Schritte hat, bricht die Gesamterfolgsrate zusammen. Die Konsequenz für Enterprise-Architektur ist klar: Workflows müssen so gestaltet sein, dass sie minimal viele Schritte benötigen, oder die Einzelschrittgenauigkeit muss durch besseres Modell-Tuning, klarere Prompts und engere Tool-Definitionen auf 99 Prozent gehoben werden.

Wichtig

Bevor du einen Agenten-Workflow in Produktion nimmst, rechne die Gesamterfolgsrate durch: Einzelschrittgenauigkeit hoch der Anzahl Schritte. Liegt das Ergebnis unter 80 Prozent, ist der Workflow entweder zu lang oder die Einzelschrittgenauigkeit zu niedrig. Beides ist korrigierbar, aber nicht ohne bewusste Entscheidung.

Zusätzlich zum Compound-Error-Problem zeigen 41 Prozent der Unternehmen mindestens einen Produktions-Rollback in zwölf Monaten. Das deutet darauf hin, dass Agenten zwar in Produktion kommen, dort aber unter realer Last oder mit echten Daten versagen und zurückgerollt werden müssen. Die Architektur der ersten Agenten-Generation hat dieses Szenario nicht vorgesehen.

Berechtigungen als verborgener Engpass

Neben dem Compound-Error-Problem ist Permission Sprawl der zweite große Grund, warum KI-Agenten-Piloten scheitern. Der Unterschied: Während das Compound-Error-Problem in der Evaluation sichtbar wird, wenn man es sucht, bleibt Permission Sprawl in Demo-Umgebungen vollständig unsichtbar.

In der Demoumgebung hat der Agent Zugriff auf alles, was er für den Showcase braucht. In der Produktionsumgebung trifft er auf echte Berechtigungskonzepte, Active-Directory-Gruppen, rollenbasierte Zugriffsmodelle und legacy-gesicherte APIs. Der Agent schlägt fehl, nicht weil er schlechte Entscheidungen trifft, sondern weil er schlicht nicht auf die Ressourcen zugreifen kann, die er braucht.

Agenten in Produktion ohne vollständige Sicherheitsprüfung 85,6 %
Unternehmen, die KI-Skalierungsziele verfehlen 92 %
Nennen regulatorische Hürden als Hauptblockade 47 %
Belegschaft ohne ausreichende KI-Kenntnisse 89 %

Laut dem Gravitee State of AI Agent Security Report 2026 gehen nur 14,4 Prozent der KI-Agenten mit einer vollständigen Sicherheitsprüfung live. Das bedeutet im Umkehrschluss: 85,6 Prozent der produktiv gesetzten Agenten haben nie eine systematische Überprüfung ihrer Zugriffsrechte durchlaufen. Das ist keine Gleichgültigkeit, sondern ein Organisations-Problem: Die Teams, die Agenten bauen, haben keinen vollständigen Überblick über das Berechtigungs-Modell des Unternehmens. Und die Security-Teams, die das Berechtigungs-Modell kennen, sind in die Agenten-Entwicklung zu selten eingebunden.

Permission Sprawl wächst mit der Zeit: Agenten sammeln im Betrieb immer mehr Zugriffsrechte an, wenn niemand systematisch auditiert. Eine Berechtigung, die für einen einzigen Use Case vergeben wurde, bleibt dauerhaft aktiv. Nach sechs Monaten im Produktionsbetrieb hat ein typischer Enterprise-Agent Zugriffsrechte auf Systeme, die für seinen ursprünglichen Zweck nie notwendig waren.

Das Sicherheitsrisiko ist real, aber weniger dramatisch als es klingt, wenn man das Problem von vorne angeht. Ein Agenten-Deployment, das von Beginn an mit dem Least-Privilege-Prinzip arbeitet, hat keinen Permission Sprawl. Das Problem entsteht, wenn Berechtigungen ad hoc vergeben werden, um Demo-Szenarien zum Laufen zu bringen, und diese Konfiguration danach als Grundlage für das Produktions-Deployment dient. Mehr zur Governance-Seite dieses Problems im Artikel zu KI-Agenten-Wildwuchs und der Governance-Lücke im Unternehmen .

Die Rebuild-Era: Was die zweite Generation anders macht

VentureBeat hat den Begriff Rebuild-Era geprägt, um die aktuelle Phase der Enterprise-KI-Agenten-Entwicklung zu beschreiben. Die erste Generation hat Agenten gebaut, um Demos zu zeigen. Die zweite Generation baut Agenten, um in Produktion zu überleben. Der Unterschied ist keine Frage des Modells oder der Rechenleistung, sondern der Architekturentscheidungen.

Drei technische Prinzipien definieren die Rebuild-Era in der Praxis. Unternehmen, die erfolgreiche Produktions-Deployments zeigen, haben alle drei umgesetzt. Unternehmen, deren Piloten steckenbleiben, fehlt mindestens eines.

Vollständige Observability

Jeder Schritt eines Agenten-Workflows wird geloggt und nachvollziehbar. Das schließen ein: Welche Tools wurden aufgerufen, mit welchen Eingaben, mit welchen Ausgaben, mit welcher Latenz. Ohne diese Sichtbarkeit ist Debugging in Produktion unmöglich, und Fehlerursachen bleiben verborgen.

State-Recovery

Wenn ein Schritt fehlschlägt, startet der Workflow nicht komplett neu. Stattdessen wird der Zustand vor dem Fehler wiederhergestellt und der Schritt mit korrigierten Parametern oder einem Fallback-Pfad erneut versucht. Das reduziert die Gesamtfehlerrate dramatisch und macht lange Workflows produktionstauglich.

Least-Privilege-Design

Jeder Agent bekommt ausschließlich die Berechtigungen, die er für seinen definierten Aufgabenbereich minimal braucht. Diese Berechtigungen werden dokumentiert, regelmässig auditiert und bei Änderung des Aufgabenbereichs angepasst. Permission Sprawl entsteht so gar nicht erst.

Die Zahlen bestätigen, dass sich diese Architekturentscheidungen auszahlen. Erfolgreiche Deployments der zweiten Generation erzielen durchschnittlich 171 Prozent ROI. Zum Vergleich: 22 Prozent aller Agenten-Deployments enden nach zwölf Monaten mit negativem ROI. Der Unterschied liegt fast immer in der Architektur, nicht im Modell.

Die Rebuild-Era bedeutet auch, dass Agenten-Memory eine zentrale Rolle spielt. Agenten, die keinen persistenten Zustand über Sessions hinweg halten können, können keine komplexen, mehrteiligen Aufgaben erledigen. Einen Überblick über die aktuellen Memory-Ansätze gibt der Artikel zu Agent Memory 2026: Mem0, Letta, Zep, Hermes und OpenClaude im Vergleich .

Deutsche und EU-Perspektive

Für deutsche Unternehmen kommen zu den technischen Problemen regulatorische hinzu. 47 Prozent der Unternehmen nennen laut BearingPoint 2026 regulatorische Hürden als Hauptblockade bei der KI-Skalierung. Das ist kein allgemeines Klagen über Bürokratie, sondern ein konkretes operatives Problem: Der EU AI Act stellt spezifische Anforderungen an Hochrisiko-KI-Systeme, die in vielen Enterprise-Kontexten zutreffen.

KI-Agenten, die in HR-Prozessen, Kreditvergabe, kritischer Infrastruktur oder Strafverfolgung eingesetzt werden, fallen unter die Hochrisiko-Klassifizierung des EU AI Act. Das verlangt unter anderem vollständige Dokumentation des Trainingsdatensatzes, Monitoring der Systemleistung im Produktionsbetrieb, eine Risikoanalyse vor dem Deployment und eine menschliche Aufsicht über kritische Entscheidungen. Genau diese Anforderungen sind mit der ersten Agenten-Generation, die ohne Observability-Infrastruktur betrieben wird, nicht zu erfüllen.

EU AI Act und Agenten: Wenn dein Agenten-Workflow unter Hochrisiko fällt und du keine vollständigen Logs über jede Agenten-Entscheidung hast, bist du nicht compliant. Observability ist damit nicht nur eine Engineering-Best-Practice, sondern eine regulatorische Pflicht für einen wachsenden Teil der Enterprise-Anwendungen.

Der zweite regulatorische Aspekt ist die Datenschutzgrundverordnung. Agenten, die auf personenbezogene Daten zugreifen, müssen dokumentieren, welche Daten warum verarbeitet werden. Ein Agent ohne vollständiges Tracing kann diese Dokumentationspflicht nicht erfüllen. Auch hier ist die technische Lösung, also vollständige Observability, identisch mit der regulatorischen Anforderung.

Gleichzeitig gibt es eine realistische Einschätzung: Deutsche Unternehmen, die den Rebuild-Era-Ansatz konsequent umsetzen, haben einen Vorteil gegenüber Mitbewerbern aus regulatorisch weniger strengen Regionen. Eine Agenten-Architektur, die EU AI Act und DSGVO erfüllt, ist auch technisch robuster. Der Compliance-Aufwand ist real, aber er erzwingt Architekturentscheidungen, die langfristig richtig sind. Wie sich das auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirkt, beschreibt der Artikel zu Agent Skills: Realitätscheck 2026 .

Zu beachten ist auch, dass 89 Prozent der Belegschaften laut BearingPoint grundlegende KI-Kenntnisse fehlen. Das ist für den deutschen Mittelstand besonders relevant: Agenten, die von niemanden im Unternehmen verstanden werden, können nicht effektiv eingesetzt, überwacht oder korrigiert werden. Der technische Rebuild muss von einem organisatorischen Aufbau von KI-Kompetenz begleitet werden.

Herausforderungen und Grenzen

Die Rebuild-Era ist keine Garantie. Auch die zweite Generation von Enterprise-KI-Agenten hat strukturelle Grenzen, die nüchtern betrachtet werden müssen.

Observability kostet Zeit und Geld

Vollständiges Tracing aller Agenten-Schritte erzeugt großen Datenvolumen und erhöht die Betriebskosten. In frühen Deployment-Phasen, wenn Transaktionsvolumen niedrig ist, fällt das kaum auf. Bei skalierendem Einsatz kann Observability-Infrastruktur schnell einen bedeutenden Anteil der Gesamtbetriebskosten ausmachen. Die Entscheidung für welche Workflows wie viel Tracing-Tiefe notwendig ist, muss bewusst getroffen werden.

State-Recovery ist komplex zu implementieren

Der Aufbau einer echten State-Recovery-Architektur ist technisch anspruchsvoller als es klingt. Workflow-Zustände müssen persistent gespeichert, versioniert und bei Wiederaufnahme korrekt rekonstruiert werden. Bei Workflows, die externe Systeme ansprechen, muss entschieden werden, welche Schritte idempotent sind, also sicher wiederholt werden können, und welche nicht. Das erfordert explizites Engineering, das viele Teams unterschätzen.

Negativer ROI bei 22 Prozent der Deployments

22 Prozent der Agenten-Deployments enden nach zwölf Monaten mit negativem ROI. Das ist auch in der Rebuild-Era so. Die Architekturprinzipien helfen, aber sie sind keine Garantie. Ein schlecht gewählter Use Case, ein Workflow, der keinen echten Mehrwert produziert, oder ein Deployment ohne ausreichende Nutzerakzeptanz führt auch mit bestem Engineering zu negativem ROI. Die Auswahl des richtigen ersten Agenten-Projekts ist mindestens so wichtig wie die technische Architektur. Wie das aussieht, beschreibt der Artikel zum Agent Control Plane 2026: Wettlauf um den Harness .

Das Skill-Gap-Problem löst sich nicht von selbst

89 Prozent der Belegschaften fehlen KI-Kenntnisse. Auch ein Agenten-System mit perfekter Observability und State-Recovery muss von Menschen verstanden, überwacht und bei Bedarf korrigiert werden. Wenn niemand im Unternehmen die Agenten-Outputs kritisch beurteilen kann, ist das Produktions-Deployment ein blinder Fleck. Technischer Rebuild ohne organisatorischen Kompetenzaufbau löst nur die Hälfte des Problems.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Die 88-Prozent-Scheiterrate ist kein Schicksal. Sie ist das Ergebnis von Architekturentscheidungen, die korrigierbar sind. Fünf konkrete Schritte helfen dabei, laufende Piloten zu retten und neue Projekte von Anfang an besser aufzusetzen.

  1. Compound-Error-Audit für alle laufenden Piloten

    Dokumentiere für jeden aktiven Piloten: Wie viele Schritte hat der Workflow? Wie hoch ist die gemessene Einzelschrittgenauigkeit? Rechne daraus die Gesamterfolgsrate. Alles unter 80 Prozent Gesamterfolg braucht entweder eine Schrittreduzierung oder eine Verbesserung der Einzelschrittgenauigkeit durch besseres Prompt-Engineering, engere Tool-Definitionen oder feineres Modell-Tuning.

  2. Berechtigungs-Audit für alle produktiven Agenten

    Liste für jeden produktiv laufenden Agenten auf, auf welche Systeme und Daten er Zugriff hat. Vergleiche das mit dem, was er für seine definierten Aufgaben tatsächlich braucht. Entziehe alle Berechtigungen, die nicht explizit notwendig sind. Plane diesen Audit als quartärliche Routine ein, nicht als einmaliges Ereignis.

  3. Observability-Infrastruktur einführen

    Wähle eine Tracing-Lösung, die jede Agenten-Aktion mit Zeitstempel, Input, Output und Ergebnisstatus protokolliert. Das kann ein spezialisiertes Agenten-Monitoring-Tool sein oder eine Erweiterung bestehender Observability-Stacks wie Datadog, Grafana oder OpenTelemetry. Ohne diese Infrastruktur ist Debugging in Produktion Raten-Raten.

  4. State-Recovery für kritische Workflows implementieren

    Identifiziere die Workflows, bei denen ein Fehler am meisten schadet, also die mit dem grössten Geschäftseinfluss oder den längsten Laufzeiten. Implementiere dort zuerst State-Recovery-Mechanismen. Das erfordert explizite Entscheidungen darüber, welche Schritte idempotent sind und wie Workflow-Zustände persistent gespeichert werden.

  5. KI-Kompetenz parallel aufbauen

    Identifiziere für jeden produktiven Agenten-Workflow mindestens eine Person im Unternehmen, die den Workflow versteht, die Outputs beurteilen kann und weiss, wann sie eingreifen muss. Das ist nicht der Agenten-Entwickler, sondern die Fachperson im jeweiligen Geschäftsbereich. Diese menschliche Aufsicht ist sowohl fachlich notwendig als auch regulatorisch vorgeschrieben.

Leerer Konferenzraum nach einem Workshop mit Whiteboard-Checkliste für KI-Agenten-Audit und zurückgeschobenen Stühlen
Nach dem Workshop: Eine strukturierte Checkliste hilft Unternehmen, ihre laufenden Agenten-Projekte auf Produktionsreife zu prüfen.

Der Zeitpunkt ist jetzt. Gartner prognostiziert, dass 40 Prozent der Enterprise-Applikationen bis Ende 2026 KI-Agenten enthalten werden. Wer heute die Architektur-Grundlagen legt, hat in zwölf Monaten produktive Systeme und ein Team, das weiss, wie man sie betreibt. Wer wartet, kauft sich 2027 in eine Lage, in der Piloten schnell gebaut, aber nie produktiv werden.

Wie Forward Deployed Engineering dabei hilft, Agenten aus der Pilotphase in die Produktion zu bringen, zeigt der Artikel zu Forward Deployed Engineering: KI-Agenten ins Unternehmen . Und wie die Kontrollebene über mehrere Agenten aussehen kann, beschreibt der Beitrag zu Agent Control Plane 2026: Wettlauf um den Harness .

Wichtig

171 Prozent ROI ist möglich. 22 Prozent negativer ROI auch. Der Unterschied liegt nicht im Modell, sondern in der Architektur und in der Frage, ob du die richtigen Use Cases gewählt hast. Beides ist kontrollierbar, wenn du die Entscheidungen bewusst triffst.

Weiterführende Informationen

Häufig gestellte Fragen

Was ist das Compound-Error-Problem bei KI-Agenten? +

Das Compound-Error-Problem beschreibt, wie sich Einzelschrittfehler in mehrstufigen Agenten-Workflows multiplizieren. Wenn ein Agent pro Schritt 85 Prozent Genauigkeit hat und acht Schritte ausführt, liegt die Gesamtgenauigkeit nur noch bei 27 Prozent. Selbst bei 95 Prozent Einzelschrittgenauigkeit und 20 Schritten bleibt nur 36 Prozent Gesamterfolg. Das macht viele Agenten-Workflows für produktive Nutzung unbrauchbar.

Warum scheitern so viele KI-Agenten-Piloten in Unternehmen? +

Laut Anaconda und Forrester Research 2026 erreichen 88 Prozent der KI-Agenten-Piloten nie Produktionsreife. 78 Prozent der Unternehmen haben aktive Piloten, aber nur 14 Prozent haben diese in Produktion gebracht. Die Hauptgründe sind das Compound-Error-Problem, ungelöste Berechtigungsfragen, fehlende Observability-Infrastruktur, unzureichende State-Recovery-Mechanismen und regulatorische Hürden.

Wie gefährlich ist Permission Sprawl bei KI-Agenten? +

Sehr gefährlich. Laut Gravitee 2026 gehen nur 14,4 Prozent der KI-Agenten mit vollständiger Sicherheitsprüfung live. Der Rest operiert mit unkontrollierten Zugriffsrechten. Agenten sammeln im Laufe des Betriebs immer mehr Berechtigungen an, ohne dass diese systematisch überprüft werden. Das erzeugt ein wachsendes Sicherheits- und Compliance-Risiko, das in der Demo-Phase unsichtbar bleibt und erst im Produktionsbetrieb sichtbar wird.

Was macht die zweite Generation von Enterprise-KI-Agenten besser? +

Die zweite Generation, die sogenannte Rebuild-Era, setzt auf drei technische Prinzipien: vollständige Observability mit Tracing jedes Einzelschritts, State-Recovery-Mechanismen, die Workflows nach Fehlern wiederaufnehmen statt komplett neu zu starten, und konsequentes Least-Privilege-Design, bei dem jeder Agent nur die minimal notwendigen Berechtigungen bekommt. Erfolgreiche Deployments dieser Generation erzielen laut Branchendaten durchschnittlich 171 Prozent ROI.

Wie können Unternehmen ihre KI-Agenten-Strategie verbessern? +

Fünf konkrete Schritte: Bestehende Piloten auf Compound-Error-Risiko prüfen und Schrittanzahl reduzieren. Berechtigungen aller laufenden Agenten auditieren und auf Least-Privilege zurückschneiden. Observability-Infrastruktur mit vollständigem Tracing einführen. State-Recovery für kritische Workflows implementieren. Regulatorische Anforderungen frühzeitig einplanen, denn 47 Prozent der Unternehmen nennen regulatorische Hürden als Hauptblockade bei der Skalierung.