Reihen grauer Batteriespeicher-Container auf einem Schotterplatz neben einem eingezäunten Umspannwerk, im Hintergrund ein fensterloses Rechenzentrum unter grauem Himmel

Batteriegroßspeicher am Netz: 226 Gigawatt und die Co-Location mit KI-Rechenzentren

Vor den deutschen Stromnetzen staut sich eine beispiellose Welle von Anschlussanfragen für Batteriegroßspeicher. Ein großer Teil davon wird nie gebaut, doch parallel entsteht ein neues Standortmodell: der gemeinsame Anschluss von Speicher, Solar und KI-Rechenzentrum.

Den vier Übertragungsnetzbetreibern lagen zum Jahreswechsel 2024/2025 rund 650 Anschlussanfragen für große Batteriespeicher mit zusammen rund 226 Gigawatt vor, über alle Spannungsebenen sogar rund 400 Gigawatt. Tatsächlich am Netz waren Ende 2024 nur rund 2,3 Gigawatt. Der Artikel erklärt, warum sich so viele Anfragen stauen, warum ein großer Teil davon Phantomprojekte sind, wie die Co-Location mit KI-Rechenzentren entsteht, was das Reifegradverfahren ab dem 1. April 2026 ändert und was Netzbetreiber, Projektierer und Rechenzentrumsbetreiber jetzt vorbereiten sollten. Stand 12. Juni 2026.

Zusammenfassung

Vor den deutschen Stromnetzen staut sich eine Welle von Anschlussanfragen für Batteriegroßspeicher, die jede bisherige Planung sprengt. Den vier Übertragungsnetzbetreibern lagen zum Jahreswechsel 2024/2025 rund 650 Anfragen mit zusammen rund 226 Gigawatt vor, über alle Spannungsebenen zählte die Bundesnetzagentur für 2024 fast 10.000 Begehren mit rund 400 Gigawatt und 661 Gigawattstunden. Diese Zahlen sind real erfasst, aber als Anschlussanfragen zu lesen, nicht als gebaute Kapazität: Tatsächlich am Netz waren Ende 2024 nur rund 2,3 Gigawatt Großspeicher. Ein großer Teil der Anfragen ist spekulativ. Amprion gibt an, dass rund 65 Prozent der Projekte nicht weiterverfolgt werden, nur rund 25 Gigawatt der 2024 angefragten Leistung erhielten eine Zusage, und die Bundesnetzagentur erwartet bis 2037 realistisch nur rund 24 Gigawatt Speicherbestand. Gegen diese Phantomprojekte haben die Übertragungsnetzbetreiber eine abgestimmte Gebühr von 50.000 Euro pro Anschlussanfrage eingeführt und lösen zum 1. April 2026 das First-come-first-served-Prinzip durch ein zonen-übergreifendes Reifegradverfahren ab. Parallel entsteht die Co-Location als Standortmodell: Speicher, Solar und zunehmend KI-Rechenzentren teilen sich einen gemeinsamen Netzanschlusspunkt. Das größte deutsche Beispiel, Projekt Jupiter in Brandenburg, kombiniert 500 Megawatt und 2.000 Megawattstunden Speicher, bis zu 150 Megawattpeak Solar und ein geplantes 500-Megawatt-Hyperscale-Rechenzentrum an einer 380-Kilovolt-Leitung. In Deutschland steht die Co-Location mit Rechenzentren noch am Anfang; heute dominiert die Kombination aus Photovoltaik und Speicher. Als regulatorischer Vorlauf dient die FERC-Order vom 18. Dezember 2025 zu co-lozierten Rechenzentren in PJM. Für Netzbetreiber, Projektierer und Rechenzentrumsbetreiber läuft alles auf dieselbe Fähigkeit hinaus: Anschlussanfragen, Reifegrad und Standortdaten transparent, vergleichbar und prozessfähig zu führen.

Die 226-Gigawatt-Welle: Was sich vor den Netzen staut

Vor den deutschen Stromnetzen staut sich eine Anschlusswelle, die jede bisherige Speicher-Planung sprengt. Den vier Übertragungsnetzbetreibern lagen zum Jahreswechsel 2024/2025 rund 650 Anschlussanfragen für große Batteriespeicher mit zusammen rund 226 Gigawatt vor, über alle Spannungsebenen zählte die Bundesnetzagentur für 2024 sogar fast 10.000 Begehren mit rund 400 Gigawatt und 661 Gigawattstunden. Dem standen Ende 2024 nur rund 2,3 Gigawatt tatsächlich am Netz gegenüber, ein Verhältnis, das zeigt, wie weit Antrag und Realität auseinanderliegen.

Eine Anschlussanfrage ist ein an den Netzbetreiber gerichtetes Begehren, eine Anlage an einem bestimmten Punkt mit einer bestimmten Leistung ans Netz anzuschließen. Sie ist real erfasst, aber unverbindlich und keine gesicherte Bauleistung. Genau diese Differenz zwischen angefragter und gebauter Leistung ist der Kern des heutigen Anschlussstaus.
Lange Reihe grauer Batteriespeicher-Container hinter einem eingezäunten Umspannwerk, zwei Monteure in Warnwesten prüfen Unterlagen und gebündelte Kabel
Am Netzanschlusspunkt entscheidet sich der Engpass: Die Zahl der Anschlussanfragen übersteigt die tatsächlich gebaute Speicherleistung um ein Vielfaches.

Die Dimension wird im direkten Vergleich deutlich. Ende 2024 waren bundesweit nur rund 2,3 Gigawatt Großspeicher in rund 920 Anlagen in Betrieb, während im ersten Quartal 2026 mit rund 2,2 Gigawattstunden ein Rekordzubau hinzukam, davon rund 1,0 Gigawattstunde Großspeicher mit einem Plus von rund 119 Prozent. Der Markt wächst also real und schnell, doch die angefragte Leistung liegt um ein Vielfaches über dem, was tatsächlich gebaut wird. Die 226 Gigawatt sind damit kein Maß für die kommende Speicherkapazität, sondern ein Maß für den Druck auf das Anschlussverfahren.

Warum so viele Anfragen kommen und warum die meisten Phantome sind

Der Andrang hat einen ökonomischen Kern und ein regulatorisches Schlupfloch. Speicher rechnen sich zunehmend, und das bisherige First-come-first-served-Verfahren belohnte das frühe, unverbindliche Reservieren von Netzkapazität. Die Folge sind Mehrfachanfragen und spekulative Projekte. Amprion gibt an, dass rund 65 Prozent der eingereichten Projekte nicht weiterverfolgt werden, und von rund 400 Gigawatt angefragter Leistung erhielten 2024 nur rund 25 Gigawatt eine Zusage.

Phantomprojekte sind Anschlussanfragen ohne ernsthafte Realisierungsabsicht, oft an mehreren Standorten parallel eingereicht, um früh und unverbindlich Netzkapazität zu blockieren. Sie verstopfen die Warteschlange, ohne je gebaut zu werden, und verzögern damit Projekte, die tatsächlich realisiert würden.

Gegen dieses Verhalten haben die Übertragungsnetzbetreiber reagiert. Sie führten eine abgestimmte Gebühr von 50.000 Euro pro Anschlussanfrage ein, um unverbindliche Reservierungen zu dämpfen und die ernsthaften Projekte sichtbar zu machen. Die Wirtschaftlichkeit der Speicher selbst, also Preisvolatilität, negative Börsenpreise und die Netzentgelt-Befreiung nach Paragraf 118 EnWG, treibt den Andrang zusätzlich an. Wie sich daraus am Markt Erlöse stapeln lassen, wird hier nur angerissen und ausführlich im Beitrag zu virtuellen Kraftwerken und dem Batteriespeicher-Boom erklärt.

rund 65 %
nicht weiterverfolgt
Anteil der Phantomprojekte laut Amprion
rund 25 GW
erteilte Zusagen
von rund 400 GW angefragter Leistung 2024
50.000 Euro
Gebühr pro Anfrage
abgestimmt von den Übertragungsnetzbetreibern

Co-Location mit KI-Rechenzentren: ein Anschluss, zwei Welten

Statt Speicher und Last getrennt ans Netz zu bringen, koppelt die Co-Location beide hinter einem gemeinsamen Netzanschlusspunkt, zunehmend mit KI-Rechenzentren als Verbraucher. Ein gemeinsamer Anschluss für Erzeugung, Speicher und Last spart Anschlusskosten und Zeit und erhöht die Anschlusschance. Der Speicher glättet die schwankende Rechenzentrumslast, nutzt abgeregelte Erneuerbare und teilt sich Fläche und Kabeltrasse.

Flussdiagramm der Co-Location: ein gemeinsamer Netzanschlusspunkt verbindet Solar-Einspeisung, Batteriegroßspeicher und KI-Rechenzentrum zur Lastglättung
Co-Location im Prinzip: Solar speist ein und lädt den Speicher, der Batteriegroßspeicher puffert die schwankende Last des KI-Rechenzentrums und speist Überschüsse netzdienlich zurück.

Das größte deutsche Beispiel ist Projekt Jupiter in Brandenburg. WBS Power verkaufte das Vorhaben am 3. Dezember 2025 an Prime Capital und startete ein Joint Venture für ein angeschlossenes Hyperscale-Rechenzentrum. Geplant sind 500 Megawatt und 2.000 Megawattstunden Speicher, bis zu 150 Megawattpeak Solar und ein 500-Megawatt-Rechenzentrum an einer 380-Kilovolt-Leitung von 50Hertz, bei einem Investitionsvolumen von rund 500 Millionen Euro und Baubeginn Ende 2026 oder Anfang 2027. Wichtig zur Einordnung: Co-Location mit Rechenzentren ist in Deutschland noch in der Frühphase. Heute dominiert die Kombination aus Photovoltaik und Speicher, das Rechenzentrum als gekoppelter Verbraucher ist bislang die Ausnahme.

500 MW
Speicherleistung
bei 2.000 MWh Kapazität (Projekt Jupiter)
bis 150 MWp
Solarleistung
am gemeinsamen Anschlusspunkt
500 MW
Rechenzentrum
geplante Hyperscale-Last an 380 kV
rund 500 Mio. Euro
Investitionsvolumen
Baubeginn Ende 2026 oder Anfang 2027

Der Speicher dient in diesem Modell als Puffer für die Compute-Last, nicht als Frequenzwächter für das Netz. Die Stabilitätsrisiken, die große KI-Rechenzentren mit ihren schnellen Lastsprüngen für die Netzfrequenz bedeuten, sind ein eigenes Thema und werden im Beitrag zum NERC-Alarm zur Netzstabilität behandelt. Der allgemeine Energiehunger und die Standortstrategie der Rechenzentren wiederum sind Gegenstand des Beitrags zur Rechenzentrenstrategie und dem KI-Energiehunger . Hier geht es allein um den gemeinsamen Anschluss.

Die Antwort der Netz- und Marktseite: Reifegrad statt Windhund

Netzbetreiber und Regulierer reagieren auf die Welle, indem sie die Warteschlange neu ordnen. Zum 1. April 2026 löst ein zonen-übergreifendes Reifegradverfahren das Windhundprinzip ab: Anschlussbegehren für Batteriespeicher und Großverbraucher werden nach nachgewiesener Projektreife priorisiert, nicht nach Eingangsdatum. Reife Projekte rücken vor, unreife Anfragen werden zurückgestellt, statt strikt nach Eingangsreihenfolge zu verfahren.

Techniker kniet an einem offenen grauen Hochspannungsschrank und prüft gebündelte Kabel, ein Kollege mit Anschlussplan steht daneben, dahinter ein Speicher-Container
Vom Windhundprinzip zur Priorisierung: Nachgewiesene Projektreife und eine Gebühr von 50.000 Euro pro Anfrage sollen die Anschluss-Warteschlange ordnen.

Die Bundesnetzagentur flankiert das Verfahren regulatorisch. Sie hat einen FAQ-Katalog zum Netzanschluss von Batteriespeichern veröffentlicht, der das Warteschlangenmanagement erläutert, und bereitet die Festlegung zur Marktintegration von Speichern und Ladepunkten (MiSpeL) vor, die bis zum 30. Juni 2026 erwartet wird. Reifegradverfahren, Gebühr und MiSpeL greifen damit ineinander: Sie sollen den realen Projekten den Vortritt geben und die spekulativen Anfragen aus der Warteschlange drängen.

Warum der Blick in die USA lohnt: Die Vereinigten Staaten dienen als regulatorischer Vorlauf für co-lozierte Rechenzentren. Die FERC erklärte am 18. Dezember 2025 den Tarif des Netzbetreibers PJM für unjust and unreasonable, weil er co-lozierte Rechenzentrumslasten nicht klar regelt, und setzte PJM Fristen zum 20. Januar und 16. Februar 2026. In Texas regelt Senate Bill 6 die Co-Location und Großlasten ab 75 Megawatt neu, und ERCOT geht ab dem 1. August 2026 zu einem Batch-Study-Verfahren über. Diese Schritte zeigen, welche Fragen auch in Deutschland früh geklärt werden müssen.

Risiken: Geisterwarteschlangen, Netzstress und Fairness

So nützlich Co-Location und Reifegradverfahren sind, sie lösen drei Risiken nicht von allein. Geisterwarteschlangen blockieren Kapazität, die nie gebaut wird; eine Konzentration großer, gekoppelter Lasten kann lokale Netze überlasten; und ein Vorzug für kapitalstarke Co-Location-Projekte kann kleinere Projektierer benachteiligen. Wer die Welle steuert, muss diese Verteilungsfragen offen adressieren.

Risiko Was passiert Was es dämpft
Geisterwarteschlangen reservierte, aber unrealisierte Kapazität verzögert echte Projekte Reifegradverfahren und 50.000-Euro-Gebühr, aber kein vollständiger Filter
Netzstress große co-lozierte Lasten verschieben Netzplanung und Netzentgelte klare Anschlussregeln, wie sie die US-Debatte um PJM und ERCOT erprobt
Fairness kapitalstarke Co-Location-Projekte können kleinere Projektierer verdrängen transparente, nachvollziehbare Priorisierung und offene Kapazitätsdaten

Die Größenordnung des Phantom-Risikos zeigt eine einzige Zahl. Die Bundesnetzagentur erwartet in ihrer Realprognose bis 2037 nur einen Speicherbestand von rund 24 Gigawatt, ein Bruchteil der angefragten Leistung. Die rund 226 Gigawatt bei den Übertragungsnetzbetreibern und die rund 400 Gigawatt über alle Ebenen sind also keine Vorhersage, sondern ein Stresssignal für das Anschlussverfahren. Der Streit um die faire Kostenverteilung, den die US-Debatte um PJM und ERCOT vorzeichnet, dürfte auch in Deutschland an Schärfe gewinnen, sobald die ersten großen co-lozierten Lasten konkret werden.

Kernpunkt

Die Welle ist real, die gebaute Leistung wird es nur zum kleinen Teil. Zwischen rund 400 Gigawatt Anfragen und rund 24 Gigawatt erwartetem Bestand bis 2037 liegt die eigentliche Aufgabe: die Warteschlange so zu ordnen, dass reale Projekte vorankommen, Netze nicht überlastet werden und kleinere Projektierer nicht verdrängt werden.

Was Netzbetreiber, Projektierer und Rechenzentrumsbetreiber jetzt tun sollten

Unabhängig vom konkreten Projekt läuft alles auf dieselbe Fähigkeit hinaus: Anschlussanfragen, Reifegrad und Co-Location-Standortdaten sauber, vergleichbar und prozessfähig zu führen. Wer Warteschlangen-Transparenz, Reifegrad-Nachweise und eine Datenarchitektur für gemeinsame Anschlusspunkte frühzeitig aufbaut, kann ohne Bruch anschließen, statt im Eiltempo nachzurüsten.

  1. Netzbetreiber: Warteschlange digitalisieren

    Warteschlangen- und Reifegradmanagement gehören in einen nachvollziehbaren digitalen Prozess. Anschlussanfragen sollten vergleichbar dokumentiert werden, damit sich Phantomanfragen früh erkennen und reife Projekte sauber priorisieren lassen, statt die Reihenfolge im Einzelfall zu verteidigen.

  2. Projektierer: Reifegrad früh nachweisen

    Reifegrad-Nachweise und Standort- sowie Flächendaten sollten früh konsolidiert werden, denn ab dem 1. April 2026 entscheidet die Reife über den Platz in der Warteschlange. Co-Location ist dabei als gemeinsamer Anschluss zu denken, nicht als Summe von Einzelanlagen.

  3. Rechenzentrumsbetreiber: Last und Speicher gemeinsam planen

    Lastprofil, Speicher-Auslegung und Anschlusspunkt-Daten sollten von Anfang an zusammen geplant werden, damit der Speicher die Compute-Last sauber glättet. Die Regulatorik um MiSpeL und die US-Vorbilder FERC und Senate Bill 6 gehören dabei aktiv beobachtet.

  4. Gemeinsame Datenbasis schaffen

    Alle drei Rollen brauchen dieselbe belastbare Datenbasis über freie und knappe Netzkapazität. Wer Anschlusspunkt, Erzeugung, Speicher und Last in einem konsistenten Datenmodell führt, kann den gemeinsamen Anschluss vertragsfähig und prüffest abbilden.

Wichtig

Die Anschlusswelle ist 2026 vor allem ein Daten- und Prozessthema, kein reines Bauthema. Wer Warteschlangen-Transparenz, Reifegrad-Nachweise und eine Datenarchitektur für gemeinsame Anschlusspunkte jetzt als ein Fundament denkt, kann Speicher und Co-Location-Projekte schneller anschließen. Dieselbe Datenbasis trägt auch das marktbasierte Engpassmanagement nach Redispatch 3.0 .

Weiterführende Informationen

Häufig gestellte Fragen

Was bedeuten die 226 Gigawatt Anschlussanfragen für Batteriespeicher? +

Den vier Übertragungsnetzbetreibern lagen zum Jahreswechsel 2024/2025 rund 650 Anschlussanfragen für große Batteriespeicher mit zusammen rund 226 Gigawatt vor, über alle Spannungsebenen zählte die Bundesnetzagentur für 2024 fast 10.000 Begehren mit rund 400 Gigawatt und 661 Gigawattstunden. Das sind reine Anschlussanfragen, keine gebaute Kapazität. Tatsächlich am Netz waren Ende 2024 nur rund 2,3 Gigawatt Großspeicher. Die Differenz zwischen Antrag und Realität ist der Kern des Problems.

Was sind Phantomprojekte bei Batteriespeichern? +

Phantomprojekte sind Anschlussanfragen für Batteriespeicher, die ohne ernsthafte Realisierungsabsicht eingereicht werden, oft an mehreren Standorten parallel, um früh und unverbindlich Netzkapazität zu reservieren. Amprion gibt an, dass rund 65 Prozent der eingereichten Projekte nicht weiterverfolgt werden. Von rund 400 Gigawatt angefragter Leistung erhielten 2024 nur rund 25 Gigawatt eine Zusage. Die Übertragungsnetzbetreiber haben deshalb eine abgestimmte Gebühr von 50.000 Euro pro Anschlussanfrage eingeführt.

Was ist Co-Location von Batteriespeicher und Rechenzentrum? +

Co-Location bezeichnet die Kopplung von Batteriegroßspeicher, Photovoltaik und zunehmend KI-Rechenzentrum hinter einem gemeinsamen Netzanschlusspunkt. Der Speicher glättet die schwankende Rechenzentrumslast, nutzt abgeregelte Erneuerbare und teilt sich Anschluss, Fläche und Kabeltrasse. Das größte deutsche Beispiel ist Projekt Jupiter in Brandenburg mit 500 Megawatt und 2.000 Megawattstunden Speicher, bis zu 150 Megawattpeak Solar und einem geplanten 500-Megawatt-Hyperscale-Rechenzentrum an einer 380-Kilovolt-Leitung. Co-Location mit Rechenzentren ist in Deutschland noch in der Frühphase; heute dominiert die Kombination aus Photovoltaik und Speicher.

Was ändert das Reifegradverfahren ab April 2026? +

Zum 1. April 2026 löst ein zonen-übergreifendes Reifegradverfahren das bisherige First-come-first-served-Prinzip ab. Anschlussbegehren für Batteriespeicher und Großverbraucher werden nicht mehr nach Eingangsreihenfolge bearbeitet, sondern nach nachgewiesener Projektreife priorisiert. Zusammen mit der Gebühr von 50.000 Euro pro Anfrage soll das Verfahren spekulative Phantomprojekte herausfiltern und realen Projekten den Vortritt geben. Die Bundesnetzagentur flankiert das mit einem FAQ-Katalog zum Speicheranschluss und der Festlegung zur Marktintegration von Speichern (MiSpeL).

Wie viel Batteriespeicher-Kapazität wird realistisch gebaut? +

Deutlich weniger, als die Anschlussanfragen vermuten lassen. Die Bundesnetzagentur erwartet in ihrer Realprognose bis 2037 einen Speicherbestand von nur rund 24 Gigawatt, ein Bruchteil der rund 400 Gigawatt angefragter Leistung. Ende 2024 waren rund 2,3 Gigawatt Großspeicher in rund 920 Anlagen in Betrieb, im ersten Quartal 2026 kam mit rund 2,2 Gigawattstunden ein Rekordzubau hinzu, davon rund 1,0 Gigawattstunde Großspeicher. Die Lücke zwischen Antrag und gebauter Leistung bleibt der entscheidende Unsicherheitsfaktor.