Kommunale Wärmeplanung: was der Stichtag 30. Juni 2026 für Großstädte bedeutet
Grundlage ist das Wärmeplanungsgesetz, das seit dem 1. Januar 2024 erstmals eine bundesweite, flächendeckende Pflicht zur Wärmeplanung schafft. Der Plan zeigt, welche Quartiere künftig ein Wärmenetz bekommen und welche dezentral bleiben. Bis Juli 2026 entschied er außerdem mit, ab wann in einer Stadt die 65-Prozent-Erneuerbaren-Pflicht des Gebäudeenergiegesetzes greifen sollte; diese Kopplung ist seit dem 29. Juli 2026 gestrichen. Für Stadtwerke bleibt er die Grundlage jeder belastbaren Netzausbau-Investition.
Die Erzeugungstechnik der Fernwärme und der Transformationsplan der Gasverteilnetze sind eigene Themen und werden hier nur als Bezug gestreift.
Das Wärmeplanungsgesetz (WPG, Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze) ist seit dem 1. Januar 2024 in Kraft und schafft erstmals eine bundesweite, flächendeckende Pflicht zur Wärmeplanung. Bis zum 30. Juni 2026 mussten 84 deutsche Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern einen kommunalen Wärmeplan vorlegen, alle kleineren Gemeindegebiete haben bis zum 30. Juni 2028 Zeit; betroffen sind insgesamt rund 10.700 Kommunen, Ziel ist die klimaneutrale Wärmeversorgung bis spätestens 2045. Der Plan entsteht nach einer vierstufigen Methodik: Eignungsprüfung (Paragraf 14 WPG), Bestandsanalyse, Potenzialanalyse sowie Zielszenario mit Einteilung in voraussichtliche Wärmeversorgungsgebiete und Umsetzungsstrategie. Das WPG kennt vier Gebietskategorien: Wärmenetzgebiet (Paragraf 3 Nr. 18), Wasserstoffnetzgebiet (Paragraf 3 Nr. 23, in der Praxis die Ausnahme), Gebiet für die dezentrale Wärmeversorgung (Paragraf 3 Nr. 6) und Prüfgebiet (Paragraf 3 Nr. 10). Wichtig: Diese Einteilung ist eine Prognose, keine Anschlusspflicht und keine Bauvorgabe; der Wärmeplan ist laut Paragraf 3 Nr. 20 WPG ausdrücklich rechtlich unverbindlich, und auch eine Gebietsausweisung nach Paragraf 26 WPG verpflichtet Eigentümer nicht (Paragraf 27 WPG). Die Verzahnung mit dem Gebäudeenergiegesetz gibt es nicht mehr: Nach GEG Paragraf 71 Abs. 8 sollte die 65-Prozent-Erneuerbaren-Pflicht für Heizungen in bestehenden Gebäuden in den Großstädten nach dem 30. Juni 2026 greifen, in kleineren Kommunen nach dem 30. Juni 2028. Ende Juni 2026 verschob der Gesetzgeber den Großstadt-Termin auf den 31. Oktober 2026, zum 29. Juli 2026 strich er die Paragrafen 71 bis 73 ganz (Gesetz vom 23. Juli 2026, BGBl. 2026 I Nr. 226); das Gesetz heißt seitdem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) und knüpft keine Heizungspflicht mehr an den Wärmeplan. Kurz vor dem Stichtag erwartete das Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (KWW), dass die Großstädte die Frist einhalten: sechs der zehn größten Städte hatten beschlossen oder waren in finaler Offenlage, etwa 80 Prozent der mittelgroßen Kommunen und über die Hälfte der kleinen Gemeinden arbeiteten bereits am Plan oder waren fertig. Finanziert wird die Planung seit Ende 2023 nicht mehr über die Kommunalrichtlinie, sondern über Konnexitätsmittel des Bundes, 500 Mio. Euro für 2024 bis 2028. Für Stadtwerke heißt das: belastbare Datenbasis aufbauen, Ausbaugebiete priorisieren, die Rechtswirkung der Gebietsausweisung mitdenken und die Bürgerkommunikation früh aufsetzen, denn der Wärmeplan ist die Eintrittskarte zu jeder belastbaren Netzausbau-Investition.
Was zum 30. Juni 2026 für Großstädte gilt
Am 30. Juni 2026 endete die wichtigste Frist der ersten Stufe der kommunalen Wärmeplanung. Alle 84 deutschen Gemeindegebiete mit mehr als 100.000 Einwohnern mussten bis zu diesem Tag einen kommunalen Wärmeplan vorlegen. Für alle kleineren Kommunen läuft die Frist zwei Jahre später ab, am 30. Juni 2028. Grundlage ist das Wärmeplanungsgesetz, kurz WPG, dessen vollständiger Titel Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze lautet. Es ist seit dem 1. Januar 2024 in Kraft und schafft erstmals eine bundesweite, flächendeckende Pflicht zur Wärmeplanung, die es in dieser Form vorher nicht gab.
Die Dimension ist erheblich. Insgesamt sind rund 10.700 Kommunen betroffen, also praktisch jedes Gemeindegebiet in Deutschland. Die 84 Großstädte sind dabei nur die erste Welle, sie mussten wegen ihrer Größe und ihrer komplexen Versorgungsstruktur zuerst liefern. Hinter der gestaffelten Frist steht die Annahme, dass dort, wo viele Menschen auf engem Raum wohnen, die Wärmewende am schnellsten geplant werden muss und ein Wärmenetz am ehesten wirtschaftlich ist.
Inhaltlich beantwortet der Wärmeplan eine einzige, strategische Frage: Wie soll die Wärmeversorgung jedes Quartiers bis spätestens 2045 klimaneutral werden. Er ist damit kein technisches Detailgutachten und keine Bauplanung, sondern eine vorausschauende Fachplanung, die das gesamte Gemeindegebiet betrachtet und für jedes Teilgebiet einen wahrscheinlichen Versorgungspfad skizziert. Der Plan legt fest, wo ein Wärmenetz aufgebaut oder ausgebaut werden soll und wo die Versorgung voraussichtlich dezentral über Einzelheizungen läuft.
Für Stadtwerke und kommunale Versorger sollte dieser Stichtag doppelt bedeutsam werden. Erstens ist der Wärmeplan die Grundlage jeder belastbaren Investitionsentscheidung für den Fernwärmeausbau, denn erst seine Einteilung sagt, wo sich der milliardenschwere Netzausbau lohnt. Zweitens sollte am Stichtag die 65-Prozent-Pflicht des Gebäudeenergiegesetzes für die Heizungen von Millionen Haushalten hängen. Diese Kopplung hat der Gesetzgeber im Juli 2026 gestrichen, der Abschnitt zum Gebäudeenergiegesetz zeichnet das nach. Der 30. Juni 2026 war deshalb weniger ein bürokratischer Endpunkt als der Startschuss für die konkrete Umsetzung der Wärmewende vor Ort.
Die vier Schritte der Wärmeplanung
Der Wärmeplan entsteht nicht frei, sondern nach einer im WPG vorgegebenen Methodik. Auf eine Eignungsprüfung folgen die Bestandsanalyse, die Potenzialanalyse und schließlich ein Zielszenario, das in die Einteilung des Gebiets und eine Umsetzungsstrategie mündet. Die Wärmeplanung ist damit kein einmaliges Gutachten, sondern ein strukturierter, datengetriebener Prozess mit definierten Zwischenergebnissen, die die planungsverantwortliche Stelle veröffentlichen muss. Diese vier Schritte bauen aufeinander auf und führen Schritt für Schritt von der groben Übersicht zur konkreten Einteilung.
Am Anfang steht die Eignungsprüfung nach Paragraf 14 WPG. Sie ist eine grobe Vorabprüfung, die ermittelt, welche Teilgebiete als Wärme- oder Wasserstoffnetz von vornherein ausscheiden, etwa weil die Bebauung zu dünn ist. Solche Gebiete lassen sich über eine verkürzte Planung direkt als dezentral ausweisen, was der Kommune Aufwand spart und die eigentliche, vertiefte Planung auf die wirklich offenen Gebiete konzentriert. Die Eignungsprüfung ist damit ein Filter, der die Arbeit auf das Wesentliche lenkt.
Es folgen die beiden analytischen Schritte. Die Bestandsanalyse erfasst den heutigen Wärmebedarf, die Versorgungsstruktur und die Treibhausgasemissionen je Teilgebiet, sie ist die Inventur des Status quo. Die Potenzialanalyse blickt nach vorn und erhebt die lokal verfügbare erneuerbare Wärme, die unvermeidbare Abwärme sowie die Speicher- und Einsparpotenziale. Erst beide Analysen zusammen zeigen, wo eine klimaneutrale Versorgung realistisch über ein Netz und wo sie besser dezentral gelingt. Die Qualität dieser Daten entscheidet maßgeblich über die Belastbarkeit des gesamten Plans.
Der vierte Schritt führt alles zusammen. Aus Bestand und Potenzial entwirft die Kommune ein Zielszenario für das Jahr 2045 und teilt das Gebiet in voraussichtliche Wärmeversorgungsgebiete ein. Daran schließt eine Umsetzungsstrategie mit konkreten Maßnahmen an, die die ersten Jahre der Wärmewende vor Ort beschreibt. Welche Kategorien die Einteilung dabei kennt und was sie rechtlich bedeuten, ist das eigentliche Kernergebnis für Stadtwerke und Thema des nächsten Abschnitts.
Wärmenetzgebiet, Prüfgebiet, dezentral: was die Einteilung bedeutet
Das Kernergebnis des Wärmeplans für Stadtwerke ist die Einteilung des Stadtgebiets in voraussichtliche Wärmeversorgungsgebiete. Sie ist die Antwort auf die Frage, mit welcher Wärmeinfrastruktur ein Quartier künftig versorgt werden soll, und sie entscheidet faktisch über die Versorgungslogik ganzer Stadtteile. Das WPG kennt dafür vier klar definierte Kategorien, die in den Begriffsbestimmungen des Paragrafen 3 festgelegt sind.
Die erste Kategorie ist das Wärmenetzgebiet nach Paragraf 3 Nr. 18: Hier besteht bereits ein Wärmenetz oder ein solches ist geplant, und ein erheblicher Anteil der Letztverbraucher soll künftig darüber versorgt werden. Die zweite ist das Wasserstoffnetzgebiet nach Paragraf 3 Nr. 23, in dem die Versorgung über ein Wasserstoffnetz vorgesehen ist; das ist in der Praxis bislang die seltene Ausnahme. Die dritte Kategorie ist das Gebiet für die dezentrale Wärmeversorgung nach Paragraf 3 Nr. 6: Dort findet überwiegend keine Versorgung über ein Wärme- oder Gasnetz statt, die Wärme kommt aus Einzelheizungen wie Wärmepumpen. Die vierte ist das Prüfgebiet nach Paragraf 3 Nr. 10, in dem die Versorgungsform noch offen bleibt, weil die nötigen Umstände noch nicht ausreichend bekannt sind.
Entscheidend ist, was diese Einteilung nicht ist: Sie ist eine Prognose, keine Anschlusspflicht und keine Bauvorgabe. Der Wärmeplan ist laut Paragraf 3 Nr. 20 WPG ausdrücklich eine rechtlich unverbindliche, strategische Fachplanung. Aus der bloßen Zuordnung eines Quartiers zu einer Kategorie entsteht zunächst keine Pflicht, weder für die Kommune zu bauen noch für Eigentümer anzuschließen. Auch eine gesonderte Gebietsausweisung nach Paragraf 26 WPG, ein eigener, nachgelagerter Rechtsakt, verpflichtet Eigentümer nicht; sie fließt nach Paragraf 27 WPG in Bauleitpläne und andere Planungen ein. Die Einteilung ist damit zuerst eine Orientierung, die zeigt, wohin die Versorgung eines Gebiets voraussichtlich läuft.
Für Versorger ist genau diese Prognose die wertvollste Information des ganzen Plans. Ein Wärmenetzgebiet markiert den Raum, in dem sich ein Netzausbau lohnen kann und in dem die klimaneutrale Erzeugung über Großwärmepumpen und Power-to-Heat folgt. Ein dezentrales Gebiet sagt umgekehrt, dass hier kein Netz kommt und Eigentümer auf Einzellösungen setzen sollten. Ein Prüfgebiet hält die Option bewusst offen. Aus dieser Karte leiten Stadtwerke ab, wo sie investieren, in welcher Reihenfolge sie ausbauen und wo sie ihren Kunden frühzeitig Klarheit geben können.
Die gestrichene Verzahnung mit dem Gebäudeenergiegesetz
Bis Ende Juli 2026 hing am Wärmeplan auch das Heizungsrecht. Nach Paragraf 71 Abs. 8 des Gebäudeenergiegesetzes, kurz GEG, sollte die 65-Prozent-Erneuerbaren-Pflicht für neu eingebaute Heizungen in bestehenden Gebäuden in Großstädten über 100.000 Einwohner nach dem 30. Juni 2026 greifen, in kleineren Kommunen nach dem 30. Juni 2028. Eine Kommune konnte die Pflicht über eine vorgezogene Gebietsausweisung nach Paragraf 26 WPG früher auslösen, dann galt sie einen Monat nach Bekanntgabe der Entscheidung. Der Stichtag der Wärmeplanung wäre damit zugleich der Stichtag des Heizungsrechts geworden.
So kam es nicht. Ende Juni 2026 schob der Gesetzgeber den Großstadt-Termin auf den 31. Oktober 2026 (Artikel 8 des Gesetzes vom 22. Juni 2026, BGBl. 2026 I Nr. 191). Vier Wochen später strich er die Paragrafen 71 bis 73 ganz: Artikel 1 Nr. 32 des Gesetzes vom 23. Juli 2026, BGBl. 2026 I Nr. 226, gilt seit dem 29. Juli 2026. Das GEG heißt seitdem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Über den Stichtag 30. Juni 2026 hat die 65-Prozent-Pflicht in den Großstädten also nie gegriffen.
Was gilt heute? Paragraf 42 GModG zählt zehn Optionen für den Heizungstausch auf, darunter Wärmepumpe, Anschluss an ein Wärmenetz und Gasheizung; für einige davon setzen die Paragrafen 43 bis 46 Maßgaben. Eigentümer, die nach dem 29. Juli 2026 eine Gas-, Öl- oder Flüssiggasheizung in ein bestehendes Gebäude einbauen, müssen sicherstellen, dass ab 2029 mindestens 10 Prozent der Wärme aus Biomethan, Bioöl, biogenem Flüssiggas oder Wasserstoff stammen, ab 2030 15, ab 2035 30 und ab 2040 60 Prozent (Paragraf 43 GModG). Einen Bezug zum Wärmeplan enthält das Gesetz nicht mehr.
Auch im Wärmeplanungsgesetz sind die Verweise auf das GEG gestrichen (Artikel 8 Abs. 10 desselben Gesetzes). Eine Gebietsausweisung nach Paragraf 26 WPG löst deshalb keine Heizungspflicht mehr aus; nach Paragraf 27 Abs. 2 WPG ist sie nur noch in Bauleitplänen und anderen Planungen zu berücksichtigen. Für Eigentümer bleibt der Wärmeplan eine Orientierung, ob im eigenen Quartier ein Wärmenetz zu erwarten ist. Anschlüsse ans Wärmenetz müssen Stadtwerke damit stärker über Preis und Angebot gewinnen als über das Heizungsrecht.
Stand Juni 2026 und die Finanzierung
Kurz vor dem Stichtag erwartete das Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende, kurz KWW, dass die Großstädte die Frist einhalten. Dessen Leiter Robert Brückmann verwies darauf, dass sechs der zehn größten Städte Mitte 2026 ihren Plan bereits beschlossen hatten oder sich in der finalen Offenlage befanden. Auch in der Breite kam die Planung voran: Etwa 80 Prozent der mittelgroßen Kommunen und über die Hälfte der kleinen Gemeinden arbeiteten bereits am Plan oder waren fertig, obwohl ihre Frist erst 2028 abläuft.
Die konkreten Beschlüsse untermauern das Bild. München beschloss seinen Wärmeplan am 26. November 2025, Stuttgart war schon 2023 fertig, Essen folgte am 25. März 2026 und Düsseldorf am 7. Mai 2026. Hamburg, Frankfurt und Dortmund standen im Juni 2026 im Endspurt. Vorreiter war das Land Baden-Württemberg, das über sein Klimaschutzgesetz (KlimaG BW) seine Stadtkreise und Großen Kreisstädte bereits zum 31. Dezember 2023 zur Planung verpflichtet hatte; dort waren 103 Kommunen planungspflichtig, lange bevor die bundesweite Frist überhaupt griff.
Bei der Finanzierung hat sich der Rahmen mit dem WPG verschoben. Bis Ende 2023 lief die Förderung über die Kommunalrichtlinie mit einer Quote von bis zu 90 Prozent; diese Förderung endete Mitte Dezember 2023 mit dem Inkrafttreten des Gesetzes. Seitdem stellt der Bund den Ländern als Konnexitätsausgleich insgesamt 500 Mio. Euro für die Jahre 2024 bis 2028 bereit, in fünf Tranchen zu je 100 Mio. Euro über einen Umsatzsteuerfestbetrag. Die Länder reichen diese Mittel an ihre planungspflichtigen Kommunen weiter, die Ausgestaltung unterscheidet sich daher von Land zu Land.
Zur Einordnung der Aufgabe lohnt ein Blick auf die heutige Versorgung: Bundesweit sind nur rund 14 Prozent der Haushalte über ein Nah- oder Fernwärmenetz versorgt. Der weitaus größte Teil der Wärme kommt also weiterhin aus dezentralen, überwiegend fossilen Einzelheizungen. Genau diese Lücke soll die kommunale Wärmeplanung schließen, indem sie für jedes Quartier den Weg zur klimaneutralen Versorgung vorzeichnet. Kritische Stimmen weisen zugleich auf die Unsicherheit der Datenbasis hin, denn viele Pläne beruhen auf Schätzungen, die in der Umsetzung nachgeschärft werden müssen.
Was Stadtwerke und Versorger jetzt tun sollten
Für Stadtwerke ist der Wärmeplan die Eintrittskarte zu jeder belastbaren Netzausbau-Investition. Die Einteilung in Wärmenetzgebiet oder dezentrales Gebiet definiert das künftige Geschäftsfeld und die Reihenfolge des Ausbaus über Jahrzehnte. Sie sollten den Plan deshalb nicht als reine Pflichtübung der Kommune behandeln, sondern als gemeinsame Datengrundlage aktiv mitgestalten, die künftig über den Datenraum Wärmeplanung läuft, und ihre eigene Datenqualität in den Prozess einbringen. Wer hier nur zuschaut, überlässt anderen die Karte, auf der das eigene Geschäft eingezeichnet wird.
Der erste Schritt ist eine belastbare Datenbasis. Wärmeverbrauch, Netzbestand und Lastprofile gehören als gesicherte Grundlage in die Bestands- und Potenzialanalyse, denn von der Datenqualität hängt die Aussagekraft des gesamten Plans ab. Auf dieser Basis lassen sich die Ausbaugebiete priorisieren: Aus der Gebietseinteilung sollten Versorger eine konkrete Reihenfolge des Netzausbaus und realistische Anschlussquoten-Ziele ableiten, statt alle Wärmenetzgebiete gleichzeitig anzugehen. Die laufende Betriebsoptimierung der Bestandsnetze, etwa mit einem digitalen Zwilling und KI, läuft parallel weiter.
Zugleich gilt es, die Rechtswirkung mitzudenken. Eine Gebietsausweisung nach Paragraf 26 WPG löst seit dem 29. Juli 2026 keine Heizungspflicht für Eigentümer mehr aus, sie ist aber in Bauleitplänen und anderen Planungen zu berücksichtigen. Sie sollten prüfen, wo eine solche Ausweisung den Netzausbau planerisch absichert und wo Prüfgebiete bewusst offen bleiben sollten, solange die Datenlage es nicht hergibt. Diese Abwägung ist eng mit dem Transformationsplan der Gasverteilnetze verzahnt, denn wo ein Wärmenetz kommt, stellt sich die Frage nach der Stilllegung des Gasnetzes, und beide Planungen müssen zusammenpassen.
Schließlich entscheidet die Bürgerkommunikation über die Akzeptanz. Eigentümer brauchen früh Klarheit, ob ihr Quartier voraussichtlich ein Wärmenetz, ein Prüfgebiet oder ein dezentrales Gebiet wird, um ihre eigene Heizungsentscheidung darauf abstimmen zu können. Wer transparent kommuniziert, gibt Planungssicherheit und vermeidet Fehlinvestitionen auf beiden Seiten. Die kommunale Wärmeplanung ist damit für Stadtwerke nicht nur eine regulatorische Frist, sondern Teil eines größeren regulatorischen Rahmens der Energiewende, in dem sich Strom-, Gas- und Wärmeplanung zunehmend verzahnen.
Frist, Marktrollen, Systeme
30.06.2028WPG: Wärmepläne für alle Gemeindegebiete bis 100.000 EinwohnerGesetz · beschlossen
Anwendbarkeit: Die Länder müssen sicherstellen, dass die Wärmepläne erstellt werden, und übertragen die Pflicht meist per Verordnung auf die Gemeinden (§ 4 Abs. 1, § 33 Abs. 1 WPG); maßgeblich ist die Einwohnerzahl zum 1. Januar 2024. Netzbetreiber liefern Daten zu.
Wenn die Frist nicht eingehalten wird: Keine direkte Rechtsfolge Die Frist trifft die planungsverantwortlichen Stellen, meist die Kommunen, nicht die Netzbetreiber. Liefern Netz- oder Wärmenetzbetreiber die nach § 11 Abs. 1 Nr. 2 WPG geschuldeten Auskünfte nicht, kann die Stelle sie nach § 11 Abs. 6 WPG mit Fristsetzung anordnen. Rechtsgrundlage ↗
- Netzbetreiber GasbetroffenStimmt Gasnetzgebiete und Umstellungspfade mit der kommunalen Wärmeplanung ab.Typisch betroffen: Netzplanung, GIS, Netzberechnung
- WärmenetzbetreiberbetroffenLiefert der Kommune Daten zu Netz, Erzeugung und Ausbauplänen für die Wärmeplanung.Typisch betroffen: Netzplanung, GIS, Netzberechnung
Einordnung für typische Marktrollen, keine Prüfung Ihres Einzelfalls und keine Rechtsberatung. Ob eine Pflicht für Ihr Unternehmen gilt (Schwellenwerte, Ausnahmen), klären Sie mit Ihrer Rechtsabteilung oder Rechtsberatung. Der Kalender ersetzt keine eigene Fristenprüfung. Stand der Angaben: 01.11.2026.
Weiterführende Informationen
Häufig gestellte Fragen
Das Wärmeplanungsgesetz (WPG) ist seit dem 1. Januar 2024 in Kraft und schafft erstmals eine bundesweite, flächendeckende Pflicht zur Wärmeplanung. Nach Paragraf 4 WPG mussten alle 84 deutschen Gemeindegebiete mit mehr als 100.000 Einwohnern bis spätestens zum 30. Juni 2026 einen kommunalen Wärmeplan vorlegen; alle kleineren Gemeindegebiete haben bis zum 30. Juni 2028 Zeit. Betroffen sind insgesamt rund 10.700 Kommunen. Der Plan beantwortet eine einzige strategische Frage: Wie soll die Wärmeversorgung jedes Quartiers bis spätestens 2045 klimaneutral werden. Der Wärmeplan selbst ist dabei eine strategische Fachplanung, kein Bauplan und keine Anschlusspflicht.
Das Kernergebnis des Wärmeplans ist die Einteilung des Stadtgebiets in voraussichtliche Wärmeversorgungsgebiete. Das WPG kennt vier Kategorien: das Wärmenetzgebiet (Paragraf 3 Nr. 18), in dem ein Wärmenetz besteht oder geplant ist; das Wasserstoffnetzgebiet (Paragraf 3 Nr. 23), in der Praxis die Ausnahme; das Gebiet für die dezentrale Wärmeversorgung (Paragraf 3 Nr. 6), in dem überwiegend Einzelheizungen wie Wärmepumpen vorgesehen sind; und das Prüfgebiet (Paragraf 3 Nr. 10), in dem die Versorgungsform noch offen ist. Wichtig ist: Diese Einteilung ist eine Prognose, keine Anschlusspflicht und keine Bauvorgabe. Sie zeigt Versorgern und Eigentümern, wohin die Wärmeversorgung eines Quartiers voraussichtlich läuft.
Nein. Der Wärmeplan ist laut Paragraf 3 Nr. 20 WPG ausdrücklich eine rechtlich unverbindliche, strategische Fachplanung. Aus der bloßen Einteilung eines Quartiers in ein voraussichtliches Wärmeversorgungsgebiet entsteht zunächst keine Pflicht für Gebäudeeigentümer, weder ein Anschlusszwang noch eine Austauschpflicht für die Heizung. Auch eine gesonderte Gebietsausweisung nach Paragraf 26 WPG begründet nach Paragraf 27 Abs. 1 WPG keine Pflicht, eine bestimmte Wärmeversorgung zu nutzen. Eine Heizungspflicht nach dem Gebäudeenergiegesetz löst sie seit dem 29. Juli 2026 ebenfalls nicht mehr aus, weil der Gesetzgeber die Paragrafen 71 bis 73 GEG an diesem Tag gestrichen hat. Der Wärmeplan ist damit zuerst eine Orientierung, kein Eingriff in das Eigentum.
Seit dem 29. Juli 2026 nicht mehr. Bis dahin legte GEG Paragraf 71 Abs. 8 fest, ab wann die 65-Prozent-Erneuerbaren-Pflicht für neue Heizungen in bestehenden Gebäuden greift: in Großstädten über 100.000 Einwohner nach dem 30. Juni 2026, in kleineren Kommunen nach dem 30. Juni 2028, nach einer vorgezogenen Gebietsausweisung nach Paragraf 26 WPG schon einen Monat nach deren Bekanntgabe. Ende Juni 2026 verschob der Gesetzgeber den Termin für die Großstädte auf den 31. Oktober 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 191). Mit dem Gesetz vom 23. Juli 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 226) strich er die Paragrafen 71 bis 73 zum 29. Juli 2026 und benannte das GEG in Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) um. Das GModG knüpft die Anforderungen an neue Heizungen nicht mehr an den Wärmeplan. Eigentümer, die nach dem 29. Juli 2026 eine Gas- oder Ölheizung in ein bestehendes Gebäude einbauen, müssen ab 2029 einen steigenden Anteil Biomethan, Bioöl oder Wasserstoff sicherstellen (Paragraf 43 GModG).
Die Finanzierung lief bis Ende 2023 über die Kommunalrichtlinie mit einer Förderquote von bis zu 90 Prozent; diese Förderung endete Mitte Dezember 2023 mit dem Inkrafttreten des WPG. Seitdem stellt der Bund den Ländern als Konnexitätsausgleich insgesamt 500 Mio. Euro für die Jahre 2024 bis 2028 bereit, in fünf Tranchen zu je 100 Mio. Euro über einen Umsatzsteuerfestbetrag. Die Länder reichen diese Mittel an ihre planungspflichtigen Kommunen weiter. Baden-Württemberg war Vorreiter und hatte Stadtkreise und Große Kreisstädte über das Landesrecht (KlimaG BW) bereits zum 31. Dezember 2023 zur Planung verpflichtet, 103 Kommunen waren dort planungspflichtig.
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