Das Smart Meter Gateway der neuen Generation: Tarifanwendungsfälle und WAN-Technik
Dieser Artikel ordnet ein, was das Gerät selbst kann, für Messstellenbetreiber, Stadtwerke, Energieversorger und SMGW-Hersteller: das Framework der Tarifanwendungsfälle, der technische Weg dynamischer Tarife über TAF 7 und die WAN-Kommunikationstechnologien am Gateway, von LTE und Powerline bis zum dedizierten LTE-450-Netz. Wichtig zur Abgrenzung: Die Backend-Seite mit GWA-System und PKI sowie die HAN-Seite mit EEBUS und der Gerätesprache im Haus sind eigene Artikel. Hier geht es um die Geräteseite zwischen Zähler und Weitverkehrsnetz.
Neue Generation ist beim Smart Meter Gateway ein Branchenbegriff, keine offizielle BSI-Norm. Gemeint sind Geräte, die per Re-Zertifizierung mehr können als die ersten Gateways, beim Tarif wie bei der Funkanbindung. Die BSI TR-03109-1 kennt 14 Tarifanwendungsfälle, TAF 1 bis 14, normativ verfügbar und zertifiziert sind aktuell sieben: TAF 1, 2, 6, 7, 9, 10 und 14. Die erste Generation konnte TAF 1, 2, 6 und 7, per Re-Zertifizierung kamen die netzdienlichen TAF 9 und 10 sowie der hochfrequente TAF 14 hinzu, oft per Firmware-Update. Dynamische Stromtarife laufen technisch über TAF 7, den Zählerstandsgang mit 15-Minuten-Werten, ergänzt um TAF 2, nicht über TAF 14 oder TAF 9. Seit dem 1. Januar 2025 muss jeder Stromlieferant mindestens einen dynamischen Tarif anbieten, Paragraf 41a EnWG, Voraussetzung beim Kunden ist ein intelligentes Messsystem. Am Weitverkehrsnetz nutzt das SMGW Mobilfunk, Breitband-Powerline nach IEEE 1901 und Ethernet oder Glasfaser, neu im Hochlauf ist das dedizierte 450-MHz-Netz LTE-450 für kritische Infrastruktur, mit besserer Gebäudedurchdringung und 72 Stunden Notstrom. Die LTE-450-Abdeckung stieg 2025 von 34 auf rund 90 Prozent, drei SMGW sind zertifiziert, mehr als 10.000 sind im Netz aktiv. Wer die WAN-Strategie je Standort plant, Bestandsgeräte per Firmware hebt und dynamische Tarife auf TAF-7-Werten aufsetzt, holt das Maximum aus der vorhandenen Technik und ist auf die ereignisbasierten TAF 5 und 16 vorbereitet.
Was die neue SMGW-Generation ausmacht
Neue Generation ist die gängige Kurzformel für ein Smart Meter Gateway, das mehr kann als die ersten Geräte, beim Tarif wie bei der Funkanbindung. Genau hier lohnt eine erste Klarstellung: Es gibt keinen offiziellen SMGW-2.0-Standard und keine eigene BSI-Norm dieses Namens. Der Begriff ist ein Branchenausdruck, gemeint sind Geräte, die per erweiterter Re-Zertifizierung einen größeren Funktionsumfang erreicht haben.
Der Sprung zeigt sich vor allem bei den Tarifanwendungsfällen. Die erste Generation deckte vier davon ab, normativ verfügbar sind heute sieben. Hinzu kamen die netzdienlichen Fälle und die hochfrequente Messwertbereitstellung, oft nicht durch neue Hardware, sondern durch ein Firmware-Update auf bestehenden Geräten. Was als neue Generation gilt, ist also häufig dasselbe Gerät mit erweiterter Zulassung.
Die zweite Dimension ist die Anbindung. Neben Mobilfunk und Powerline rückt das dedizierte 450-MHz-Netz LTE-450 in den Vordergrund, das auf kritische Infrastruktur ausgelegt ist. Damit lassen sich Standorte erreichen, an denen klassischer Mobilfunk an seine Grenzen stößt. Die Wahl der richtigen Weitverkehrstechnik wird so zum eigenständigen Thema der neuen Generation.
Grundlage bleibt in beiden Fällen die BSI TR-03109-1. Die Version v1.1 gilt bis zum 31. Dezember 2027, daneben gibt es eine v2.0, die die Interoperabilität der Kommunikationseinheit adressiert. Neue Generation bedeutet damit nicht den Bruch mit der Richtlinie, sondern ihren erweiterten und re-zertifizierten Stand.
Die Tarifanwendungsfälle: das Framework
Tarifanwendungsfälle, kurz TAF, sind die Bausteine, mit denen das Smart Meter Gateway Messwerte erfasst und bereitstellt. Sie entscheiden, welche Tarife und welche Dienste technisch möglich sind. Die BSI TR-03109-1 definiert insgesamt 14 davon, TAF 1 bis 14, jeder mit einem klar umrissenen Zweck.
Inhaltlich lassen sich die Fälle in Gruppen ordnen. TAF 1 bis 8 decken Tarifierung und Bilanzierung ab, also den Kern der Abrechnung. TAF 9 betrifft steuerbare und Erzeugungsanlagen, etwa die Ist-Einspeisung. TAF 10 bis 13 liefern Netzzustandsdaten für den Netzbetreiber, und TAF 14 ist die hochfrequente, minutengenaue Messwertbereitstellung für die Visualisierung.
Nicht alle 14 sind im Feld nutzbar. Normativ verfügbar und zertifiziert sind aktuell sieben: TAF 1, 2, 6, 7, 9, 10 und 14. TAF 6 liefert Werte im Bedarfsfall, TAF 7 den Zählerstandsgang mit 15-Minuten-Werten. Die folgende Tabelle fasst die sieben verfügbaren Fälle mit ihrem jeweiligen Zweck zusammen.
| TAF | Zweck |
|---|---|
| TAF 1 | Datensparsame Tarife, Jahresverbrauch |
| TAF 2 | Zeitvariable Tarife |
| TAF 6 | Ablesung von Messwerten im Bedarfsfall |
| TAF 7 | Zählerstandsgang mit 15-Minuten-Werten, Basis dynamischer Tarife |
| TAF 9 | Ist-Einspeisung und steuerbare Anlagen |
| TAF 10 | Netzzustandsdaten |
| TAF 14 | Hochfrequente Messwerte, minutengenau, für Visualisierung |
Quelle: BSI TR-03109-1. Welcher TAF aktiv ist, hängt vom Gerät, seiner Zertifizierung und dem konkreten Anwendungszweck ab. Für die Frage, welche Tarife sich abbilden lassen, ist vor allem TAF 7 entscheidend, wie der nächste Abschnitt zeigt.
Wie dynamische Tarife über das SMGW laufen
Dynamische Stromtarife sind seit Anfang 2025 keine Kür mehr. Nach Paragraf 41a EnWG muss seit dem 1. Januar 2025 jeder Stromlieferant mindestens einen dynamischen Tarif anbieten. Voraussetzung beim Kunden ist ein intelligentes Messsystem, also ein Zähler mit Smart Meter Gateway.
Technisch braucht es dafür nicht den exotischsten Tarifanwendungsfall, sondern den Zählerstandsgang. Die Basis bildet TAF 7 mit seinen 15-Minuten-Werten, ergänzt um TAF 2 für die zeitvariablen Modelle. Erst diese viertelstündliche Auflösung erlaubt es, den Verbrauch gegen einen stündlich oder viertelstündlich schwankenden Börsenpreis abzurechnen. Hier setzen die dynamische Tarife und die neuen Strommarktmodelle auf.
Eine verbreitete Fehlannahme ist, dynamische Tarife liefen über TAF 14. Das ist nicht der Fall. TAF 14 ist die hochfrequente, minutengenaue Messwertbereitstellung, gedacht für die Visualisierung und für Mehrwertdienste wie die Live-Anzeige im Energieportal, nicht für die Abrechnung. Auch TAF 9 gehört nicht hierher, er betrifft Einspeisung und steuerbare Anlagen.
Für die Praxis heißt das: Wer dynamische Tarife anbieten will, muss vor allem sicherstellen, dass TAF 7 sauber bereitsteht und die 15-Minuten-Werte verlässlich beim Lieferanten ankommen. Der hochfrequente TAF 14 ist ein attraktives Extra für die Kundenbindung, aber kein technischer Ersatz für den Zählerstandsgang.
WAN-Technologien: LTE, LTE-450 und Powerline
Die größte praktische Hürde im Rollout ist nicht der Tarif, sondern die Erreichbarkeit. Rund ein Viertel der Zählerplätze liegt dort, wo Funk schwierig ist, im Keller oder hinter dicken Wänden. Deshalb zählt die richtige Wahl der Weitverkehrstechnik, mit der das Gateway das Backend erreicht.
Das Spektrum ist breit. Am Weitverkehrsnetz nutzt das Smart Meter Gateway klassischen Mobilfunk wie LTE und GPRS, Breitband-Powerline nach IEEE 1901, die das Stromkabel als Datenleitung nutzt, sowie Ethernet oder Glasfaser, wo eine feste Anbindung vorhanden ist. Welche Technik sinnvoll ist, entscheidet sich je Standort, nicht pauschal.
Neu im Hochlauf ist LTE-450, ein dediziertes Funknetz im 450-MHz-Band, das gezielt auf kritische Infrastruktur ausgelegt ist. Die niedrige Frequenz bringt eine bessere Gebäudedurchdringung, und alle Netzelemente sind mit 72 Stunden Notstrom abgesichert, also schwarzfallfest. Damit eignet sich LTE-450 besonders für schwer erreichbare und kritische Standorte, an denen herkömmlicher Mobilfunk ausfällt oder nicht ankommt.
Für die rein funklosen Fälle bleiben Powerline und Hybridlösungen. Sie überbrücken Kellerstandorte ohne Empfang, indem sie das Signal über das Stromnetz bis zu einem Punkt mit Anbindung führen oder mehrere Techniken kombinieren. So lässt sich auch jenes Viertel der Zählerplätze anbinden, das mit reinem Funk nicht erreichbar wäre.
Ausblick: TAF 5 und 16 und der Hochlauf
Die Entwicklung bleibt nicht bei den heutigen sieben Tarifanwendungsfällen stehen. Mit einem Implementierungshinweis von 2025 hat das BSI die ereignisbasierten TAF 5 und 16 als nächste Stufe vorgezeichnet. Sie lösen Übertragungen nicht starr nach Zeitplan aus, sondern bei einem definierten Ereignis, etwa einer Überschreitung.
Parallel beschleunigt sich der Ausbau des 450-MHz-Netzes. Die LTE-450-Abdeckung stieg 2025 von 34 auf rund 90 Prozent, mehr als 10.000 Smart Meter Gateways sind im Netz bereits aktiv. Drei SMGW sind für LTE-450 zertifiziert, die Geräte von PPC, Theben und EMH. Damit wird die schwarzfallfeste Anbindung von der Pilotidee zur breit verfügbaren Option.
Der eigentliche Rollout der intelligenten Messsysteme bleibt dabei das große Mengenthema. Ende 2025 waren erst rund 3,09 Millionen intelligente Messsysteme installiert. Gemessen am Gesamtbestand der Zählerplätze ist das ein früher Stand, der den Hochlauf in den kommenden Jahren prägen wird, sowohl bei den Tarifen als auch bei der Anbindung.
Diese Geräteseite greift in die übrigen Bausteine ein. Die Skalierung der SMGW-Backend-Infrastruktur muss mit der wachsenden Zahl an Gateways mitwachsen, und die Steuerung der Endgeräte im Haus läuft über die HAN-Strecke mit EEBUS und der Gerätesprache. Wer die Geräteseite versteht, ordnet beide Nachbarthemen leichter ein.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
Wer die WAN-Strategie je Standort plant und Bestandsgeräte per Firmware hebt, holt das Maximum aus der vorhandenen Technik, ohne auf die nächste Hardware-Generation zu warten. Aus den Anforderungen an Tarife, TAF und Anbindung lässt sich eine konkrete Handlungsliste ableiten.
- WAN-Strategie je Standort festlegen: pro Zählerplatz die passende Weitverkehrstechnik wählen, von LTE und Powerline bis Ethernet, statt eine Technik pauschal über alle Standorte zu legen.
- LTE-450 für schwer erreichbare Standorte einplanen: die dedizierte, schwarzfallfeste 450-MHz-Anbindung gezielt für Keller, dicke Wände und kritische Infrastruktur vorsehen, wo klassischer Mobilfunk nicht ankommt.
- Bestandsgeräte per Firmware heben: vorhandene Gateways über die Re-Zertifizierung auf TAF 9, 10 und 14 bringen, oft ohne Hardware-Tausch, und so den Funktionsumfang der neuen Generation erschließen.
- Dynamische Tarife richtig aufsetzen: die Abrechnung auf den TAF-7-Werten mit 15-Minuten-Auflösung gründen, TAF 14 als Visualisierungs-Extra einordnen und sich auf die kommenden ereignisbasierten TAF 5 und 16 vorbereiten.
Weiterführende Informationen
Häufig gestellte Fragen
Neue Generation ist ein Branchenbegriff, keine offizielle BSI-Norm. Es gibt keinen festgelegten SMGW-2.0-Standard. Gemeint sind Geräte, die per Re-Zertifizierung mehr können als die ersten Smart Meter Gateways, beim Tarif und bei der Funkanbindung. Konkret stieg die Zahl der normativ verfügbaren Tarifanwendungsfälle von vier auf sieben, und es kamen zusätzliche WAN-Technologien wie LTE-450 hinzu. Grundlage bleibt die BSI TR-03109-1.
Tarifanwendungsfälle sind die Bausteine, mit denen das Smart Meter Gateway Messwerte erfasst und bereitstellt. Die BSI TR-03109-1 kennt 14 von ihnen, TAF 1 bis 14. TAF 1 bis 8 decken Tarifierung und Bilanzierung ab, TAF 9 die steuerbaren und Erzeugungsanlagen, TAF 10 bis 13 die Netzzustandsdaten, TAF 14 die hochfrequente Messwertbereitstellung. Normativ verfügbar und zertifiziert sind aktuell sieben: TAF 1, 2, 6, 7, 9, 10 und 14.
Dynamische Stromtarife werden technisch über TAF 7 abgebildet, also den Zählerstandsgang mit 15-Minuten-Werten, ergänzt um TAF 2 für zeitvariable Modelle. Nicht über TAF 14, der dient der hochfrequenten Visualisierung und Mehrwertdiensten, nicht der Abrechnung. Voraussetzung beim Kunden ist ein intelligentes Messsystem. Seit dem 1. Januar 2025 muss jeder Lieferant mindestens einen dynamischen Tarif anbieten.
Am Weitverkehrsnetz nutzt das Smart Meter Gateway Mobilfunk wie LTE und GPRS, Breitband-Powerline nach IEEE 1901 sowie Ethernet oder Glasfaser. Neu im Hochlauf ist das dedizierte 450-MHz-Netz LTE-450 für kritische Infrastruktur. Welche Technologie sinnvoll ist, hängt vom Standort ab. Für funklose Kellerstandorte, rund ein Viertel der Zählerplätze, eignen sich Powerline und Hybridlösungen.
LTE-450 ist ein dediziertes Funknetz im 450-MHz-Band, das auf kritische Infrastruktur ausgelegt ist. Die niedrige Frequenz bietet eine bessere Gebäudedurchdringung, und alle Netzelemente sind mit 72 Stunden Notstrom abgesichert, also schwarzfallfest. Das macht es besonders für schwer erreichbare und kritische Standorte interessant. Die Netzabdeckung stieg 2025 von 34 auf rund 90 Prozent, drei SMGW sind zertifiziert.