KI in der EnergiewirtschaftStand: 12 Min. Lesezeit

KI-Studien 2026: was Energieversorger und Stadtwerke über KI berichten

Vier von fünf Versorgern haben KI eingeführt. Sechs von zehn davon kommen nicht über den Versuch hinaus, und eine umgesetzte KI-Strategie hat nicht einmal jeder Dritte.

Im April 2026 erschienen im Abstand von einem Tag zwei Branchenstudien zur KI bei Energieversorgern, eine von PwC und die Digital@EVU von BDEW, VSE und Kearney. Sie fragen Verschiedenes und landen trotzdem beim selben Befund. Seit Ende Juli 2026 gibt es außerdem eine Aufsicht, die Unterlagen anfordern darf.

Zusammenfassung

KI in der Energiewirtschaft ist der Einsatz von maschinellem Lernen und Sprachmodellen bei Energieversorgern, Netzbetreibern und Messstellenbetreibern, vor allem für Prognosen, Netzbetrieb, Marktprozesse und Kundenservice; die Studien von 2025 und 2026 zeigen eine breite, aber flache Nutzung. Laut PwC haben 79 Prozent der befragten Versorger erste KI-Lösungen eingeführt, 61 Prozent davon arbeiten noch experimentell, und nur jedes vierte Unternehmen hat eine KI-Roadmap (Bericht der ZfK vom 13.04.2026). Die Digital@EVU-Studie 2026 von BDEW, VSE, Kearney und IMP³ROVE mit mehr als 110 Versorgern kommt auf 29 Prozent mit umgesetzter KI-Strategie und 58 Prozent, die eine planen; eine Personalstrategie für die nötigen Kompetenzen haben 29 Prozent, fehlende Dateninfrastruktur nennen 76 Prozent als Hürde (14.04.2026). m3 und das Fraunhofer IPK sehen nach der Analyse von über 300 Prozessen eines Modell-Stadtwerks das größte Potenzial in Netz und Erzeugung und den leichteren Einstieg im Kundenservice (30.10.2025). Nach der Energiekunden-Studie 2026 von Simon-Kucher würden 12 Prozent der Befragten in Deutschland kündigen, wenn ihr Versorger KI zur Stromsteuerung einsetzt. Seit dem 29.07.2026 ist die Bundesnetzagentur nach dem KI-MIG Marktüberwachungsbehörde für KI, seit dem 02.08.2026 gelten die Transparenzpflichten nach Artikel 50 der KI-Verordnung, ab dem 02.12.2027 die Hochrisiko-Anforderungen nach Anhang III.

Neu gefasst am 17. Oktober 2026. Die erste Fassung dieses Beitrags von 2025 nannte geplante KI-Investitionen der Versorger von 2,8 Milliarden Euro, Kostensenkungen von 15 bis 20 Prozent und Zitate zweier Fachleute. Für keine dieser Angaben haben wir eine prüfbare Quelle gefunden. Wir haben sie gestrichen und den Text auf die Studien gestellt, die 2025 und 2026 öffentlich erschienen sind.

79 %
haben erste KI-Lösungen eingeführt
PwC, Stand 2025, ZfK 13.04.2026
61 %
davon stecken noch im Versuch
PwC nennt das PoC-Dilemma
29 %
haben eine KI-Strategie umgesetzt
Digital@EVU 2026, über 110 Versorger
76 %
fehlt dafür die Dateninfrastruktur
größte Hürde laut Digital@EVU 2026
300+
Prozesse eines Modell-Stadtwerks wurden bewertet
m3 und Fraunhofer IPK, 30.10.2025
12 %
würden bei KI-Stromsteuerung kündigen
Simon-Kucher, 1.000 Befragte, November 2025

Was mit KI in der Energiewirtschaft gemeint ist

KI in der Energiewirtschaft ist der Einsatz lernender Verfahren und generativer Sprachmodelle in den Prozessen von Energieversorgern, Netzbetreibern und Messstellenbetreibern. Typische Felder sind Last- und Einspeiseprognosen, Netzzustand und Instandhaltung, Klärfälle in der Marktkommunikation und der Kundenservice.

Die Studien zählen unterschiedlich. PwC fragt, ob ein Unternehmen KI-Lösungen eingeführt hat, ein Pilot reicht dafür. Digital@EVU fragt nach Strategie, Kompetenzen und danach, welche von 30 abgefragten Anwendungen umgesetzt sind. Wer die Zahlen nebeneinanderlegt, sollte das im Kopf behalten.

Eine Studie, die Investitionen oder Einsparungen für die ganze Branche in Euro beziffert, haben wir nicht gefunden.

Die Studien im Überblick

Sechs Arbeiten tragen das Bild. Zwei sind Befragungen von Versorgern, eine ist ein Prozessmodell, eine fragt Kundinnen und Kunden, zwei schauen auf das Netz.

Studie Herausgeber und Datum Basis Kernbefund
Künstliche Intelligenz in der Energiewirtschaft PwC, Stand 2025, Bericht der ZfK vom 13.04.2026 Entscheider von Versorgern, vom Stadtwerk unter 100 Beschäftigten bis zum Konzern über 2.000 79 % mit KI, davon 61 % experimentell, jedes vierte Unternehmen mit Roadmap
Digital@EVU 2026 BDEW, VSE, Kearney, IMP³ROVE, 14.04.2026 mehr als 110 Versorger aus sieben Ländern, 96 % aus Deutschland, Österreich und der Schweiz 29 % mit umgesetzter KI-Strategie, 58 % planen eine, 29 % mit Personalstrategie
KI-Studie 2025 m3 management consulting und Fraunhofer IPK, 30.10.2025 Modell-Stadtwerk, über 300 Prozesse in fünf Bereichen größtes Potenzial in Netz und Erzeugung, leichtester Einstieg im Kundenservice
Energiekunden-Studie 2026 Simon-Kucher mit Appinio, Befragung November 2025 1.000 Menschen in Deutschland 12 % würden bei KI-Einsatz zur Stromsteuerung kündigen
Data4Grid dena mit umlaut und Fraunhofer IEE, Abschlussbericht Januar 2023 drei Proof of Concepts mit Daten von 14 Netzbetreibern KI kann den Netzbetrieb effizienter machen, wenn Datenmanagement und Rechtsrahmen stehen
KI in der Netzleittechnik VDE ETG, 28.07.2025 Hintergrundpapier vierstufiges Einführungsmodell, angelehnt an TSM, ISMS und V-Modell

PwC: vier von fünf haben angefangen

PwC hat Entscheiderinnen und Entscheider von Versorgern jeder Größe befragt, vom Stadtwerk mit weniger als 100 Beschäftigten bis zum integrierten Konzern mit mehr als 2.000. Die Studie bildet das Jahr 2025 ab, die ZfK berichtete am 13. April 2026 über die Ergebnisse.

79 Prozent haben erste KI-Lösungen eingeführt. 61 Prozent davon arbeiten experimentell, und zwar unabhängig von der Unternehmensgröße. PwC nennt das PoC-Dilemma: Lösungen werden erprobt, in den Regelbetrieb kommen sie nicht. Kein einziges befragtes Unternehmen stuft sich als fortgeschritten oder KI-getrieben ein.

Das ist die eigentliche Nachricht.

Eingesetzt wird KI dort, wo es leicht geht: Auf den Kundenservice entfallen 29 Prozent, auf Unterstützungsfunktionen 21, auf den Vertrieb 12. Erzeugung, Netzbetrieb und Handel liegen laut PwC deutlich zurück. An Hürden nennen 30 Prozent Technik und Daten, also Schnittstellen und lückenhafte Bestände, 28 fehlende Kompetenzen, 18 rechtliche und ethische Bedenken und 16 Widerstände in Kultur und Organisation.

Zwei Details überliest man leicht. IT-Leitungen schätzen die KI-Reife des eigenen Hauses vorsichtiger ein als die Geschäftsführung. Und rund drei Viertel der über 70 erfassten Anbieterlösungen laufen auf der Cloud eines Hyperscalers. Für ein Haus, das unter NIS2 oder das KRITIS-Dachgesetz fällt, ist das keine Nebensache.

Die Praxisbeispiele, die die ZfK aus der Studie zitiert, stammen fast alle aus Netz und Messwesen: ein Chatbot, der 95 Prozent der Kundenanfragen selbst beantwortet, eine Bilderkennung für monatlich rund 50.000 Zählerstände mit 99,5 Prozent Genauigkeit, eine Plausibilisierung, die 90 Prozent der Klärfälle bei Zählerständen ohne Eingriff löst. Wie solche Fälle vorsortiert werden, beschreiben wir im Beitrag zu KI für Klärfälle in Marktkommunikation und Messwesen.

Digital@EVU 2026: Strategie geplant, Personal fehlt

Die Digital@EVU misst seit 2016 die digitale Reife der Branche. Die Ausgabe 2026 haben BDEW, der Schweizer Verband VSE, Kearney und IMP³ROVE am 14. April 2026 vorgestellt. Mitgemacht haben mehr als 110 Versorger aus sieben Ländern, 96 Prozent davon aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Der BDEW titelte, mehr als 90 Prozent arbeiteten mit einer KI-Strategie oder planten eine. Stimmt. Im Bericht steht aber auch die Aufteilung: umgesetzt haben sie 29 Prozent, 58 planen sie. Von den Häusern mit Strategie haben 24 Prozent klare Kennzahlen, an denen sie die Wirkung messen.

Bei den Kompetenzen sieht es ähnlich aus. 56 Prozent wissen, welche digitalen Fähigkeiten sie künftig brauchen. Eine Personalstrategie, um sie aufzubauen, haben 29 Prozent.

Die Hürden hängen an der Größe. Über alle Teilnehmer nennen 76 Prozent fehlende Dateninfrastruktur, 68 fehlende Fähigkeiten der Mitarbeitenden und 59 Sicherheitsbedenken, beim Datenschutz wie bei der Cybersecurity; das sind 24 Punkte mehr als in der Ausgabe 2023. Bei den kleinen Versorgern mit weniger als 100 Millionen Euro Umsatz steht für 71 Prozent der Mangel an internen Kapazitäten vorn. Am anderen Ende, bei den Giants mit mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz, haben 73 Prozent eine KI-Strategie umgesetzt und 91 Prozent ein eigenes Kompetenzzentrum für KI und Datenanalyse.

Und die Regulierung? 56 Prozent erwarten vom AI Act neutrale Auswirkungen. Für Häuser mit einem Chatbot im Kundenkontakt halten wir das für zu entspannt, denn die Transparenzpflichten nach Artikel 50 gelten seit dem 2. August 2026.

m3 und Fraunhofer IPK: wo im Stadtwerk das Potenzial liegt

Statt Unternehmen zu befragen, haben m3 management consulting und das Fraunhofer IPK ein Modell-Stadtwerk gebaut und über 300 typische Prozesse in fünf Bereichen bewertet: Netze, Beschaffung, Kundenservice und Vertrieb, kaufmännische Prozesse, Erzeugung. Vorgestellt wurde die Studie am 30. Oktober 2025.

Das Ergebnis klingt vertraut und ist trotzdem nützlich. Das größte Potenzial liegt in Netz und Erzeugung, dort sind die Projekte aber anspruchsvoll und verlangen eine hohe KI-Reife der Organisation. Der leichtere Einstieg ist Kundenservice und Vertrieb, weil er weder tiefes technisches Wissen noch große Umbauten braucht. Das deckt sich mit dem, was PwC tatsächlich im Einsatz findet. Wie weit Netzbetreiber beim schwierigeren Teil sind, zeigt unser Beitrag zu KI-Last- und Einspeiseprognosen im Verteilnetz.

In der Presse kursiert dazu eine Zahl. Stadtwerke könnten mit KI bis 2035 56 Prozent einsparen, berichtete KOMMUNAL am 27. Oktober 2025 unter Berufung auf das Handelsblatt. In den Veröffentlichungen von m3 und Fraunhofer IPK steht sie nicht, und der Bezugswert bleibt offen. Ein Stadtwerke-Geschäftsführer nannte solche Angaben im selben Beitrag „Scheingenauigkeit“.

Wir würden mit der Prozessliste arbeiten, nicht mit der Prozentzahl.

Simon-Kucher: was Kundinnen und Kunden davon halten

Die Energiekunden-Studie 2026 von Simon-Kucher, erhoben im November 2025 mit Appinio unter 1.000 Menschen in Deutschland, stellt eine Frage, die in den Branchenstudien fehlt: Was passiert, wenn der Versorger KI zur Stromsteuerung einsetzt? 12 Prozent würden ihren Vertrag kündigen.

Zwölf Prozent klingen nach wenig. In einem Markt, in dem nach derselben Studie jeder dritte Stromkunde offen für einen Anbieterwechsel ist, sind sie es nicht.

Was „Stromsteuerung“ genau heißt, lässt die Studie offen. Für den Vertrieb ist das trotzdem eine brauchbare Unterscheidung: KI im Hintergrund, in Prognose oder Abrechnung, ist etwas anderes als KI, die beim Kunden sichtbar schaltet. Bei Chatbots verlangt Artikel 50 der KI-Verordnung seit dem 2. August 2026, dass Menschen erkennen, dass sie mit einer KI sprechen. Wie Versorger KI im Kundenservice einsetzen, ohne Vertrauen zu verspielen, steht in unserem Beitrag zu KI im Kundenservice und Churn-Prävention.

dena und VDE: KI im Netz hängt an den Daten

Für das Netz gibt es zwei ältere Arbeiten, die genauer hinschauen als jede Umfrage. Im Projekt Data4Grid haben die dena, umlaut und 14 Netzbetreiber drei Proof of Concepts mit echten Netzdaten gebaut: Szenarien für die Elektromobilität, eine Bewertung von Messstellen für mehr Netztransparenz und Verbrauchsprognosen aus Smart-Meter-Daten. Das begleitende Gutachten des Fraunhofer IEE vom Januar 2023 kommt zu dem Schluss, dass KI den Netzbetrieb effizienter und zuverlässiger machen kann, wenn Datenmanagement, Datensicherheit und Rechtsrahmen mitgedacht werden.

Die VDE ETG hat im Juli 2025 ein Hintergrundpapier zu KI in der Netzleittechnik vorgelegt. Es beschreibt ein vierstufiges Einführungsmodell, das an das Technische Sicherheitsmanagement, ein ISMS nach ISO/IEC 27001 und das V-Modell der Softwareentwicklung anknüpft. KI erweitert dort das Werkzeug der Entscheider in der Leitstelle. Die Kontrolle abzugeben, ist ausdrücklich nicht das Ziel.

Beide Arbeiten sind älter als die Umfragen von 2026 und passen trotzdem zu deren Befund. Im Netz entscheidet die Datenlage, und die nennen in der Digital@EVU drei von vier Versorgern als Hürde Nummer eins.

Stadtwerk oder großer Versorger: was die Zahlen jeweils heißen

Keine der Studien weist Stadtwerke gesondert aus. Die Digital@EVU trennt aber nach Umsatz, und die Abstände sind groß. Wir lesen aus den Zahlen fünf Unterschiede; die Einordnung in der Tabelle ist unsere, die Prozentwerte stammen aus den Studien.

Thema Stadtwerk und kleiner Versorger Großer Versorger und Konzern
Pilot-Falle Ein oder zwei Piloten, oft vom Anbieter angestoßen. Der Betrieb scheitert an Kapazität: 71 % der kleinen Versorger nennen fehlende interne Kapazitäten als wichtigste Hürde. Viele Piloten parallel. Schwierig ist die Auswahl, welche in den Betrieb gehen, und wer sie dort verantwortet.
Roadmap Eine Seite reicht: zwei oder drei Anwendungsfälle mit Verantwortlichen, Budget und Termin. 73 % der Giants haben eine KI-Strategie umgesetzt. Offen ist eher die Messung: Bei den großen Versorgern mit Strategie hat die Hälfte klare Kennzahlen.
Kompetenzen Kein eigenes Data-Science-Team, sondern wenige Schlüsselpersonen. Kooperationen im Verbund und gemeinsame Plattformen gleichen das aus. 91 % der Giants betreiben ein Kompetenzzentrum für KI und Datenanalyse. Der Engpass ist die Verbindung zum Fachbereich.
Daten Die Daten liegen in wenigen Standardsystemen, oft beim Dienstleister. Zuerst ist zu klären, wer darauf zugreifen darf. Viele Quellsysteme, meist schon eine Datenplattform. Offen sind Qualität und Verantwortung je Fachdomäne.
Recht Meist Betreiber zugekaufter Systeme. In kommunalen Eigenbetrieben gilt für die Mitbestimmung das Personalvertretungsrecht des Landes statt des Betriebsverfassungsgesetzes. Häufiger eigene oder stark angepasste Modelle. Wer ein Modell wesentlich verändert oder unter eigenem Namen einsetzt, kann vom Betreiber zum Anbieter werden.

Die Pilot-Falle ist kein Stadtwerke-Problem. Die 61 Prozent im Versuch gelten laut PwC für alle Größen. Woran es hängt, ist verschieden: im Stadtwerk an Köpfen, im Konzern an Entscheidungen.

Welche Rollen betroffen sind

KI ist bei einem Versorger kein eigenes Geschäftsfeld. Sie landet in der Marktrolle, deren Prozess sie verändert, und dort liegen auch die Pflichten.

Rolle Typische KI-Anwendung Was die Studien dazu sagen
Verteilnetzbetreiber Last- und Einspeiseprognose, Netzzustand, vorausschauende Instandhaltung größtes Potenzial laut m3 und Fraunhofer IPK; in Erzeugung und Netz liegen die Umsetzungsquoten relevanter Anwendungen im Schnitt bei 30 bis 50 % (Digital@EVU)
Messstellenbetreiber Plausibilisierung von Messwerten, Erkennung von Zählerständen, Klärfälle die greifbarsten Praxisbeispiele bei PwC
Lieferant und Vertrieb Kundenservice, Chatbots, Next Best Offer Kundenservice 29 %, Vertrieb 12 % (PwC); 12 % der Kundschaft skeptisch (Simon-Kucher)
Handel und Bilanzkreis Prognosen für Beschaffung und Bilanzkreisbewirtschaftung laut PwC deutlich hinter dem Kundenservice
Erzeugung und Wärme Fahrweise, Wartung von Anlagen hohes Potenzial bei hohem Reifebedarf (m3 und Fraunhofer IPK)
Geschäftsführung, IT, Personal Strategie, KI-Inventar, Governance, Kompetenzaufbau 29 % mit umgesetzter KI-Strategie, 29 % mit Personalstrategie (Digital@EVU)

Auslöser mit Datum

Die Studien beschreiben einen Markt, der sich Zeit lässt. Der Rechtsrahmen tut das inzwischen nicht mehr.

2. Februar 2025

KI-Kompetenz nach Artikel 4

Wer KI-Systeme anbietet oder betreibt, muss sich um die KI-Kompetenz des eigenen Personals kümmern. Der Digital Omnibus hat die Pflicht 2026 umformuliert, gestrichen hat er sie nicht.

29. Juli 2026

Das KI-MIG tritt in Kraft

Die Bundesnetzagentur wird Marktüberwachungsbehörde, zentrale Anlaufstelle und Beschwerdestelle für die KI-Verordnung. Was sie anfordern darf, steht in unserem Beitrag zum KI-MIG und der Aufsicht der Bundesnetzagentur.

2. August 2026

Transparenzpflichten nach Artikel 50

Chatbots im Kundenkontakt und KI-erzeugte Inhalte müssen als solche erkennbar sein.

2. Dezember 2027

Hochrisiko-Anforderungen nach Anhang III

Erfasst ist unter Nummer 2 KI als Sicherheitsbauteil in der Strom-, Gas- und Wärmeversorgung; der Digital Omnibus (VO (EU) 2026/1744) hat den Termin vom August 2026 verschoben. Nach dem Leitlinien-Entwurf der Kommission vom 19. Mai 2026, der noch nicht final ist, fällt die Lastprognose zur Netzoptimierung nicht darunter, die Anomalieerkennung für die Netzstabilität schon. Die Einordnung im Detail steht im Beitrag zu Hochrisiko-KI in der Energieinfrastruktur.

Wer heute pilotiert, sollte die Dokumentation gleich so anlegen, dass sie 2027 noch trägt.

Was wir daraus ableiten

In einem Punkt sind sich die Studien einig. Der Engpass ist der Weg in den Betrieb.

Vier Schritte für die nächsten Monate

  1. Inventar vor Strategiepapier

    Erfassen Sie, welche KI-Systeme im Haus laufen, auch die eingebauten in Standardsoftware. Ohne diese Liste ist jede Einstufung geraten.

  2. Einen Piloten in den Betrieb holen

    Einen. Wählen Sie den mit dem klarsten Nutzen und legen Sie fest, wer ihn im Betrieb verantwortet, wie er überwacht wird und was er kosten darf. An genau diesem Schritt bleiben laut PwC 61 Prozent hängen.

  3. Daten vor Werkzeug

    Prüfen Sie für die nächsten zwei Anwendungsfälle, ob die Daten vorhanden, zugänglich und rechtlich nutzbar sind, bevor Sie ein Produkt auswählen. Für Messdaten gilt das Messstellenbetriebsgesetz, für Kundendaten die DSGVO. Und wenn die Daten beim Dienstleister liegen, gehört der Zugriff in den Vertrag.

  4. Kompetenz als Personalthema

    Eine Schulung zur KI-Kompetenz nach Art. 4 deckt die Pflicht ab. Wer Piloten in den Betrieb bringen will, braucht dafür feste Rollen und eine Personalstrategie. Die haben laut Digital@EVU erst 29 Prozent.

Wie wir Energieversorger auf diesem Weg begleiten, vom Prototyp bis zur Governance, steht auf der Seite KI für Energieversorger: vom Pilot in den Betrieb.

Weiterführende Quellen

Häufig gestellte Fragen

KI in der Energiewirtschaft ist der Einsatz lernender Verfahren und generativer Sprachmodelle bei Energieversorgern, Netzbetreibern und Messstellenbetreibern. Typische Felder sind Last- und Einspeiseprognosen, Netzzustand und Instandhaltung, Klärfälle in der Marktkommunikation und der Kundenservice. Laut PwC haben 79 Prozent der befragten Versorger erste KI-Lösungen eingeführt, 61 Prozent davon arbeiten aber noch experimentell.
Die PwC-Studie „Künstliche Intelligenz in der Energiewirtschaft“ bildet das Jahr 2025 ab; die ZfK berichtete am 13. April 2026 darüber. 79 Prozent der befragten Versorger haben erste KI-Lösungen eingeführt, 61 Prozent davon arbeiten experimentell, unabhängig von der Größe. Nur jedes vierte Unternehmen hat eine KI-Roadmap. Eingesetzt wird KI vor allem im Kundenservice (29 Prozent), in Unterstützungsfunktionen (21 Prozent) und im Vertrieb (12 Prozent). Als Hürden nennen 30 Prozent Technik und Daten, 28 Prozent fehlende Kompetenzen.
Die Digital@EVU-Studie 2026 von BDEW, VSE, Kearney und IMP³ROVE erschien am 14. April 2026 und stützt sich auf mehr als 110 Versorger. 29 Prozent haben eine KI-Strategie umgesetzt, 58 Prozent planen eine. 56 Prozent wissen, welche digitalen Kompetenzen sie brauchen, eine Personalstrategie dafür haben 29 Prozent. Als größte Hürde nennen 76 Prozent fehlende Dateninfrastruktur; bei kleinen Versorgern stehen fehlende interne Kapazitäten vorn.
Zwei Zahlen kursieren ohne prüfbare Primärquelle. Für geplante KI-Investitionen der Versorger von 2,8 Milliarden Euro haben wir keine Quelle gefunden; die frühere Fassung dieses Beitrags nannte sie, wir haben sie gestrichen. Die Einsparung von 56 Prozent bis 2035 für Stadtwerke geht auf einen Bericht des Handelsblatts zurück, den KOMMUNAL am 27. Oktober 2025 zitierte; in den Veröffentlichungen von m3 und Fraunhofer IPK steht sie nicht.
Die Pflicht zur KI-Kompetenz nach Artikel 4 der KI-Verordnung gilt seit dem 2. Februar 2025. Seit dem 29. Juli 2026 ist die Bundesnetzagentur nach dem KI-MIG Marktüberwachungsbehörde. Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten nach Artikel 50, etwa für Chatbots. Die Hochrisiko-Anforderungen nach Anhang III, darunter KI als Sicherheitsbauteil der Strom-, Gas- und Wärmeversorgung, gelten nach dem Digital Omnibus ab dem 2. Dezember 2027.

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